Sabine Rasper aus Scholen liefert „J“: Odine Lang eint 26 Kunstschaffende für Alphabet-Aktion

Mutmacher im Postkartenformat

Kleine Büchlein hat Sabine Rasper für das Mut-Alphabet gebunden.
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Kleine Büchlein hat Sabine Rasper für das Mut-Alphabet gebunden.

Scholen – In der Frage, ob Kunst systemrelevant ist oder nicht, hilft die Aktion der Aachener Künstlerin Odine Lang zu einer Antwort. Sie bittet 26 künstlerische Freundinnen und Freunde, positive Botschaften in Kartengröße auszutauschen. Wie sie erklärt, um „dieser Misere ein kleines bisschen Zusammenhalt und Kreativität entgegenzusetzen“.

Aus den Fragen „Was wünscht Ihr Euch für das kommende Jahr? Was macht Mut und gibt Hoffnung? Was tut Euch gut?“ ist ein Mut-Alphabet entstanden. Das „J“ liefert Buchbindemeisterin Sabine Rasper vom Atelierhof „Scholen 53“.

Sie erzählt über die Ideenfindung: „Mein erster Gedanke zum J war ,Ja‘, ich bin immer positiv und zuversichtlich eingestellt. Aber es war mir dann zu einfach. Dann dachte ich an Jubel, Trubel, Heiterkeit – das hat jedoch ein gewisses Geschmäckle, erinnert zu sehr an Karneval, das wollte ich nicht.“ Ihr Ehemann Burkard Meyendriesch hilft aus, als Lateiner erinnert er an das Wort Jubilate. „Jubelt, also die Aufforderung zum Jubeln – und das entspricht genau meiner Haltung. Denn ich kann das Gejammer von Menschen, die alles haben und denen es doch gut geht, auch in diesen Zeiten, nicht mehr hören. Ich finde täglich Gründe zum Jubeln, die ersten Schneeglöckchen, die vielen Vögel am Futterplatz, dass mein Sohn dieses Jahr heiratet und und und.“ Um das J deutlich zu machen habe sie Goldfarbe mit einer alten Zinkschablone aufgetragen und „ubilate“ mit einer changierenden Metallicfolie mit Hitze in der Prägepresse gedruckt.

In der Werkstatt: Sabine Rasper.

Und wie findet sie die anderen Kunstwerke? „Was ich an dem fertigen Alphabet so schön finde, ist, wie unterschiedlich jede Karte geworden ist, sowohl in der Technik, als auch bei der Materialauswahl und auch das Wort selbst oder die Assoziation mit dem Buchstaben. Diese Vielfalt, die wir in allen Lebensbereichen finden, wenn wir neugierig sind und die Augen offen halten, ist doch ein Geschenk!“

Die Resonanz der Künstlerinnen und Künstler auf die Anfrage sei unglaublich positiv gewesen, berichtet Odine Lang. „Anscheinend hat das Projekt einen Nerv getroffen: die Freude, in Kontakt zu kommen, etwas tun zu können, etwas Positives von anderen zu bekommen.“ Etliche Künstler hätten die Einladung genutzt, auch persönlich, per Telefon, nachzufragen – der künstlerische, der kulturelle Austausch fehle in dieser Zeit der geschlossenen Ausstellungen, Theater, Museen und Messen.

Jubilate – die J-Karte von Sabine Rasper.

Die Karten sind so unterschiedlich wie die Künstlerinnen und Künstler selbst, die sie gestaltet haben: „Es gibt Drucke und Collagen, Zeichnungen und Textiles, dünnes Chinapapier und Pappe, Durchscheinendes und Geschnittenes, kalligrafierte Wörter und versteckte Buchstaben. Mal ist das gewählte Wort zum Buchstaben sofort erkennbar, mal eher verrätselt, mal gibt es ein ganzes Bündel von Wortassoziationen“, freut sich Odine Lang. Die Natur sei für mehrere eine Kraftquelle, Poesie und Musik sind Themen, es gebe „Reiseräume“ und „Farbenreisen“ – und über allem die Hoffnung, dass die augenblickliche Situation endlich ist: „Lockerungslust“ – auch „Dada“ und „Quatsch“ dürfen nicht fehlen.

Fragen an Odine Lang, Initiatorin des Mut-Alphabets

Haben Sie ein derartiges Projekt zum ersten Mal ins Leben gerufen?

ODINE LANG: Es ist das erste Mal, dass ich ein solches Projekt mit befreundeten KünstlerInnen gestartet habe. Aber ich habe schon viele partizipative Künstlerbuchprojekte im Rahmen meiner Vermittlungstätigkeit initiiert, die ähnlich strukturiert waren, etwa im Rahmen von Lehraufträgen an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig oder an der Bundesakademie für Kulturelle Bildung. Übrigens komme ich seit einigen Jahren einmal im Jahr in die Region und leite einen Kursus bei der Sommerakademie in Bassum zu experimentellen Buchgestaltungen. In diesem Jahr ist unser Thema: „Buchexperimente – Vom Sehen und Träumen“.

Mut per Postkarte.

Haben Sie schon eine Lieblingspostkarte?

Ich bin absolut begeistert von der Vielfalt und Abwechslung, dem Ideenreichtum, sodass ein einzelnes Motiv gar kein Lieblingsmotiv sein kann. Ich könnte zu jeder der Karten sagen, warum sie so besonders ist und was ich daran so toll finde!

Was machen Sie mit ihren Exemplaren?

Meine Exemplare möchte ich angucken und zeigen. Noch sind sie im Umschlag, nicht gerahmt und aufgehängt, aber das kommt noch. Weil es ja auch Motive gibt, die dreidimensional gedacht sind oder bei denen Vorder- und Rückseite gleichermaßen relevant sind, kann die Sammlung nicht einfach hinter eine Glasplatte geklemmt werden. Ich muss da noch erfinderisch werden. Wahrscheinlich werde ich einen Objektrahmen entsprechend präparieren. Aber das Alphabet soll seine mutmachende Wirkung nicht nur bei mir entfalten, daher ist das gedruckte Plakat mit allen Motiven so wichtig. Damit erreichen wir mit unserer Botschaft viel mehr Menschen! Es gibt sogar schon Pläne, das Mut-Alphabet in einer kleinen Ausstellung im Original zu zeigen, wenn Besucher wieder Ausstellungen und Museen besuchen können.

Die „Z“-Karte von Initiatorin Odine Lang.

Sie haben das Z: War zuerst der Zitronenfalter als Idee da oder das Mut-Alphabet und dann als Zufall das Z für Sie?

Das Konzept für das Mut-Alphabet stand zuerst. Ich habe die 26 Buchstaben unter den Beteiligten ausgelost. Mir fiel zufälligerweise das „Z“ zu. Das fand ich eigentlich sogar ganz schön, weil ich als Initiatorin damit den Bilderreigen beschließen konnte. Ich habe lange gegrübelt, was zu mir und zum „Z“ passt. Die Fragen, von denen wir ausgegangen sind, waren ja: Was wünscht Ihr Euch für das neue Jahr? Was macht Mut und gibt Hoffnung? Was tut Euch gut? – „Zuversicht“ wäre auch ein passendes Wort gewesen. Aber ich beschäftige mich in meiner Kunst viel mit der Natur. Als Frühlingsbote mag ich den Zitronenfalter besonders, in diesem Jahr kann er mir besonders Hoffnung geben auf eine unbeschwertere Zeit.

Bestellmöglichkeit

Infos und Bestellmöglichkeiten gibt es auf der Homepage www.odinelang.de, auch über Sabine Rasper (www.scholen53.de).

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