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„Möppel-Muffen“ atmen auf der „Ballermann Ranch“ wieder auf

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Von: Harald Bartels

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Ein Mann und eine Frau streicheln zwei Shetland-Ponys.
Mittlerweile haben die beiden „Möppel-Muffen“ Vertrauen zu André und Annette Engelhardt gefasst. © Bartels

Blockwinkel – Zwei neue Bewohner fordern die Aufmerksamkeit von Annette und André Engelhardt auf der „Gut Aiderbichl Ballermann Ranch“ in Blockwinkel: Die beiden Shetland-Ponys Amy und Lilly haben ihr eine neue Heimat gefunden, nachdem ihr bisheriges Dasein wenig freudvoll war. Für das Duo hat sich auf dem Tierschutzhof bereits ein Kosename etabliert – die „Möppel-Muffen“. „Sie sind klein, knuddelig und Amy ist auch moppelig“, erläutert André Engelhardt, „und der Name steht auch dafür, wie ausgeliefert sie den Menschen sind.“

Im Dezember kamen sie in Blockwinkel an, nachdem sie die ersten sieben Jahre ihres Lebens in Mecklenburg-Vorpommern in sehr schlechter Haltung verbringen mussten. Sie seien ausschließlich auf einer Wiese gehalten worden, mit Bäumen als einzigem Unterstand, berichtet André Engelhardt. Der Eigentümer habe sie vollkommen sich selbst überlassen, Futter erst ausgetauscht, wenn es verbraucht war, sodass die Tiere auch feuchtes und schimmeliges Heu hätten fressen müssen. Diesen Zustand habe eine Nachbarin nicht länger hinnehmen wollen und die Ponys, mit Einverständnis des Eigentümers, von der Weide geholt. Allerdings war das Duo infolge der bedenklichen Haltungsbedingungen schwer erkrankt, sodass die Tierfreundin sich an die Stiftung Gut Aiderbichl wandte.

„Völlig verängstigt“ seien beide gewesen, erinnert sich André Engelhardt, in den ersten Tagen auf der Ranch seien sie vor allen Menschen davongelaufen. Sobald man sie jedoch angeleint habe, um sie in ihren Stall zu führen, seien sie ganz willenlos und apathisch geworden – „sie haben sich selber aufgegeben.“

Zwei Shetland-Ponys nehmen Futter an ein einer Frau und einem Mann.
Inzwischen lassen sich Lilly (links) und Amy von Annette und André Engelhardt füttern und streicheln. © Bartels, Harald

An den anderen Tieren hätten sie sich orientiert und nach wenigen Tagen gelernt, dass zu bestimmten Zeiten Futter auf sie im Stall wartet. Zugleich begann die Behandlung durch die Tierarztpartner Sulinger Land. „Sie haben super Arbeit geleistet“, bekräftigt André Engelhardt, aber rasch sei klar gewesen, dass die dortigen Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichen. Auf Anraten der Tierärzte wandten sich Engelhardts an die auf Pferde spezialisierte Tierklinik Lüsche in Bakum. „Da ist auch ,Schnütchen‘ operiert worden, und das war eine ganz tolle Zusammenarbeit für das Leben der Tiere.“

In der Klinik kümmerten sich die Veterinäre um die mutmaßlich durch das verschimmelte Heu ausgelöste asthmatische Erkrankung beider Ponys, stellten fest, dass die Lunge von Lilly so sehr geschädigt war, dass ein Streptokokken-Befall vorlag. Eine intensive Behandlung in der Klinik über 14 Tage sei nötig gewesen, sagt André Engelhardt, „und meine Frau hat die beiden jeden zweiten Tag besucht.“

Eine Frau kniet vor einem Pony und stützt dessen Inhalator.
Täglich muss Annette Engelhardt die beiden Ponys mit einem Inhalator behandeln. © Bartels, Harald

Das zeigte Wirkung bei den „Möppel-Muffen“. Seit ihrer Rückkehr liefen beide „wie Hunde“ hinter Annette Engelhardt her. „Da ist eine positive Verbindung geschaffen worden“ ,freut sich André Engelhardt, „sie kommen jetzt und fordern ein Leckerli – das sind die schönen Momente, wo einem das Herz aufgeht.“

Die medizinische Behandlung der Ponys geht aber weiter. Neben Medikamenten kommt täglich ein Inhalator zum Einsatz. Beide sind in einer eigenen Box untergebracht, in der jeden Tag frische Einstreu eingebracht wird, die desinfiziert wurde, um sie pilz- und staubfrei zu bekommen. Etwa vier Wochen werde die Behandlung sicher noch nötig sein, und einige Zeit später würden beide wieder in der Tierklinik vorgestellt.

Der Wert eines Lebens kann nicht in Geld gemessen werden.

André Engelhardt

Vor allem bei Lilly zeigt sich bereits eine deutliche Besserung: „Sie war zwar aufmerksam, aber sie hat schwer gepumpt beim Atmen und hatte kaum Lust zu fressen“, berichtet Annette Engelhardt. Inzwischen grast sie gemeinsam mit Amy auf einem abgetrennten Bereich. Beide suchen durch den Zaun schon Kontakt zu den übrigen Tieren auf der Ranch – insgesamt 60 Pferde, Ponys und Esel haben hier eine Heimat gefunden. „Der Zustand bessert sich langsam, aber bei Lilly kann es bis zu zwei Jahre dauern“, weiß Annette Engelhardt. „Wir hoffen, dass sie in einem Dreivierteljahr so weit sind, dass sie mit den anderen Ponys mitlaufen können.“ Die Lebenserwartung von Shetland-Ponys liege immerhin bei 30 bis 40 Jahren.

Mehr als 4 000 Euro habe die Behandlung des Duos bislang bereits gekostet. „Wir sind schon mehrfach gefragt worden, warum wir das denn ausgeben, wo man für das gleiche Geld doch 60 ,Shettys‘ zum Schlachtpreis bekommen kann“, gibt André Engelhardt preis. Seine Antwort: „Der Wert eines Lebens kann nicht in Geld gemessen werden“, auch wenn man dankbar sei für Paten, die die Pflege eines Tieres unterstützen. Die Tiere seien den Menschen anvertraut und hätten keine andere Möglichkeit, als ihnen zu vertrauen. Dem Ehepaar sei bewusst, dass es mit seinem Einsatz nicht alle Tiere retten kann. „Aber das eine oder andere Tier, und wir sind stolz, Teil von ,Aiderbichl‘ zu sein.“ Beide seien sehr gläubig, betont André Engelhardt, Inhaber der Partymarke „Ballermann“. „Und mein fester Glaube ist, dass mir ,Ballermann‘ gegeben wurde, um damit etwas Gescheites zu machen – und nicht, um Golf zu spielen oder auf einer Yacht zu fahren.“

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