Interview

Lars Christian Oetker zur möglichen Flurbereinigung: „Mehr auf die Chancen sehen“

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Den Steinsvorder Mühlenbach in Neuenkirchen drängt es bei starken Regenfällen häufig in sein ursprüngliches Bett zurück – eine mögliche Renaturierung nennt Lars Christian Oetker als eine Idee für ein Flurneuordnungsverfahren.

Neuenkirchen - Von Andreas Behling. Ob für die Gemeinde Neuenkirchen ein Flurneuordnungsverfahren beantragt wird, ist noch nicht entschieden. Mit den erforderlichen Vorbereitungen beschäftigt sich ein Arbeitskreis, der bislang sieben Mal tagte – dem „Forum Landentwicklung Neuenkirchen – Cantrup“ gehört auch Gemeinderatsmitglied und Landwirt Lars Christian Oetker an: Im Interview spricht er über bisherige Ergebnisse und Ideen.

Womit haben sich die Forumsmitglieder bislang beschäftigt?

Wir haben Bereisungen unternommen, waren im möglichen Verfahrensgebiet unterwegs, haben uns auch das gerade abgeschlossene Flurneuordnungsverfahren Ochtmanien-Weseloh angesehen. Wir hatten konstruktive Arbeitskreistreffen – da sind wir ja mit 15 Personen breit aufgestellt, aus jeder Ortschaft, aus jedem landwirtschaftlich wichtigen Verein ist jemand vertreten, sowohl Verpächter als auch Pächter. Natürlich stoßen wir hin und wieder auf Dinge, mit denen nicht jeder einverstanden ist – das sind aber meiner Meinung nach keine gravierenden Punkte. Wir haben zuerst über Wegebau gesprochen: Welche Wege sind überflüssig, welche müssten ausgebaut werden? Es ging auch um Grünordnung: Wo könnten Biotope angelegt werden, wo macht die landwirtschaftliche Nutzung keinen Sinn?

Rat und Verwaltung erhoffen sich vor allem Fördermittel für die Sanierung beziehungsweise den Ausbau des Wegenetzes. Welche Vorteile könnte die Flurneuordnung den Landwirten bringen?

Unter Flurbereinigung verstehen die Landwirte in erster Linie Flächenneuordnung. Das ist im Gödderner und Neuenkirchener Gebiet sinnvoll, aber auch in Cantrup, wo es in den 80-er Jahren bereits eine Flurbereinigung gab, würde es positive Effekte geben. Wobei man klar sagen muss: Die konkrete Flächenzuordnung ist überhaupt nicht Thema des Arbeitskreises. Der Wegebau kommt natürlich auch den Landwirten zugute – aber einen ganz großen Vorteil sehe ich aktuell beim Thema Gewässerrandstreifen: Die könnten dem Ochtumverband als zuständigem Wasser- und Bodenverband zugeschlagen werden. Die Landwirte, die aktuell noch bis an die Gewässerkante wirtschaften, dies aber in Zukunft aufgrund gesetzlicher Auflagen nicht mehr können, hätten hier die Möglichkeit des Flächentauschs – statt einer möglichen „stillen Enteignung“.

Sind seitens der Flächeneigentümer Wünsche an den Arbeitskreis herangetragen worden?

Man hört viele Stimmen „hintenrum“, da hätte ich mir gewünscht, dass die Arbeitskreismitglieder Sorgen und Bedenken aus ihrem Umfeld stärker einbringen – beziehungsweise die Nachbarn sich auch an „ihre“ Arbeitskreismitglieder wenden. Allerdings haben wir darüber gesprochen, wollen das optimieren.

Gibt es Vorschläge für ökologische Projekte, die im Rahmen des Verfahrens realisiert werden könnten?

Wir haben uns Stellen im Gebiet angeguckt, wo ein Biotop möglich wäre, wo Ackerflächen renaturiert werden könnten – solche, wo die Bewirtschaftung „nur so mittel“ Sinn macht. Voraussetzung wäre, dass wir aus einem Portfolio von Tauschflächen schöpfen können. Der aktive Landwirt will natürlich keine Flächen verlieren.

Stehen die Flächeneigentümer einer Flurneuordnung nach ihrer Einschätzung eher positiv oder ablehnend gegenüber?

Der Arbeitskreis ist ja bewusst aus Befürwortern und Kritikern zusammengesetzt – überraschenderweise hat sich da in beiden Lagern die Stimmung teilweise gedreht. Im Moment würde ich sagen, es hält sich in etwa die Waage, mit einer Tendenz pro Flurbereinigung. Die Frage, ob es etwas wird oder nicht, hakt auch ein bisschen an der Cantruper Ecke. Ich plädiere dafür, nicht nur Nachteile zu suchen, sondern auch die Vorteile zu sehen. Wir könnten eine Menge europäischer Fördergelder in die Gemeinde bekommen, die hier mit Sicherheit gut angelegt wären.

Wie sehen die nächsten Schritte aus?

Es wird noch drei oder vier Arbeitskreissitzungen geben, bei denen wir alle Punkte noch einmal durchgehen. Im Rat gilt es über den Kostenanteil zu beraten, den die Gemeinde übernimmt. Zum Winter hin gibt es dann eine Eigentümerversammlung, bei der die Stimmung abgefragt wird. Dann wird darüber entschieden, ob das Flurneuordnungsverfahren beantragt wird.

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