Aktion „Tschernobylkinder“: Betreuung erstmals im Schwafördener Gemeindehaus

Mädchen aus Belarus zu Gast

Den Kickertisch im Schwafördener Gemeindehaus finden die fünf Mädchen Klasse, Pastor Gerald Engeler und Betreuerin und Dolmetscherin Olga Karpowitsch verfolgen die Partie. - Foto: Behling

Schwaförden - Ordentlich Leben in der Bude ist derzeit vormittags im Gemeindehaus der Kirchengemeinde in Schwaförden. Auch am Dienstag: Fünf Mädchen im Alter von acht bis elf Jahren stürmen fröhlich lachend das Obergeschoss, um sich an ihrem erklärten Lieblingsmöbel zu versammeln, dem Tischkicker. Sie stammen aus dem weißrussischen Gomel beziehungsweise dem benachbarten Korenjowka und sind seit vergangenem Mittwoch im Rahmen der Aktion „Tschernobylkinder“ für vier Wochen im Kirchenkreis Diepholz zu Gast.

Olga Karpowitsch ist bereits zum zweiten Mal als Betreuerin und Dolmetscherin mitgereist, vier der Kinder haben in Korenjowka bei ihr Deutschunterricht. Die 29-Jährige weiß ziemlich genau, was in den Mädchen vorgeht: „Ich war selbst drei Mal ein ,Tschernobylkind‘ “, erklärt sie lächelnd. „Das war schon sehr interessant, die Menschen und die Kultur sind hier ganz anders.“ Ksenia (11) findet: „Die Häuser sind schön, nicht wie bei uns.“ Hanna (11) verrät, dass ihr das Essen bei ihrer Gastfamilie besser schmeckt als daheim... Im Vordergrund der Aktion steht, den Kindern die Möglichkeit zur Erholung zu bieten: Die radioaktive Belastung im Südosten von Belarus infolge des Kernkraftwerk-Gaus ist nach wie vor hoch. „Viele Kinder sind von Geburt an krank, haben ein geschwächtes Immunsystem, Augenkrankheiten, bei den älteren Menschen ist die Krebsrate sehr hoch“, berichtet Olga Karpowitsch.

Montags bis freitags betreut sie von 8 bis 12 Uhr die Mädchen: „Wir versuchen, möglichst oft draußen zu sein, unternehmen kleine Spaziergänge, sind auf dem Spielplatz, spielen Fußball, Volleyball oder Frisbee. Für ein zweites Frühstück bringen sich die Kinder etwas von ihren Gastfamilien mit.“

Von denen, teilweise auch von freiwilligen Fahrern, werden die Mädchen zum Mittagessen abgeholt, berichtet Pastor Gerald Engeler. Er hatte grünes Licht für den Umzug der Vormittagsbetreuung der im Sulinger Land untergebrachten „Tschernobylkinder“ von Mellinghausen nach Schwaförden gegeben: „Pastor Klaus Kenneweg und seine Ehefrau Gundi hatten die Aktion ja über viele Jahre begleitet und mich vor ihrem Umzug gefragt, ob ich das übernehmen kann. Ich wohne zwar nicht im Gemeindehaus, bin aber hier im Büro, so oft ich kann.“ Olga Karpowitsch ist bei seiner Familie zu Gast – die fünf Mädchen bei Familien in Sudwalde, Vilsen und Borstel. „Gastgeber hier in Schwaförden zu finden, hat leider nicht geklappt. Viele haben gesagt, dass sie berufstätig sind und nicht um 12 Uhr zuhause sein können. Vielleicht würde eine Ausweitung der Betreuung bis 13 Uhr helfen“, überlegt Pastor Engeler. Er hofft, dass es im kommenden Jahr gelingt, Schwafördener Gastgeber zu finden. Die Familien bekommen, zum Beispiel durch Informationsveranstaltungen im Vorfeld, Unterstützung, bei Problemen sind Olga Karpowitsch und ihre beiden Kolleginnen in Diepholz, wo die meisten der 24 im Kirchenkreis untergebrachten Kinder betreut werden, jederzeit erreichbar.

Ein paar kleinere Ausflüge soll es geben, kündigt Engeler an, „zum Beispiel ein Besuch in der Drei-Freunde-Grundschule in Scholen, eine Fahrt ins Freibad.“ - ab

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