Gerda Strohmeyer schließt nach 31 Jahren Blumenfachgeschäft in Sudwalde

„Mache ganz klaren Schnitt“

Zwar schließt Gerda Strohmeyer (rechts) das Geschäft am Samstag – aber Anne Cordes (links) aus Menninghausen bietet jetzt die Grabneuananlage und -pflege an und Floristin Anika Wessollek eröffnet in ihrem Haus an der Mallinghäuser Straße einen Blumenladen. Foto: Behling

Sudwalde – Die Tage um Totensonntag und erstem Advent sind in ihrer Branche die stressigsten im Jahr – aber Gerda Strohmeyer nimmt sich am Montagmorgen dennoch die Zeit für ein Gespräch zwischen Schleifenbändern, Deko, Draht und Tannengrün, während sie gleichzeitig mit geübter Hand einen Kranz bindet. „Es sind schon alle am Jammern: ,Machst du mir das noch...?‘ “, berichtet sie lächelnd. Ja, macht sie. Aber fest steht: Am Samstag ist Schluss, nach 31 Jahren schließt Gerda Strohmeyer ihr Blumenfachgeschäft in Sudwalde.

Als Grund nennt sie zum einen ihr Alter, „ich werde in drei Wochen 71.“ Zum anderen verkauft Familie Hudemann das etwa 6 000 Quadratmeter große Grundstück mit Wohn-, Geschäftshaus und Nebengebäuden, das direkt neben dem Sudwalder Friedhof liegt. Kein Rausschmiss, betont Gerda Strohmeyer: Die Entscheidung, wann sie sich von ihrem Geschäft trennt, lag ganz bei ihr. Und als sich in diesem Jahr ein älteres Ehepaar für das Objekt interessierte, entschloss sie sich, den Ruhestand anzutreten. „Wichtig war, dieses ,Friedhofsjahr‘ zu Ende zu bringen, weil wir viele Pflegegräber haben. Und dann macht meine liebe Anne das in eigener Regie weiter.“ Anne Cordes, die seit über fünf Jahren bei Gerda Strohmeyer beschäftigt ist, wohnt im Ortsteil Menninghausen, wird sich von dort aus um die Grabneuanlage und -pflege kümmern. „Und einen Blumenladen haben wir dann auch weiterhin in Sudwalde: Den macht Anika Wessollek, auch bei sich zu Hause, an der Mallinghäuser Straße. Ein nahtloser Übergang.“

Das Geschäft hatten Albrecht und Mariechen Hudemann 1949 gegründet. „Die wollten mit Anfang 70 nicht mehr, haben mich gefragt, ob ich das übernehmen möchte. Und ich habe Ja gesagt – weil ich die Nase voll hatte vom Fahren.“ Zu der Zeit wohnte Gerda Strohmeyer in Bassum, hatte einen Laden in Affinghausen: Die ehemalige Gärtnerei Wurthmann, hier wagte sie 1983 den Sprung in die Selbstständigkeit. Tatsächlich stammt sie gebürtig aus Affinghausen, „aber mit 15 war ich weg: In Sulingen habe ich in der Gärtnerei Harries an der Bassumer Straße meine Ausbildung zur Floristin gemacht, die hatten einen Blumenladen an der Langen Straße. Natürlich habe ich auch in der Gärtnerei so’n bisschen mitgekriegt. Das kam mir hier dann wieder zugute.“

Gerda Strohmeyers Kundenkreis kommt aus einem großen Einzugsgebiet. „Das Weiteste war Paris“, sagt sie lachend. „Wirklich: Ein Affinghausener hatte ,nach Paris geheiratet‘, und die Franzosen kennen keine Adventskränze.“ Über Jahre schickte sie Kränze per Post an das Paar in die Stadt der Liebe. „Jetzt brauche ich das nicht mehr. Jetzt sind sie geschieden...“ Aber im Ernst: Ihren Kunden – manche kauften schon im Geschäft in Affinghausen bei ihr ihre Blumen – gilt Gerda Strohmeyers herzlicher Dank. Ebenso den Mitarbeiterinnen, die sie im Laufe der drei Jahrzehnte unterstützten.

Was sich in dieser Zeit verändert hat? „Die Leute wollen teilweise viel für wenig Geld. Beim Discounter kriegt man ein Bund Rosen für 2,99 Euro, bei uns kostet eine günstige Rose 60 Cent.“ Und: „Heute läuft alles über das Internet, was ich schade finde in unserer Branche.“ Oft kämen Kunden mit dem Smartphone in der Hand, würden auf ein Foto Zeigen, statt sich beraten zu lassen. „Online gab’s bei mir nicht. Ich muss den Menschen sehen, mit dem reden können, Spaß haben. Ich hatte mein Leben lang Spaß hier, das ist wichtig. Das ist mein Beruf, den ich über alles liebe.“ Etwa, weil man immer wieder Neues ausprobieren kann. „Man muss auch mal mutig sein, Farben kombinieren. Was bei uns hauptsächlich ging, das waren bunte Rosensträuße, dafür kamen die Leute von weit her. Mindestens zwölf, 15, manchmal 30 verschiedene Rosensorten hatte ich im Laden. Und auf Qualität muss man achten, das ist so wichtig.“

Das Wohnhaus wird schon umgebaut, im Moment wohnt Gerda Strohmeyer bei Sohn Matthias. Aber nicht für lange: „Ich ziehe nach Bremen. Nachdem mein Mann verstorbenen war, habe ich gesagt: Wenn ich mal hier aufhöre, dann mache ich einen ganz klaren Schnitt. In Bremen habe ich nach meiner Ausbildung ein paar Jahre gearbeitet, habe die Stadt immer gemocht.“

Gerda Strohmeyer wird kurz im Laden gebraucht. Als sie wiederkommt, hat sie ein Geschenkpäckchen in der Hand. Und feuchte Augen. „Da fließen schon wieder die Tränen“, sagt sie in gespieltem Ärger. „Letzte Woche ging das schon los: Die Kunden bedanken sich, dass sie es so lange mit mir ausgehalten haben...“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Viele tote Urlauber bei Vulkanausbruch in Neuseeland

Viele tote Urlauber bei Vulkanausbruch in Neuseeland

„Hello Abstiegskampf, my old friend“ - die Netzreaktionen zu #SVWSCP

„Hello Abstiegskampf, my old friend“ - die Netzreaktionen zu #SVWSCP

Gutachten: Berliner Mietendeckel nicht verfassungswidrig

Gutachten: Berliner Mietendeckel nicht verfassungswidrig

Hartes Ringen bei UN-Klimagipfel - Thunberg nutzt Medienhype

Hartes Ringen bei UN-Klimagipfel - Thunberg nutzt Medienhype

Meistgelesene Artikel

Neue Anbieter auf dem Weihnachtsmarkt in Martfeld

Neue Anbieter auf dem Weihnachtsmarkt in Martfeld

Trotz Regenwetters: Syker lassen sich Weihnachtliche Kulturtage nicht vermiesen

Trotz Regenwetters: Syker lassen sich Weihnachtliche Kulturtage nicht vermiesen

THW Bassum baut Löschwassertank

THW Bassum baut Löschwassertank

Plötzlich war der Schimmelpilz da: Ehepaar sucht verzweifelt nach neuer Wohnung

Plötzlich war der Schimmelpilz da: Ehepaar sucht verzweifelt nach neuer Wohnung

Kommentare