Lustvoll und mit schrägem Humor

„Chor Don Bleu“ erntet in Schmalfördener Kirche stehende Ovationen

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Chor und Solisten boten einen spannenden Mix im Spektrum zwischen Rock, Pop, Shanty und Hip-Hop bis zum „Ave Maria der Berge“ aus der Schublade „Volksmusik“.

Schmalförden - Von Martina Kurth-Schumacher. Das Konzert des Bremer „Chor Don Bleu“ in der Sankt-Nicolai-Kirche in Schmalförden endete nach drei Zugaben mit stehenden Ovationen des Publikums - ein denkwürdiger Abend, der den Zuhörern, aber auch den Sängerinnen und Sängern nachhaltig in Erinnerung bleiben wird.

Hans-Jürgen Schumacher hatte die „Stars des Abends“, Menschen mit und ohne körperliche, geistige oder psychische Besonderheiten, im Namen von „KulturGut Ehrenburg und umzu“ am Samstag begrüßt: „Ihr wart schon inklusiv, als wir das Wort noch nicht einmal kannten. Wir freuen uns auf euch.“ Seit 25 Jahren nimmt der Chor des Bremer Blaumeier-Ateliers mit humorvoll zubereiteten Songs klangvoll Stellung zu allen Lebensfragen - lustvoll, leidenschaftlich und mit schrägem Humor.

Chorleiter Walter Pohl, Conférencier mit Alleinunterhalter-Potenzial, spornte die fröhliche Sängerschar mit vollem Körpereinsatz zu Höchstleistungen an, seine Motivationskraft und sein Einfühlungsvermögen ließen Chor und Solisten über sich hinauswachsen. Sie boten einen spannenden Mix aus Liedern im Spektrum zwischen Rock, Pop, Shanty und Hip-Hop bis zum „Ave Maria der Berge“ aus der Schublade „Volksmusik“. 

Chorleiter Walter Pohl spornte die fröhliche Sängerschar zu Höchstleistungen an.

Neben Hits von Prince, Nina Hagen, Paolo Conte, „Die Ärzte“ und James Brown brachten sie Ohrwürmer zu Gehör, die Chormitglied Imke Burma neu betextet hatte. Die 26 Sängerinnen und Sänger waren nicht nur musikalisch ganz groß, sondern vermittelten auch zentrale Botschaften. In ihrem neuen Programm beleuchten sie die Gesellschaft im Allgemeinen und im Besonderen. 

Ein Plädoyer für Pressefreiheit und Menschenrechte fand in ihrem Repertoire ebenso Platz wie eine Persiflage auf Leute, die ein großes Maul, aber nichts zu sagen haben, ein Song über persönliche Unzulänglichkeiten („Ich krieg den Arsch nicht hoch“), es ging um gesellschaftliche Hierarchien, Gefühlsmomente, wenn vor Liebeskummer Herz und Leber überlaufen und um das Glück, wenn der liebe Gott in den hintersten Dschungel von Malaysia zwei maulende Rentner stellt, um mit dem „Sound of Germany“ dein Heimweh zu stillen.

Dass der Abend ein guter wurde, lag auch am Publikum, das jeden Song mit „schlussapplausischem“ Beifall belohnte, bei jeder sich bietenden Gelegenheit als Background-Chor einsprang und, wie bei der Werder-Hymne „Lebenslang Grün-Weiß“, für phänomenale Fußballstadion-Atmosphäre sorgte. „KulturGut“-Freunde aus dem „Paris der norddeutschen Tiefebene“ und weit gereiste Blaumeier-Fans entließen den Chor nur ungern, aber mit einem Lächeln auf den Lippen. 

„Wir kommen gern wieder“, versicherte Chorleiter Pohl: „Das ist eine total heiße Gegend hier. Und diesen schönen Ort müssen wir uns mal bei Licht anschauen.“ Sein ultimativer Tipp zum Abschied: „Rücken sie zusammen, das hilft gegen gesellschaftliche Verwerfungen. Und wenn sie nicht von der Muse geküsst werden, nehmen sie den, der ihnen am Frühstückstisch gegenübersitzt.“

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