Liedermacher-Duo Simon & Jan im Interview

„Irgendwann haben wir die Caféteria gefunden“

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Das Liedermacher-Duo „Simon & Jan“ – Simon Eickhoff (links) und Jan Traphan – folgt am 2. April der Einladung von „KulturGut Ehrenburg“ nach Schmalförden. Karten gibt es bei Volksbank und Sparkasse in Ehrenburg sowie an der Abendkasse.

Schmalförden - Von Thorsten Hengst. Das Duo Simon & Jan sammelt förmlich Preise: 2014 erhielten die beiden Oldenburger den Nachwuchspreis des renommierten Bonner Prix Pantheon. Erst Mitte Februar wurde den Liedermachern in Mainz der Deutsche Kleinkunstpreis (Förderpreis) überreicht und im September gibt es den Bayerischen Kabarettpreis 2016 in der Sparte Musik noch oben drauf.

Am Samstag, 2. April, folgen Simon Eickhoff und Jan Traphan der Einladung von „KulturGut Ehrenburg und umzu“ nach Schmalförden: Um 20 Uhr treten sie im Gasthaus Kastens im Rahmen ihrer Tournee „Ach Mensch“ auf – zuvor standen sie uns für ein Interview zur Verfügung.

Sie räumen derzeit viele Preise ab – wie fühlt sich das an?

Simon Eickhoff: Natürlich fühlt sich das schön an, wenn man für das, was man auf der Bühne macht, ausgezeichnet wird. Außerdem bedeutet so ein Preis auch immer Aufmerksamkeit von Leuten, die dich sonst vielleicht nie entdeckt hätten.

Einige Jurys haben Sie mit dem Nachwuchs- beziehungsweise Förderpreis ausgezeichnet, obwohl Sie schon seit rund zehn Jahren gemeinsam aktiv sind.

Jan Traphan: Ja, das stimmt, aber wir haben eigentlich erst vor gut vier Jahren alles auf eine Karte gesetzt. Davor haben wir nebenher noch Instrumentalunterricht gegeben und uns mit verschiedenen Jobs über Wasser gehalten. Außerdem geht man in der Kabarettszene mit Mitte Dreißig sehr wohl noch als „jung und verdorben“ durch.

Ihr neues Album haben Sie „Ach Mensch“ genannt – wie sind Sie auf diesen Titel gekommen?

Jan Traphan: „Ach Mensch“ ist einfach der Titel eines Liedes aus unserem aktuellen Programm. Und irgendwann ist uns aufgefallen, dass er auch recht programmatisch ist...

Das Werk ist Ihr zweites Studio-Album nach dem selbstbetitelten Debüt von 2009. Warum hat es so lange gedauert?

Simon Eickhoff: Von 2009 bis heute ist bei uns viel passiert. Wir haben ein erstes abendfüllendes Bühnenprogramm, „Der letzte Schrei“, geschrieben, waren dann viel als Support für Götz Widmann unterwegs, haben 2012 ein Live-Album herausgebracht und spielen über 100 Konzerte im Jahr.

Wie und wann sind die Lieder entstanden?

Jan Traphan: Bis auf eine Ausnahme sind die Lieder alle mindestens so alt wie die Tour selbst. „Hobby ohne Lobby“ ist erst während der Tournee entstanden. Andere Lieder, wie „Kabarettwettbewerb“, spielen wir live zwar eher selten, sind aber trotzdem auf dem Album gelandet. Ganz neu auf dem Album sind die Arrangements der Songs, da wir das Programm live nur zu zweit spielen und auf der CD – ganz in der Tradition unseres Debüts – einige Kollaborationen mit verehrten Liedermacherkollegen und Freunden zu hören sind.

Spielt der Song „Kabarettwettbewerb“ auf Ihren Spagat zwischen Satire, Komik und klassischem Liedermachertum an?

Jan Traphan: Das Lied ist reine Frustbewältigung, da wir schon bei vielen Kabarettwettbewerben zu Gast waren. Und obwohl wir oft auch sehr erfolgreich waren, hat so etwas für alle Beteiligten doch viel mit Frustrationstoleranz zu tun. Wir sehen uns daher eher als Liedermacher, die sich auch auf Kabarettbühnen sehr wohl fühlen.

Sie haben beide Lehramt an der Universität Oldenburg studiert. Haben Sie sich auch dort kennen gelernt?

Simon Eickhoff: Ja, an unserem ersten Studientag im Musikbereich hat uns unser beider Unvermögen zusammengeführt, den richtigen Seminarraum zu finden. Irgendwann haben wir dann stattdessen die Caféteria gefunden. Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

Könnten Sie sich vorstellen, irgendwann doch noch einmal zu unterrichten?

Simon Eickhoff: Wir sind jetzt schon seit ein paar Jahren ausschließlich als Liedermacher unterwegs und wenn wir es uns und unseren potenziellen Schülern irgendwie ersparen können...

Was hat Sie inspiriert, diese spezielle Art von Musik zu machen?

Jan Traphan: Naja, zunächst mal sind wir Kinder unserer Eltern. Und natürlich sind wir auch Kinder unserer Zeit. Wir schöpfen aus der Musik, die uns umgibt, denn wir hören beide gerne sehr vielfältige Musik. Außerdem empfinden wir es als reizvoll, sich in seiner eigenen Sprache auszudrücken. Wir haben dadurch in der Liedermacherszene schon so viele tolle Menschen kennen gelernt und entdecken ständig neue wunderbare Kollegen.

Wo finden Sie Ihre Geschichten?

Jan Traphan: Meistens zu Hause mit der Gitarre in der Hand. Irgendwie entspringt das Meiste einfach unserem fantastischen Alltag.

Simon Eickhoff: Wir haben meistens eine ähnliche Herangehensweise: Beide Alben sind bei mir zu Hause vom Sofa aus aufgenommen worden. Da können wir in aller Ruhe und ganz entspannt arrangieren, aufnehmen, feilen und unsere Ideen verwirklichen. Ich finde, das hört man unseren Alben an.

Sind Sie lieber auf Tournee oder im Studio?

Simon Eickhoff: Für mich ist eine Albumproduktion immer eine willkommene Abwechslung vom Tourneealltag. Wenn man soviel unterwegs ist wie wir, kann man es schon genießen, sich mal für eine längere Zeit nach Zuhause zurückzuziehen und dort eine ganz andere, aber auch total spannende Arbeit im Studio zu verrichten.

Was macht für Sie den Reiz des Tournee-Lebens aus?

Jan Traphan: Die Gummibärchen auf den Hotel-Kopfkissen.

Wie sieht die nahe Zukunft von Simon & Jan aus?

Jan Traphan: Derzeit sind wir quasi pausenlos mit dem aktuellen Programm „Ach Mensch“ unterwegs und haben dabei natürlich auch das Album im Gepäck. Aber wir haben während einer der letzten Tourneepausen einen kleinen Kreativ-Urlaub an der Nordsee gemacht, uns dort gegenseitig einige Ideen vorgespielt und schon mal an einem neuen Programm gearbeitet. Das soll dann irgendwann in diesem Jahr konkreter werden...

Herr Eickhoff, Herr Traphan, vielen Dank für das Gespräch.

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