Team übernimmt sechs Althoff-Hengste

Gut Aiderbichl als letztes Zuhause für Zirkuspferde

Bewegung haben die Zirkuspferde von Giovanni Althoff auch in der Halle auf der Gut Aiderbichl Ballermann Ranch. Foto: Gut Aiderbichl Ballermann Ranch
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Bewegung haben die Zirkuspferde von Giovanni Althoff auch in der Halle auf der Gut Aiderbichl Ballermann Ranch.

Blockwinkel – Für Namo, Amo, Apolitano, Napolitano, Arnesco und Herano ist es die letzte Vorstellung: Die sechs Haflinger-Hengste, zwischen 24 und 30 Jahre alt, finden auf der Gut Aiderbichl Ballermann Ranch, dem Tiergnadenhof in Blockwinkel, ein letztes Zuhause.

Die Jungs bleiben zusammen, für sie haben Annette und André Engelhardt Platz geschaffen, obwohl eigentlich alle Plätze belegt sind. Aber den Pferden des berühmten Circus Giovanni Althoff ein Heim zu bieten, ist für Annette Engelhardt eine Herzenssache.

44 Pferde leben auf der Ranch, da kommt der Hufschmied öfters mal vorbei. Und fragt nach: Wie funktioniert das mit Gut Aiderbichl? Wäre noch Platz für weitere Tiere? Annette Engelhardt horcht auf und fragt zurück. So hört sie von dem weltberühmten Zirkusdirektor, der mit 82 Jahren, an einer unheilbaren Augenkrankheit leidend und ohne ausreichende finanzielle Mittel, einen Alltag fristet, der äußerst beschwerlich ist. Das Wort Zirkus lässt Annette Engelhardt zurückreisen in ihre Kindheit. „Damals, vor 55 Jahren, war das noch etwas anderes. Wenn der Zirkus in die Stadt kam, war das ein Pflichttermin für mich.“ Die Grundlage für Tierliebe war gelegt – und der Respekt für eine Gruppe ebenso: „Die Zirkusleute haben keine Lobby“, sagt Annette Engelhardt. Sie erinnert daran, dass Giovanni Althoff einst für 180 Angestellte und eine Vielzahl an Tieren verantwortlich war. „Wie haben die das bloß damals gehandelt? Den Tiertransport von Stadt zu Stadt?“ Allein der Transport für die sechs Haflinger bedeutete eine umfangreiche Organisation – nicht allein wegen der derzeit geltenden Auflagen aufgrund des Coronavirus. 

Eine Herzensangelegenheit ist für Annette Engelhardt die Aufnahme der Haflinger-Hengste.

Für Annette Engelhardt gibt es immer zwei Seiten einer Geschichte – Tierschützer auf der einen Seite, Tierhaltung im Zirkus auf der anderen. „Wir haben 50 Tiere, und manchmal humpelt da eines.“ Das sei normal, auch Tiere kabbeln sich. Die sechs Haflinger-Hengste, die als Gruppe zusammen leben, haben etwa auf der Ballermann-Ranch sofort die Witterung der Stuten aufgenommen. Und Arnesco, der kleinste der Hengste, hat bereits einen Spitznamen: Alcatraz. Der Kleine habe eine Schwachstelle im Zaun ausgemacht, ein Loch gerissen – und, zack, sei er ausgebüxt in Richtung der Stuten. Das Ballermann-Team allerdings war sofort im Einsatz und hat die Tiere getrennt.

Althoff vertraut den Engelhardts. Die setzen ihre Hebel in Bewegung, können sich auf Helfer und Handwerker verlassen. In der 42 Meter langen und 21 Meter breiten Halle in Blockwinkel werden innerhalb nur weniger Tage fünf Boxen gebaut. Die sechs Hengste stehen in Zweiergruppen zusammen. „Solange sie sich mögen, das sind sie ja gewöhnt. Falls wir sie mal trennen müssen, haben wir zwei Ausweichboxen“, erklärt Annette Engelhardt.

Abschied von seinen sechs Pferden nimmt hier Zirkusdirektor Giovanni Althoff. 

Giovanni Althoff indes hat sich von seinen Pferden verabschiedet. Sein Schicksal berührt das Ehepaar Engelhardt ebenso: Dass der Zirkus 2010 in Konkurs gegangen ist, der Tod von Althoffs Tochter im Jahr 2014 und 2015 der seiner Ehefrau. Eine ehemalige Artistin schaue einmal im Monat nach dem Senior, bringe Lebensmittel vorbei. An Heu für die Pferde habe es nie gemangelt, sagt Annette Engelhardt. Die Tatsache aber, dass Althoff rein körperlich nicht mehr alle Aufgaben meistern konnte, habe sie handeln lassen, erklärt Engelhardt. Denn: „Wer nimmt denn schon sechs Hengste?“ Die größte Angst von Giovanni Althoff sei gewesen, dass die Tiere von Amts wegen abgeholt und zum Schlachter gebracht werden.

„Der aktuelle Status des Circus Althoff ist unbekannt“, heißt es im Online-Lexikon Wikipedia zu der Linie von Giovanni Althoff. Die letzten sechs Hengste werden ihren Lebensabend auf der Gut Aiderbichl Ballermann Ranch erleben. Und Zirkusdirektor Althoff hat das Ehepaar Engelhardt teilhaben lassen an seinem Leben: Es gibt Filme, die zeigen Freddy Quinn als Moderator in der Manege. Und: „Der Mann hat ja noch John Wayne persönlich gekannt“, sagt André Engelhardt bewundernd.

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