Leiter der „Reisenden Werkschule“ Michael von Studnitz verabschiedet

Beispiellose Biographie

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Michael von Studnitz mit seiner Familie.

Scholen - Michael von Studnitz, pädagogischer Leiter der „Reisenden Werkschule“ (RWS), der mit Ablauf des Monats nach 34-jähriger Tätigkeit aus dem Dienst ausscheidet, begrüßte seine Gäste mit einem „Dankes-ABC“. Kollegen, Freunde, Nachbarn, Verwandte und Wahlverwandte hatten sich am Donnerstag zu seiner Abschiedsfeier eingefunden.

Zehn Hochschulabsolventen hatten 1979 den Hof in Scholen gekauft, um eine stationäre Einrichtung für sozial auffällige junge Menschen zu gründen. Rund 600 Jugendliche erhielten seitdem die Möglichkeit, ihren Schulabschluss zu absolvieren. Und eine neue Lebensperspektive. Von Studnitz dankte seinen Angehörigen, Kollegen, Vereinsmitgliedern, Vorstand und Geschäftsführung, den Kooperationspartnern, den „Dorfpolizisten“ sowie „für Mode-Tipps und Musikberatung“ nicht zuletzt den Jugendlichen.

Dass die Hausbank den „zehn Langhaarigen, die im Leichenwagen vorfuhren“, seinerzeit eine Chance gab und die Nachbarn der bunten und nicht immer einfachen Gesellschaft mit Humor und Toleranz begegneten, war eine gute Voraussetzung für die Initiatoren, deren Konzept in den Grundlagen bis heute Bestand hat. Die Gründergeneration der Jugendhilfe- und Entwicklungshilfeeinrichtung war am Donnerstag fast vollständig angetreten, unter ihnen der Bremer Schauspieler und Autor Pago Balke, der die Festveranstaltung mit Witz und Augenmaß moderierte.

„Du hast auch in schwerer See nie den Horizont aus den Augen verloren“, bescheinigte Wolfgang Steen (Vorstand RWS) im Rückblick auf die turbulenten Zeiten und die große selbstgewählte Aufgabe. Er schätze Michael von Studnitz für seine Visionen, seine Energie, seine Menschlichkeit und sein Durchhaltevermögen. Er freue sich über seinen Entschluss, die beispiellose Biografie der RWS in einem Buch festzuhalten. Geschäftsführerin Friederice Kley, seit sieben Jahren Chefin von mittlerweile 120 Mitarbeitern, nannte von Studnitz einen Vollblut-Reformpädagogen mit Idealismus und Überzeugungskraft.

Evelyn Seyfried, pädagogische Leiterin der Scholer Einrichtung, bezeichnete ihn als „humorvoll, kooperativ und großzügig“. Der beliebte und erfahrene Pädagoge habe stets ein gutes Gespür für die Schülerinnen und Schüler bewiesen. Eike Schubert, Nachfolgerin von Michael von Studnitz in der Doppelspitze, betonte: „Vieles trägt deine Handschrift.“ Sie wünschte ihm den Mut, seinen Platz forschen Schrittes zu räumen: „Hab‘ Vertrauen, wir schaffen das hier.“ Auf seine Erfahrung als „Werbe-Profi“ für die RWS komme man gern zurück.

Vier Schüler überreichten Michael von Studnitz ein Gemälde der Reisenden Werkschule – ein Gemeinschaftwerk aller Jugendlichen. Für eine Überraschung sorgte Yeet Schubert, der sich mit einem Rap für die „unglaublich coole Zeit“ bedankte: „Du hast mir Mut gemacht, bleib doch hier... wir lieben dich, wir halten zusammen wie eine richtige Familie...“ Pago Balke, der die 90 Gäste im zweiten Teil zu einer musikalischen Reise durch die Biografie von Michael von Studnitz einlud, nannte diesen Vortrag „die würdigste Abschlussrede, die man sich vorstellen kann.“

mks

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