„Einmalige Chance“ und Letzte ihrer Art

Land sagt zwei Millionen Euro für Flurbereinigung Neuenkirchen-Cantrup zu

Auf dem Weg über den Mühlbach präsentieren Lars Christian Oetker (links) und Heinrich Kanzelmeier die Karte, die das Gebiet der Flurbereinigung Neuenkirchen-Cantrup zeigt.
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Auf dem Weg über den Mühlbach präsentieren Lars Christian Oetker (links) und Heinrich Kanzelmeier die Karte, die das Gebiet der Flurbereinigung Neuenkirchen-Cantrup zeigt.

Neuenkirchen – Die Finanzierung für die Flurbereinigung Neuenkirchen-Cantrup ist gesichert: Über zwei Millionen Euro stehen bereit, das hat Barbara Otte-Kinast, Niedersächsische Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, jetzt dem zuständigen Team im Amt für regionale Landentwicklung Weser-Ems (ArL) in Sulingen mitgeteilt. Allein die notwendige Bürgerversammlung samt Votum fehlt im Ablauf, um das Projekt tatsächlich auf die Reise zu schicken.

Die Mitglieder des Forums Landentwicklung Neuenkirchen-Cantrup haben in den zurückliegenden Monaten, coronabedingt in vielen offenen Einzelgesprächen mit Nachbarn und Freunden, bereits etliche Bedenken aus dem Weg räumen können. Doch eine Bürgerversammlung, die allen Landeigentümern, Pächtern, Verpächtern, Landwirten und sonstigen Interessierten die Chance gibt, genau nachzufragen was genau wie geplant ist, fehlt. Olaf Stührmann, Dezernatsleiter der ArL-Geschäftsstelle Sulingen, betont: „Die Flurbereinigung kann vorher nicht beginnen.“

Tatsächlich seien zahlreiche Neuenkirchener derzeit der Meinung, die Flurbereinigung sei bereits beschlossen und unter Dach und Fach, berichtet Bürgermeister Heinrich Kanzelmeier. Mitnichten: Lars Christian Oetker als Leiter des Forums betont, dass Pläne und Vorhaben notiert seien, in einer bisher sehr guten Zusammenarbeit. So sei ein Teil der Landeigentümer zunächst etwa gegen die Gewässerrandstreifen gewesen. „Aber bevor wir enteignet werden, geben wir die Flächen in die Flurbereinigung.“ Und hier würden die Flächen getauscht. „Der Niedersächsische Weg sieht eine Entschädigung vor für die Eigentümer, die Flächen hergeben“, erklärt Stührmann. „Wir tauschen die Flächen.“ Das heiße: Biotope und Renaturierung „da, wo es passt“ – nicht etwa auf landwirtschaftlichen 1-A-Nutzflächen. Die Flurbereinigung Neuenkirchen-Cantrup umfasst Gebiete in Neuenkirchen, Cantrup, Wedehorn, Göddern. Die Schwerpunkte sind in allen Bereichen unterschiedlich. In Wedehorn und Göddern etwa gelte es, kleine Parzellen zu größeren durch Tausch zusammenzuführen. Das sei in Cantrup wiederum nicht notwendig. „Aber Bodenordnung ist immer gesetzt, um Flächen zu arrondieren“, erklärt ArL-Projektleiter Heinrich Dammeier. Stoße man da an Gewässer, Flüsse oder Schlatts, könnten dort Schutzgebiete eingerichtet werden und der Eigentümer im Tausch „sicheres Land“ erhalten.

Der Wegebau stehe ebenfalls auf dem Plan. „Im Konzept haben wir 16 Kilometer Wegearbeiten aufgelistet“, erklärt Heinrich Dammeier. Ein Kilometer Betonspur, acht Kilometer Bitumen und der Rest seien Schotterwege. „Wichtig ist uns, dass die Wirtschaftswege die landwirtschaftlichen Fahrzeuge tragen können, ein Gewicht von bis zu 40 Tonnen aushalten. Das haben wir oft nicht“, sagt Lars Christian Oetker.

Grünordnung „da, wo es passt“

Für die sogenannte Grünordnung seien 4,5 Kilometer Uferstreifen aufgeführt, zwei bis drei Kilometer Blühstreifen, zwei Kilometer Feldhecken, etwa acht Hektar Flächenmaßnahmen wie beispielsweise Renaturierung, „da, wo es passt“. Eine Besonderheit in der Gemeinde stellen in den Planungen die beiden als priorisierte Gewässer eingestuften Bäche Kuhbach und Klosterbach dar. Für Kanzelmeier darf es gerne auch gesicherte Bereiche geben, zu denen der Mensch keinen Zutritt findet, damit die Natur geschützt ist. Ziel: „Dass um 4 Uhr wieder die Nachtigall singt in Neuenkirchen.“ Sicher in der Gemeinde sollen sich auch Feldlerche und Rebhuhn fühlen.

Wie viele aktive Landwirte gibt es in der Gemeinde Neuenkirchen noch? Kanzelmeier und Oetker rechnen schnell zusammen: „Im Forum sind alle aktiv, wenn auch manche nur im Nebenerwerb. Etwa 30.“ Nicht alle werden einen Nachfolger finden, der die Landwirtschaft weiterführt, sagen beide. „Aber genau die hohe Zahl an aktiver Landwirtschaft ist ein besonders Kennzeichen für die Flurbereinigung in Neuenkirchen“, freut sich Stührmann auf den fachlichen Input. In vorangegangenen Bürgerversammlungen, vor Corona, seien gut 100 Teilnehmer gezählt worden. Eine ähnliche Resonanz erwarte man jetzt auch. Und will aufgrund der geltenden Auflagen mehrere Termine anbieten, damit Abstand und Hygienemaßnahmen eingehalten werden können. Stührmann hofft, die Versammlungen noch vor den Sommerferien anbieten zu können, in Neuenkirchen, im Dorfgemeinschaftshaus. Die Planungen der Flurbereinigung sollten nicht übergestülpt, vielmehr ein Konzept gemeinsam gefunden und beschlossen werden, das alle tragen können.

Die Karte des Flurbereinigungsgebietes.

Bürgermeister Kanzelmeier und Lars Christian Oetker, neben Forumsleiter auch stellvertretender Bürgermeister, wissen, dass die angedachten Maßnahmen ohne die Flurbereinigung kaum umsetzbar wären. Für manche würden sich vielleicht Förderprogramme finden, grundsätzlich würden sie aber wesentlich länger dauern. Durch die Flurbereinigung werden 75 Prozent der Kosten durch das Land finanziert, dafür stehen 2,03 Millionen Euro anteilig bereit. Die Flurbereinigung habe ein Volumen von etwa 2,7 Millionen Euro, rechnet Stührmann vor. 680 000 Euro etwa bleiben anteilig für Gemeinde und Eigentümer. Die Gemeinde hatte bereits beschlossen, statt der üblichen 50 ihren Anteil auf 75 Prozent der Restkosten zu erhöhen.

Kanzelmeier und Oetker haben ob der Chancen, die die Flurbereinigung biete, nicht allein die Landwirtschaft im Blick: „Wir müssen auch etwas für neue Mitbürger tun. Naherholung bieten, Wege, auf denen gejoggt oder der Hund ausgeführt werden kann.“

Mit der Zusage der Gelder für die Flurbereinigung Neuenkirchen-Cantrup einher ging auch eine betrübliche Mitteilung: „Das Land zieht sich aus diesen Projekten zurück. Der Niedersächsische Weg kostet zuviel Geld. Dies ist deshalb wirklich eine einmalige Chance, weil eine der letzten Förderzusagen zur Flurbereinigung“, sagt Olaf Stührmann (Mehr Infos).

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