Sommerausstellung auf dem Atelierhof „Scholen 53“ wird zum Fest für die Sinne

Kunsthandwerk in grüner Oase

Sabine Kratzers wie organisch gewachsen wirkende Schalen verbanden sich mit Blatt- und Blütenwerk im Garten zum Gesamtkunstwerk. - Foto: Kurth-Schumacher

Scholen - Von Martina Kurth-Schumacher. „Das Haus entwickelt sich immer mehr zum Dornröschenschloss“, stellte ein Besucher des Atelierhofs „Scholen 53“ fest. Die grüne Oase bot einen vollkommenen Rahmen für die Präsentation von Kunst und Kunsthandwerk, die 19. Auflage der Sommerausstellung war am Samstag und Sonntag ein Fest für alle Sinne.

Ebenso wie Keramikerin Sabine Kratzer und Buchbindemeisterin Sabine Rasper zeigten die Gastkünstlerinnen Lucia Schwalenberg (Wennigsen), Ilka Bruse (Seevetal) und Wiebke Vogt (Berlin) Kunsthandwerk in höchster Vollendung. Die Goldschmiedin Ilka Bruse hat in ihrem Metier einen ganz eigenen Weg gefunden. Sie verbindet Edelmetalle, Perlen, Edelsteine und Kombi-Elemente aus Silber und Papier zu ausdrucksvollem Geschmeide. „Papier kann man bemalen, anders als bei der Emailliertechnik lassen sich Form und Farbe differenziert anpassen“, erklärte Ilka Bruse die filigranen grafischen Muster und verspielten Motive aus der Tierwelt.

Skulpturale Kunstobjekte, vor allem aber veredelte Gebrauchsgläser zeigte die Glasgestalterin Wiebke Vogt. Dezente, sandgestrahlte, farbig eingelegte Ornamente geben ihren Arbeiten den individuellen Touch. Schutzengel, Tierkreiszeichen, Symbole für Taufe oder Hochzeit lassen Benutzer und Betrachter schmunzeln. Auch die Gläser mit Gold-Dekor sind keine Vitrinen-Hüter. „Meine Gläser sehen noch besser aus, wenn sie in Gebrauch sind“, versprach die Künstlerin aus Berlin-Charlottenburg.

Der Stand unter dem üppig blühenden Rosenbusch von Lucia Schwalenberg lud zum Verweilen ein. An diesem „superschönen Platz“ (O-Ton Schwalenberg:) präsentierte die vielfach ausgezeichnete Weberin (German Design Award 2014 und 2015) Stulpen aus Crêpe-Gewebe, exquisite Seidenschals und Jacquard-Tischwäsche aus eigener Werkstatt. Einige Stoffe sind mit feinem Garn über 24 Schäfte in aufwändiger ornamentaler Musterung von Hand gewebt

Zu den neuesten Arbeiten von Buchbinderin Sabine Rasper gehört eine mit Goldschnitt veredelte Pergament-Broschüre des Essays „Aus der Kindheit des heiligen Franz von Assisi“ von Hermann Hesse. Mit künstlerisch eingebundenen Ausgaben von Karl-Heinrich Waggerls „Lob der Wiese“– liebevoll gestaltete, nummerierte und signierte Einzelstücke, wahlweise mit Leder-, Pergament- oder Papiereinband – nahm sie das Thema „Natur“ auf ihre Weise auf. „So etwas ‚gönne‘ ich mir zwischen den Auftragsarbeiten“, sagte Sabine Rasper.

Auch Sabine Kratzer bewies einmal mehr die Vielfalt ihres künstlerischen Schaffens im Spektrum zwischen rustikaler Gartenkeramik und filigranen Porzellangefäßen. In der Werkstatt postierten sich Kornblumen-Väschen aus Porzellan mit zartem Rüschenrand neben massiven Kummen aus dem Holzofen mit „gläsernem“ Boden. Im Gartenparadies fügten sich dickwandige Schalen mit strukturierter Oberfläche wie organisch gewachsen mit Blatt- und Blütenwerk zu großartigen Gesamtkunstwerken. Eine ihrer vielen neuen Ideen: Keramische, auf Holz montierte Sommerbilder als „Gärtchen“ zum Mitnehmen.

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