„Kilometer statt kippeln“

Pilotprojekt an der Oberschule Schwaförden/Ehrenburg: Eine sechste Klasse bekommt drei Ergometer

Probesitzen auf den neuen Ergometern – die Sechstklässler Jenna, Joost, Lisa-Marie, Dominika, Michel und Maximilian (von links) mit Förderschullehrerin Katharina Warrelmann (links) und Klassenlehrer Sascha Jäger (hinten).
+
Probesitzen auf den neuen Ergometern – die Sechstklässler Jenna, Joost, Lisa-Marie, Dominika, Michel und Maximilian (von links) mit Förderschullehrerin Katharina Warrelmann (links) und Klassenlehrer Sascha Jäger (hinten).

Schwaförden – Sind der Bewegungsdrang der Schüler und die vorwiegend sitzende Lern- und Arbeitsweise miteinander vereinbar? Lehrkräfte der Oberschule Schwaförden/Ehrenburg haben eine Antwort auf diese Frage gesucht. Und starteten in der ersten Märzwoche mit dem Pilotprojekt „Kilometer statt kippeln“: Eine sechste Klasse wurde mit drei Ergometern ausgerüstet.

An den mit Arbeitstischen ausgestatteten Geräten können die Schüler „Kilometer“ machen und gleichzeitig ihre Aufgaben erledigen.

„Gerade den Kindern der unteren Jahrgänge fällt es schwer, still zu sitzen“, sagt Lehrerin Julia Hilbers, die das Projekt initiiert hat. Über die Recherche im Internet war sie auf das Konzept von Dr. Jorde (Universität Wien) gestoßen: Im Rahmen seiner Dissertation hatte er den positiven Einfluss des Bewegungsangebots auf die Konzentrationsfähigkeit, die Lernleistung und die Motivation der Kinder wissenschaftlich belegt. Modellschule war 2007 ein Gymnasium in Wien-Floridsdorf, dessen gute Erfahrungen inzwischen „Schule“ machen.

Laut Julia Hilbers gehört die Ausstattung mit Ergometern in Österreich flächendeckend zum Standard, in Deutschland gibt es bislang Schulen in Aschaffenburg und Bremen, die auf dieses Konzept setzen, drei weitere sind in der Aufbauphase. Sie habe zusammen mit ihrem Kollegen Sascha Jäger Kontakt aufgenommen zu der Oberschule Ronzelenstraße, Bremen, deren Lehrkräfte seit 2017 in Klassen aller Jahrgänge sehr gute Erfahrungen damit gemacht hätten.

Sponsoren unterstützen das Projekt: Annemarie Westrup (Schulleitung) mit Jannis Rochner (Geschäftsführer Fitnessstudio „studiofünf“), Initiatorin Julia Hilbers und Jens Blume (Betriebsleiter GAR; von links).

„Unsere größte Sorge war, dass die Geräuschentwicklung durch die Ergometer zu groß ist“, sagt Julia Hilbers, Fachbereichsleiterin Sport und Koordinatorin für Inklusion in der Oberschule. Diese Bedenken konnten die Kollegen in Bremen ausräumen. Auch auf die Frage, „welche Kinder die Geräte wann nutzen dürfen“, erhielt sie eine pragmatische Antwort: „In Bremen wurde das anfangs flexibel gehandhabt, inzwischen läuft es nach einem Plan. Es hat sich sogar gezeigt, dass die soziale Kompetenz gefördert wird: Die Kinder geben ihre Zeiten ab, wenn sie merken, dass ein Mitschüler mehr Bedarf hat.“

Die Umsetzung des Plans, an der Oberschule eine „Ergometerklasse“ einzurichten, erfolgte innerhalb von fünf Monaten und damit schneller als erhofft. Julia Hilbers: „Die Gesellschaft für Abfall und Recycling, GAR, aus Stuhr hat uns erfreulicherweise drei der 1 000 Euro teuren Geräte finanziert.“ Auch das Umfeld stimmt: Das Fitnessstudio „studiofünf“ aus Sulingen unterstützte bei der Auswahl und Beschaffung der Ergometer. Darüber hinaus hat Physiotherapeut Lukas Koop angeboten, den Schülern zu zeigen, wie sie die Geräte so nutzen, dass ihr Herz-Kreislaufsystem nicht belastet wird.

Eine sechste Klasse, in der mehrere hyperaktive Kinder und Kinder mit erhöhtem Unterstützungsbedarf unterrichtet werden, soll als erste in den Genuss des Angebots kommen. „Damit haben wir das erste Etappenziel erreicht“, sagt Julia Hilbers. Mittelfristig wünsche man sich die Ausstattung weiterer Klassen, zumindest die der Jahrgangsstufen fünf und sechs. Man hoffe auf Spenden für (Förderverein der Oberschule Schwaförden, IBAN: DE12256513250160033668), sie können steuerlich geltend gemacht werden.

Insa Meyer und Annemarie Westrup (kommissarische Schulleitung der Oberschule) zeigen sich von der Initiative begeistert: „Es ist toll, wenn Kollegen solche Impulse aufnehmen und sich darum kümmern, innovative Ideen zu verwirklichen.“

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Trauerfeier für Prinz Philip am kommenden Samstag

Große Anteilnahme am Tod Prinz Philips

Große Anteilnahme am Tod Prinz Philips

Bayern verlieren Final-Wiedersehen gegen Paris Saint-Germain

Bayern verlieren Final-Wiedersehen gegen Paris Saint-Germain

BVB verpasst Coup in Manchester: 1:2 nach achtbarem Kampf

BVB verpasst Coup in Manchester: 1:2 nach achtbarem Kampf

Meistgelesene Artikel

Reitverein Okel: Räumungsklage auf den letzten Drücker

Reitverein Okel: Räumungsklage auf den letzten Drücker

Reitverein Okel: Räumungsklage auf den letzten Drücker
Zwei Rücktritte bei der Ortsfeuerwehr Diepholz

Zwei Rücktritte bei der Ortsfeuerwehr Diepholz

Zwei Rücktritte bei der Ortsfeuerwehr Diepholz
Zentralklinik im Kreis Diepholz: Das ist der nächster Schritt

Zentralklinik im Kreis Diepholz: Das ist der nächster Schritt

Zentralklinik im Kreis Diepholz: Das ist der nächster Schritt

Kommentare