Acht Wochen in Malawi

Jugendliche und Pädagogen der Reisenden Werkschule bauen weiteren Schulblock in Chilinda

Stein um Stein wächst ein weiterer Block – wie der im Hintergrund – mit zwei Klassenzimmern. - Fotos: Reisende Werkschule Scholen

Scholen - Die ersten Eindrücke von Angeline (16), Cindy und Kevin (beide 17) in der Provinz Mangochi in Malawi: Es gibt dort sehr viele Kinder. Und die Menschen haben nur das Existenzminimum, „das ist schon krass“, stellt Kevin fest, „ich könnte da nicht leben – dazu muss man wohl dort geboren sein.“

Acht Wochen schweißtreibender Arbeit bei um die 35 Grad Celsius in dem südostafrikanischen Staat (und zurück in Deutschland eine Woche Ferien) liegen gerade hinter ihnen, acht weiteren Jugendlichen und sieben Pädagogen von der Reisenden Werkschule Scholen: Sie setzten das Schulbauprojekt an der Chilinda Primary School (wir berichteten) fort, bauten einen weiteren Block mit zwei Klassenzimmern. „An der Schule wird von der ersten bis achten Klasse unterrichtet, 107 Kinder kommen im Schnitt auf einen Lehrer“, verdeutlicht Eike Schubert, Schulleiterin der Reisenden Werkschule, warum zu den jetzt vier Blöcken 2019 noch einer hinzukommen soll. Das Engagement in Afrika ist Bestandteil des Konzepts der stationären Jugendhilfeeinrichtung, die Schulverweigerern und sozial auffälligen jungen Menschen im Rahmen eines zweijährigen Kursus den Erwerb des Haupt- oder Realschulabschlusses ermöglicht.

25 Arbeitskräfte, darunter sieben ausgebildete Maurer (Schubert: „ ,Ausgebildet‘ heißt in der Regel, dass sie den Beruf von ihrem Vater gelernt haben“) hat die Schule vor Ort engagiert, „wir sind da Hilfsarbeiter.“ Es galt, Sand zu sieben, mit Zement und Wasser zu mischen, das erst per Pickup vom Malawi-See herangeschafft werden musste, die Masse in Formen zu gießen, um überhaupt erst die Betonsteine für den Bau herzustellen. „Wir verwenden nur wenige Lehmziegel – in der Region gibt es kaum Brennmaterial, und das brauchen die Menschen zum Kochen.“ Um die größtenteils vegetarischen Mahlzeiten zuzubereiten, blieben jeweils zwei der Jugendlichen beim Resthouse, in dem die Gruppe übernachtete – ohne Klimaanlage, die Dusche besteht aus einem Plastikeimer, aus dem man Wasser über seinem Kopf ausleert. Dagegen logierten sie an den Wochenenden regelrecht luxuriös, in einer Lodge der Rucksacktouristen-Klasse, direkt am Ufer des Malawi-Sees – und mit normaler Dusche.

Zement, Sand und Wasser werden gemischt, dann in Formen gegossen, um Betonsteine herzustellen.

Auch nach der Arbeit gab es Gelegenheit, mit Einheimischen in Kontakt zu kommen. „Wir sind öfter ins Dorf gegangen“, berichtet Kevin. Nette Gespräche hätten sie unter anderem mit einem jungen „Pommesbuden-Besitzer“ geführt. Eine Portion Spiegelei mit Pommes für 500 Kwacha, etwa 61 Cent. Und 20 Cent für einen Haarschnitt: „Das sah dann aus, als hätten sie einem einen Topf auf den Kopf gesetzt und rundherum abgeschnitten“, stellt Angeline fest.

Was hat die Zeit in Afrika gebracht? Cindy: „Ich war Schulvermeiderin. Jetzt bin ich relativ froh, dass es hier so etwas wie Schulpflicht gibt – wenn man sich Afrika anguckt, die können sich das gar nicht leisten. Ohne Bildung möchte ich hier nicht leben. Dass so was mal aus meinem Mund kommt, hätte ich nie gedacht...“ Angeline: „Man hat sich ein bisschen selber entwickelt. Es gab dort viel Zeit zum Nachdenken, darüber, was man zurück in Deutschland verbessern könnte.“ Kevin bleibt vor allem der Eindruck von den Menschen in Malawi in Erinnerung, „die müssen mit widrigen Verhältnissen klarkommen, jeden Tag von morgens bis abends arbeiten – und haben immer gute Laune. Auch ihre große Offenheit ist cool.“

„Im Gepäck“ hatte die Gruppe noch einmal rund 3 000 Euro aus der Spendenaktion der Schule, mit der sie in der Zeit der Hungersnot Maislieferungen für notleidende Familien realisierte (wir berichteten). „Diesmal haben 170 Familien Saatgut bekommen, um Mais anbauen zu können“, berichtet Evelyn Seyfried (Pädagogische Leitung). „Unser herzlicher Dank gilt allen Spendern aus dem Landkreis Diepholz.“ 

ab

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