125 Jahre Gesangverein Schmalförden:

„Zum Singen ging man in den Keller“

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Dem Gesangverein Schmalförden gehören aktuell 45 aktive Sängerinnen und Sänger an.

Schmalförden - Das 125-jährige Bestehen des Gesangvereins Schmalförden gilt es in diesem Jahr zu feiern. „Bekannt ist, dass 1891 Lehrer Fricke den Anstoß für die Gründung gab, er hat den damals reinen Männergesangverein auch geleitet“, berichtet der heutige Vorsitzende, Hans-Jürgen Schumacher.

Das undatierte Foto zeigt die Gründungsmitglieder des Gesangvereins, damals noch ein reiner Männergesangverein.

„Damals ging man zum Singen in den Keller – wörtlich, man traf sich im Keller des Hauses Runge.“ Ziemlich schnell wechselten die Sänger allerdings in das Gasthaus Kastens, dem der Verein noch heute die Treue hält. Zu den Gründungsmitgliedern zählte Fritz Kastens, dessen Sohn Fredi später die seltene Würdigung für 75-jährige Mitgliedschaft zuteil wurde und dessen Enkel Fritz heute die Sparte „Schmalver Buddelschippers“ leitet. Der Shantychor ist nicht der erste „Ableger“ des Vereins: Aus dem ging bereits 1913 die Theatergruppe hervor, die heute als „Schmalver Plattschnackers“ bekannt ist. „Sie erregte im Jahr ihrer Gründung mit dem Stück ‚Dörpswies‘ Aufsehen“, weiß Hans-Jürgen Schumacher, „es spielten sage und schreibe 46 Personen mit.“ Die Sängerbälle waren einst das gesellschaftliche Highlight: „Es gab viele Leute, die nur in den Verein eintraten, um Karten zu bekommen.“ Eine weitere Anekdote: Der Gesangverein erwarb 1925 einen Leichenwagen – um ihn, gegen Gebühr, zu verleihen. In den 50er Jahren traten zahlreiche Frauen ein, der Männergesangverein wurde zum Gesangverein Schmalförden. Die erste Sängerin war, ab 1955, Lina Kastens, die Mutter von Fritz Kastens.

1991, als der Chor 100 Jahre alt wurde, stand er kurz vor seinem Ende, „kein Chorleiter, fast ausschließlich ältere Mitglieder, keine Perspektive“, erinnert sich Hans-Jürgen Schumacher. Er gehörte zu einem runden Dutzend junger Leute, die eigentlich selbst einen Chor gründen wollten. Und sich dann doch dem Gesangverein anschlossen. Es gab reichlich Diskussionen, über „frischere“ Lieder, darüber, ob man bei Auftritten wirklich Schwarz tragen und die Vereinsfahne mitnehmen muss. Chorleiter wurde Henry Brouwer: „Er hat es verstanden, ein bisschen auf die Bedürfnisse aller einzugehen. Die ersten Lieder in englischer Sprache waren Gospels, wir haben die Texte für die, die kaum Englisch konnten, in Lautschrift aufgeschrieben. Aber es sind seinerzeit Leute weggeblieben, die diesen Weg nicht mitgehen wollten.“ Brouwer sei ein Motor gewesen, „der etwas erreichen wollte.“ Und den Traum hatte, mit dem Chor auf Reisen zu gehen. Den ersten Trip zu einem internationalen Chortreffen, 1999 nach Wien, erlebte Brouwer noch mit. Seitdem packen die Sängerinnen und Sänger alle zwei Jahre die Koffer, sie besuchten unter anderem Prag, Paris und Amsterdam. Die Reisen sollen zusätzlicher Anreiz für neue Mitglieder sein – die stets willkommen sind, wie Schumacher betont – und die Chorgemeinschaft festigen: „Es ist unglaublich, wie man dabei zusammenwächst, es entstehen Freundschaften.“ Und Ideen: 2004 beeindruckte der mitreißende Auftritt eines Shantychors aus Carolinensiel die Männer im Gesangverein derart, dass sie ihnen nacheifern wollten. Die Geburtsstunde der „Schmalver Buddelschippers“. Jüngste Sparte des Gesangvereins ist „KulturGut Ehrenburg und umzu“, seit 2008 sorgt sie für ein vielfältiges Kulturprogramm in der Gemeinde.

Die meisten der aktuell 45 aktiven Sängerinnen und Sänger im Alter von 18 bis 80 (Schumacher: „Es ist ein tolles Miteinander der Generationen“) stammen nicht aus der Gemeinde Ehrenburg, sondern umliegenden Kommunen. Geübt wird dienstags ab 19.30 Uhr bei Kastens. Chorleiterin ist seit zehn Jahren Inge Nickel aus Sulingen.

Den Rahmen der offiziellen Jubiläumsfeier bildet das Kreischorfest, dessen Gastgeber der Gesangverein am Sonnabend, 21. Mai, ab 15 Uhr ist. Die große Oldie-Tanzfete, bei der „Benny & the Stuntmen“ aufspielen und für die Hans-Jürgen Schumacher einige Überraschungen verspricht, beginnt am Samstag, 11. Juni, um 20 Uhr (Karten gibt es in der Volksbank und der Sparkasse in Ehrenburg). Veranstaltungsort ist in beiden Fällen – na klar, das Gasthaus Kastens.

ab

www.schmalver-allerlei.de

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