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In zehn Fällen Kinder sexuell missbraucht

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Von: Wiebke Bruns

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Angeklagter aus der Samtgemeinde Schwaförden am Landgericht Verden.
Der Angeklagte legte ein Geständnis ab und ersparte so den Opfern, im Prozess aussagen zu müssen. © Bruns

Schlag gegen Kinderporno-Szene: Das Landgericht Verden hat am Montag einen 31 Jahre alten Mann aus der SG Schwaförden zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt.

Verden/Schwaförden – Das „Who is who“ der Kinderporno-Szene versammelte sich nach Einschätzung des Bundeskriminalamtes in einem Darknet-Forum, bei dem ein 31 Jahre alter Angeklagter aus der Samtgemeinde Schwaförden Administrator und Moderator gewesen war. Der gebürtige Nienburger wurde gestern am Landgericht Verden zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von achteinhalb Jahren verurteilt. Weil er in 38 Fällen, teils bandenmäßig, Dritten Besitz zu entsprechenden Dateien verschafft und in zehn Fällen selbst Kinder sexuell missbraucht hat.

Als „schlimmste Tat“ bezeichnete der Vorsitzende Richter Lars Engelke den schweren sexuellen Missbrauch einer Zwölfjährigen, wovon der Angeklagte ein Video gefertigt hatte. „In der Absicht, es Gleichgesinnten zur Verfügung zu stellen“, sagte der Vorsitzende. Zu einer Veröffentlichung der Aufnahmen kam es nicht.

Kinder gelockt mit Punkten für das Online-Spiel Roblox

Gegenüber dem verliebten Mädchen hatte sich der Angeklagte als 18-Jähriger ausgegeben und war für die Taten extra in den Sommerferien 2020 zu dem Kind nach Sachsen gereist. Er missbrauchte es im dortigen Stadtwald in einem Zelt. Für eine weitere Tat hatte er ein Hotelzimmer angemietet. Zwei weitere Mädchen versuchte er, in Chats zum nackten Posieren zu veranlassen, was ihm bei einer anderen 12-Jährigen gelungen war. Gelockt wurden die Kinder mit Punkten für das Online-Spiel Roblox.

In dem Prozess wurden zwei Mütter gehört. Eines der Mädchen war später „psychisch völlig am Ende“ und wurde in einer Klinik stationär aufgenommen. Nach den Taten habe sie kein Mädchen mehr sein wollen, habe sich die Haare abgeschnitten, wie ein Junge gekleidet und sich selbst verletzt.

Der Vorsitzende Richter deute an, dass die Mädchen auch „in andere Fänge geraten“ waren, sodass die psychischen Folgen nicht allein dem Angeklagten zugeschrieben werden können.

Forum „Isla Del Muerta“ im September 2017 gegründet

Bei dem im September 2017 gegründeten Forum „Isla Del Muerta“ sei „alles sehr konspirativ angelegt“ gewesen. „Es bedurfte spezieller Einladungen und Sicherheitsmechanismen. Man musste sich verpflichten, für Nachschub an Bildmaterial zu sorgen“, hieß es in der Urteilsbegründung. Der Angeklagte war auch in anderen Foren aktiv.

Bei zwei Hausdurchsuchungen waren Tausende entsprechende Dateien gefunden worden. Besondere Erwähnung fand am Montag ein 36 Minuten langes Video, offenbar unbekannter Herkunft, was den schweren sexuellen Missbrauch eines geschätzt sechs bis acht Jahre alten Kindes zeigt.

Angeklagter hat unter Ausschluss der Öffentlichkeit gestanden

Zu Gute gehalten wurde dem Angeklagten seine Reue und sein bislang sauberes Strafregister. Außerdem sein vollumfängliches Geständnis, das unter Ausschluss der Öffentlichkeit erfolgt war. Damit habe er den Mädchen die Aussage in dem Prozess erspart. „Ohne geständige Einlassung wären sie ohne jeden Zweifel im zweistelligen Bereich gelandet“, gab der Vorsitzende dem Angeklagten zu bedenken.

Nach der zweiten Durchsuchung am 9. Oktober 2021 wurde der Angeklagte festgenommen und befindet sich seitdem in Untersuchungshaft. Rechtskräftig ist das Urteil nicht, aber der Haftbefehl bleibt aufrechterhalten.

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