Hunger und blanke Not begleiten den Schulalltag in Namibia/Sonnenkinderprojekt sucht Paten für 23 Kinder

400 Schüler essen von 25 Plastiktellern

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Neue Schuluniformen haben die Jungen und Mädchen der Gammams Primary School und der Khomas Primary School in Windhoek schon vom Sonnenkinderprojekt erhalten. Jetzt brauchen diese Kinder (die meisten zwischen sechs und zehn Jahre alt) Paten, die ihnen das Schuldgeld zahlen – damit sie eine Lebensperspektive haben. Von der Ärztin bis zum Polizisten reichen ihre Berufswünsche.

Schwaförden/Windhoek - Von Anke Seidel. Anelly ist neun Jahre alt und möchte, genauso wie ihre Klassenkameradin Sparkle, einmal Ärztin werden. Doch ohne Hilfe haben sie keine Chance: Die beiden Mädchen leben in „Katutura“, dem Armenviertel von Windhoek in Namibia. In diesem Meer von Wellblechhütten fehlt es viel zu oft am Nötigsten. Am Essen, an Kleidung – und vor allem an der Möglichkeit, das Schulgeld zu zahlen. Deshalb sucht das Sonnenkinderprojekt erneut Paten für 23 Jungen und Mädchen.

Elf von ihnen besuchen die Gammams Primary School und zwölf die Khomas Primary School in „Katatura“. Vor allem in der Khomas Primary School herrschen Hunger und blanke Not, denn dort gibt es noch nicht einmal eine Schulküche: „Es gibt zweimal in der Woche Maisbrei als Essen“, weiß Arthur Rohlfing als Vorsitzender des Sonnenkinderprojektes.

Unvorstellbar: „Es essen etwa 400 Kinder von 25 Plastiktellern.“ Der Brei werde von einer hilfsbereiten Frau aus der Nachbarschaft gekocht. „Wenn diese Frau erkrankt, gibt es auch kein Essen“, weiß Arthur Rohlfing – und möchte helfen: „Der Bau einer Schulküche ist zwingend notwendig!“ Ebenso unvorstellbar sind die sanitären Verhältnisse an der Khomas Primary School: 600 Jungen und Mädchen stehen nur jeweils 16 Toiletten zur Verfügung.

Insgesamt unterrichten an dieser Schule 43 Lehrkräfte knapp 1300 Kinder. 38 Klassenräume stehen zur Verfügung – was bedeutet, dass 40 Jungen und Mädchen Schulter an Schulter in einer Klasse lernen müssen. Noch enger ist es in der Gammams Primary School: Dort lernen 43 Kinder in einer Klasse. 47 Lehrkräfte unterrichten in 37 Klassenräumen knapp 1200 Jungen und Mädchen.

Anders als an der Khomas Primary School muss zwar nicht draußen gekocht werden, weil es an der Gammams Primary School wenigstens eine winzige Küche im Gebäude gibt.

Aber: „An der Schulspeisung nehmen etwa 300 sehr hilfsbedürftige Kinder teil“, berichtet Arthur Rohlfing.

Satt werden bei weitem nicht alle: „Es würden noch wesentlich mehr Kinder essen, wenn es den nötigen Maisbrei dafür gäbe.“ Weil Hunger und Not so groß sind, ergänzen einige Lehrkräfte freiwillig das Maismehl der Regierung.

Eines gilt für alle 23 Kinder, denen das Sonnenkinderprojekt Essen, Schulbildung und damit eine Lebensperspektive geben will: „Alle Erziehungsberechtigten sind sehr arm und nicht in der Lage, die Schule finanziell zu unterstützen.“ Viel zu viele der betroffenen Kinder haben ihre Eltern oder ein Elternteil verloren und müssen bei Verwandten leben.

Trotzdem haben Devon (6 Jahre), Vetira (7), Romeo (10) oder Uasora (8), Ericha (12), Serenades (7) oder Patye (13) und die anderen hilfsbedürftigen Kinder ihre Hoffnungen und ihre Träume nicht aufgeben: Lehrerin, Polizist, Ärztin, Astronaut oder Sänger wollen sie werden. Dafür lernen sie an ihren Schulen – aller Not zum Trotz – und durchaus mit Spaß. Als Hobby hat ein Sechsjähriger „Lernen“ angegeben.

Wer eine Patenschaft für eines der Kinder übernehmen möchte, wendet sich an Arthur Rohlfing (Telefon 04277/607). Die Paten stellen 20 Euro im Monat für „ihr“ Kind zur Verfügung.

http://sonnenkinderprojekt.org

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