Hobby-Historiker finden im Schwafördener Wald Teile eines Jagdflugzeugs

Drehzahlmesser ist Highlight

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Die Fundstücke der Hobby-Historiker – neben dem Drehzahlmesser konnten unter anderem ein Dimmer-Drehknopf für das Reflexvisier, die Trimmanzeige und der Deckel eines Ölpeilstabes identifiziert werden.

Schwaförden - Der Staffhorster Jens Schaper pflegt ein ungewöhnliches Hobby: Er gehört zur Gruppe „Luftfahrtarchäologie Niedersachsen“ und sucht mit Gleichgesinnten nach Spuren von Flugzeugen, die im Zweiten Weltkrieg abgestürzt sind – in alten Aufzeichnungen, im Gespräch mit Zeitzeugen. Und am Sonntag, gemeinsam mit Matthias Zeisler, im Schwafördener Wald: Mit Metalldetektoren suchten sie nach Überresten eines deutschen Jagdflugzeuges, einer Me 109, die dort auf den Tag genau 72 Jahre zuvor abgestürzt sein soll. Und sie wurden fündig.

So sah die Me 109 aus – diese Messerschmitt Bf 109 G-6 hat Jens Schaper bei einer Flugschau abgelichtet.

Zehn Kleinteile des Wracks, darunter sechs aus dem Cockpit, entdeckten sie in einem Gehölz, das zwischen dem Waldpädagogikzentrum Hahnhorst und Langenäse liegt, berichtet Jens Schaper. „Es gab drei Spuren, die uns schließlich zum Ziel brachten: Gespräche mit Förster Walter Löhmann im Jahr 2000 und im vergangenen Jahr mit dem Zeitzeugen Willi Holthus, außerdem die Ortschronik von Mallinghausen, in der ein Lehrer das Absturzdatum, den 6. März 1944, dokumentiert hat.“ An diesem Tag erfolgte der erste große US-Tagbomberangriff auf Berlin, erläutert Schaper, „einer der verlustreichsten Angriffe im Zweiten Weltkrieg, sowohl auf deutscher als auch auf alliierter Seite. Von 700 US-Bombern kamen etwa 60 nicht zurück, die Verluste an deutschen Jägern waren etwa ebenso hoch.“ Die Entscheidung, am Sonntag auf die Suche zu gehen, hätten er und Matthias Zeisler allerdings weniger wegen des Datums, sondern relativ spontan getroffen – „es war schönes Wetter.“

Wer nun Bilder einer archäologischen Ausgrabung vor Augen hat, liegt falsch: „Das eigentliche Wrack ist kurz nach dem Abschuss der Maschine geborgen und wohl wiederverwertet worden“, schätzt Schaper. „Was wir jetzt gefunden haben, hat man damals schlicht übersehen.“ Und es war nicht Graben, sondern lediglich Scharren erforderlich, um es zu Tage zu Fördern: „Das Flugzeug ist damals sehr flach aufgekommen. Die Teile lagen oberflächlich – der Drehzahlmesser, das Highlight der Funde, direkt an einem Baum, der daneben gewachsen ist.“ Es handelte sich bei der Maschine mit größter Wahrscheinlichkeit um eine Messerschmidt Bf 109 G-6. Wer sie damals geflogen hat, lässt sich heute nicht mehr rekonstruieren: „Der Pilot konnte sich mit dem Fallschirm retten, nachdem das Flugzeug getroffen worden war. Und bei reinen Materialverlusten wurde auf deutscher Seite nicht dokumentiert, wer der Pilot der Maschine war.“

Die Gruppe „Luftfahrtarchäologie Niedersachsen“ arbeitet mit dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege in Hannover zusammen. Die Fundstücke werden weder als Trophäen in der heimischen Vitrine landen noch verkauft, betont Schaper: „Matthias Zeisler wird sie konservieren und einem Museum anbieten.“

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