Krauleeinheiten für knuffige Kolosse

Highland-Cattle-Zucht: Für Regine und Manfred Heinz mehr als ein Hobby

Regine Heinz mit zwei besonders kuschelbedürftigen jüngeren Tieren.
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Regine Heinz mit zwei besonders kuschelbedürftigen jüngeren Tieren.

Anstedt – Gesa ist knuffig, Haare hängen im Gesicht. Sie findet es toll, gekämmt zu werden. Es ist ihr egal, ob diese Aufgabe Regine Heinz oder deren Ehemann Manfred übernimmt.

Die Kälber der Jahre 2019 und 2020 bilden diese Gruppe, das jüngste erst im September geboren. Dazu die Mütter. Das tägliche Frisieren ist für manches der Highland-Rinder willkommene Krauleeinheit, die eifersüchtig eingefordert wird. Andere warten entspannt, bis sie drankommen.

Fast alle aber sind heute verwundert-aufmerksam bis ängstlich-irritiert, ob der unbekannten Person. Die ist sonst nicht dabei. Und die ist durchaus zufriedener, wenn zwischen ihr und den wirklich super süßen Rindern der stromgeführte Zaun ist.

Oskar, der 1000-Kilo-Koloss

Dann kommt Oskar. Um die 1 000 Kilo, gut verteilt auf Filetrücken, Hüftsteak und Schulter-Braten, kein Wunder, dass er als Schausieger glänzt. Und er kommt angelaufen. Das ist schon imposant, wie ein einzelnes Highland-Rind weithin zu hören ist und das Getrampel bereits rein akustisch keine Zweifel an der Masse lässt. Der Koloss kommt vor Regine Heinz zum Stehen.

Die zierliche 69-Jährige striegelt einer seiner Damen seelenruhig die Mähne. Zweibeiner und Vierbeiner mögen sich erkennbar. Manfred Heinz betont mehrfach: „Die tun nix, das sind wirklich sehr friedliebende Tiere. Das ist ihnen angezüchtet worden.“ Ja, glaube ich durchaus. Dennoch sind die Tiere aus der Nähe nicht mehr nur super-süß...

Gesa.

Gut drei bis vier Minuten sind Regine und Manfred Heinz täglich mit jedem der gut 50 Tiere ihrer Herde beschäftigt. Jeden Vormittag erfolgt der Gang über die verschiedenen Weiden. Montagmorgen bleibt der Nebel tief, ist es den Zweibeinern kühl trotz wärmender Jacken. Für die Highland-Rinder ist jeder Tag ein Weidetag, sie genießen den Auslauf bei jedem Wetter. Einzig im Sommer suchen sie Schutz vor der Hitze im Schatten.

Die insgesamt 18 Hektar Weide sind aufgeteilt auf verschiedene Standorte, zwei Flächen darunter sind Naturschutzgebiet, die das Ehepaar von der Gemeinde gepachtet hat.

Bulle Oskar (hinten).

Die Tiere sind aufgeteilt in unterschiedliche Gruppen, wie es verwandtschaftlich passt, Bullen bilden eine eigene Herde.

Je mehr Regine und Manfred Heinz über ihre Highland-Cattle-Rinder sprechen, die sie seit dem Jahr 2007 züchten, desto mehr wird klar: Hier haben zwei Personen ein ganz besonderes Hobby für sich entdeckt. Ein Hobby, das sie, nachdem sie beide ihre Lehrerkladde in die Ecke gestellt haben, umso intensiver betreiben. 50 Tiere indes – das reiche jetzt. „Da wollen wir runter.“ Zumal auch die Weidekapazität irgendwann erschöpft ist.

Manfred Heinz striegelt eine der älteren Färsen.

Was fasziniert das Ehepaar an der Highland-Rinderzucht? „Der Wettbewerb. Nur züchten, das wäre uns zu wenig. Wir erfreuen uns auch an den schönen Tieren der anderen“, erklärt Manfred Heinz. Im Wohnzimmer steht ein Teil der Pokale, die ihre Tiere eingeheimst haben.

Zuchterfolge, die in der Szene bekannt sind. Zuchterfolge, die jetzt, wo Schauen wegen der Pandemie abgesagt sind, in den Züchterkreises nachhallen und weiterhin Verkäufe generieren. Der Verkauf der Bullen sei ein wirtschaftlicher Faktor. Deren Versteigerung sei daher wichtig – und so werde in Züchterkreisen bereits überlegt, ob es eine Chance gibt, eine echte Auktion zu veranstalten und wie diese dann ablaufen könnte, unter Einhaltung der geltenden Auflagen.

Aufmerksam wird geguckt, wer auf die Weide kommt.

Die Schauen für die Färsen seien komplett abgesagt. Regine und Manfred Heinz bedauern das. Es sei „jammerschade“, denn „in diesem Jahr haben wir wieder einige sehr gute Tiere.“ 14 Kälber wurden in diesem Jahr geboren und 17 im Jahr 2019. Zu ihnen gehört Ole, leicht zu erkennen an seinem ganz weißen Fell. Eine Seltenheit.

Die Schauen, auf denen das Ehepaar Heinz seine Tiere sonst präsentiert, sind, coronabedingt, abgesagt. Das Training, das die Tiere durchlaufen, etwa das Gehen über verschiedene Bodenbeläge und durch Türen, fällt derzeit aus. „Das Duschen auch“, ergänzt Regine Heinz und muss lachen. Das tägliche Kämmen wird beibehalten. Zum einen, um die Herde täglich zu kontrollieren. Zum anderen, um sie handzahm zu halten, dass sie an Menschen gewohnt bleiben.

Züchtertreffen fallen derzeit aus

Auch die Züchtertreffen und die Versammlungen sowie die gegenseitigen Besuche fallen aus. Es sei denn, ein Züchterkollege schaue in Kaufabsicht vorbei.

Es habe eine Bundesschau gegeben, online, berichtet Manfred Heinz und winkt ab: „Das ist keine Alternative. Da kriegt nicht das beste Tier den Preis, sondern der beste Fotograf.“

Angst vor Wolfsangriff

Was passiert denn, wenn die Bullen nun nicht verkauft werden können? „Dann werden sie geschlachtet“, sagt Manfred Heinz. Die Fleischnachfrage sei enorm gestiegen.

Nach etwa zweieinhalb Stunden sind Mähnen und Felle gestriegelt, die Zäune kontrolliert, die Tränken überprüft, die Hörner eingefettet. Reparaturen würden die tägliche Weideninspektion entsprechend verlängern, die Suche nach einem im hohen Gras liegenden neuen Kalb auch, erinnert sich Regine Heinz an einem Morgen im Sommer zurück.

Was könnte diese Idylle trüben? „Ein Wolfsangriff“, sagt das Ehepaar unisono. Der sei das größte Problem, aus Züchterkreisen seien bereits Unfälle zwischen Herde und Wölfen bekannt. „Das wäre der totale Horror, morgens auf die Weide zu kommen und dann ein angefallenes Tier zu sehen“, sagt Regine Heinz.

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