Keine Entscheidung für die Ewigkeit

Neuer Flyer informiert über mögliche Grabstätten in Sudwalde

Die Rasenreihengrabstätte sieht aus wie eine freie Rasenfläche, ist aber ein Gräberfeld.
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Die Rasenreihengrabstätte sieht aus wie eine freie Rasenfläche, ist aber ein Gräberfeld.

Sudwalde – Eine Werbebroschüre für einen Friedhof ist nur auf den ersten Blick irritierend. Übersichtlich aufgeführt sind alle Bestattungsformen, inklusive der Kosten. Das hilft: ob im Gespräch mit der Familie, mit dem Bestatter oder als Informationsquelle für einen selbst. Tanja Klusmann-Winte hat den Flyer für die Optionen auf dem Sudwalder Friedhof gerade neu aufgearbeitet.

Der Kirchenvorstand hat Aufgaben aufgeteilt, um das Thema Friedhof kümmern sich Vorsitzender Johann Buschmann, Pfarramtssekretärin Monika Meier und Peter Strauß, gerade neu als Kirchenvorsteher ins Amt eingeführt. Tanja Klusmann-Winte, ebenfalls Mitglied im Kirchenvorstand, hat den Flyer druckfrisch und frei entnehmbar in einem Kästchen, das an der Kapelle angebracht ist, einsortiert.

Direkt neben dem Kästchen für Lob und Tadel. „Da war aber noch nie eine Nachricht drin“, sagt Johann Buschmann. Regelmäßig sind Buschmann, Meier und Strauß auf dem weitläufigen Areal unterwegs, schauen, ob die Grabstätten in Ordnung sind. Es sei aber kaum notwendig. Grund des Einsatzes: „Die Leute sollen sich wohlfühlen“, sagt Monika Meier. Wenn die Mitglieder des Kirchenvorstandes feststellen, dass ein Pflegeeinsatz ratsam wäre, gibt es einen Brief an die Nachfahren.

Stele mit Namensplatten derjenigen, die hier begraben sind.

Für manche Angehörigen sei der Gang zum Grab wie ein Gefühl von „nach Hause kommen“, sagt Meier. Einmal im Jahr prüfen die Mitglieder des Kirchenvorstandes auch die Standfestigkeit der Grabsteine.

Andere Familien sind kaum vor Ort, weil ihr Lebensmittelpunkt woanders als in der Region Sudwalde ist. Eine Situation, mit der eigentlich alle Kirchengemeinden umgehen müssen: Grabstellen anbieten, die „pflegeleicht“ sind.

In Sudwalde gibt es unterschiedliche Optionen dafür, auch solche, bei denen, für ein Entgelt, alle Arbeiten übernommen werden.

Kaum nachgefragt seien mittlerweile die großen Familiengrabstellen. Dennoch gibt es sie. Früher lagen sie, ohne Abtrennung dazwischen, direkt nebeneinander. So musste die Trauergesellschaft, inklusive Pastor und Sargträger, über andere Gräber gehen, um zum aktuellen Begräbnis zu gelangen.

Eine sogenannte Dryadengrabstätte für Urnen, in Form eines Kreuzes angelegt.

„Die Kuhlengräber mussten die Kuhle komplett per Hand ausheben“, erinnert Johann Buschmann, dass der Einsatz von Gerätschaften hier nicht möglich war, auch nicht von kleinen. Denn auch ein kleiner Bagger kann natürlich nicht auf dem Nachbargrab stehen, auch nicht kurze Zeit.

Wilfried Bröer hat in den zurückliegenden Jahrzehnten dafür gesorgt, dass ein gepflastertes Wegenetz die Nutzung des Friedhofes besser strukturiert und erleichtert, speziell für jene Besucher mit Bewegungshilfen.

Zwischendurch ist immer wieder Platz für eine Bank, zum stillen Innehalten oder Klönschnack gegen die Einsamkeit. „Der Friedhof ist ein Begegnungsort“, sagt Peter Strauß.

Ob Einzelgrabstelle oder neben dem Partner, ob im Sarg oder in der Urne: Die Sudwalder Kirchengemeinde bietet individuelle Möglichkeiten, die letzte Ruhe zu finden. Die Verträge laufen in der Regel nicht ewig, sondern, wie andernorts auch, über 30 Jahre. „Anonyme Bestattungen gibt es nicht“, sagt Pfarramtssekretärin Monika Meier.

Die „Unendliche Acht“: Diese Urnengemeinschaftsanlage ist ein Entwurf von Wilfried Bröer.

Tatsächlich seien alle Grabstätten markiert, auch, wenn über dem Grab selber kein Stein die Liegestätte anzeigt. Steinerne Quadrate übereinander türmen sich zu einem kleinen Granitkunstwerk, inklusive Name, Geburtsdatum und Sterbetag. Aber wo genau die Person liegt, ist nicht erkenntlich im „Unendlichkeits-Grabfeld“, das speziell nach dem Entwurf von Wilfried Bröer für diese Bestattungsart angelegt wurde.

Und doch haben Angehörige sich die Stelle bei der Beerdigung gemerkt, die Steinreihe in Form der Acht auf der Urnengemeinschaftsanlage ist gesäumt von einzelnen Blumen oder steinernen Figuren.

Neu: Ein Fisch für Urnengräber

Frisch entfernt wurde die Grasnabe in Form eines Fisches zwischen anderen Grabstellen: Zwölf neue Einzel-Urnengrabstellen sollen hier entstehen. Die Schwanzflosse soll dabei als Sammelstelle Raum bieten für Niederlegungen.

Tatsächlich nicht zu erkennen sind die Ruhestätten auf der Rasenreihengrabstätte. Findlinge markieren das Feld in der Länge, weisen den Besucher darauf hin, dass er nur vermeintlich Fuß setzt auf eine Rasenfläche, die aber tatsächlich Ruhestätte ist. Eine Stele in der nordwestlichen Ecke markiert, wer hier begraben liegt.

Die neueste Urnengemeinschaftsanlage in Form eines Fisches präsentieren, von links, Johann Buschmann, Peter Strauß, Tanja Klusmann-Winte, Diane Beneke, Monika Meier und Wilfried Bröer.

Je nach Grabstätte werden die Gestaltungsrechte abgegeben. Dann kümmert sich Anne Cordes als Friedhofsgärtnerin um die Anpflanzungen.

Der Kirchenvorstand kümmert sich um die Grünanlagen auf dem Friedhof als Ganzes: Etliche junge Bäume sind gerade angepflanzt, eine Blumenwiese ausgesät. Hinter der großen markanten Hecke verbirgt sich die Grünabfallstelle. Wilfried Bröer hat hier manches Mal tatsächlich Autoteile gefunden und Waschmaschinen, die im Dunkel deponiert wurden.

Mehr Infos unter

www.kirchengemeinde-sudwalde.wir-e.de

Von Sylvia Wendt

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