Heilpflanzengarten möchte aus Dornröschenschlaf geweckt werden

Giersch, Gesummse und Gelassenheit in Scholen

Sabine Kratzer mit zwei der vielen eingetopften Ableger, die Besucher gegen eine Spende für die Vereinsarbeit mitnehmen können.
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Sabine Kratzer mit zwei der vielen eingetopften Ableger, die Besucher gegen eine Spende für die Vereinsarbeit mitnehmen können.

Scholen – Der gigantische Lorbeer, abgedeckt durch Schafwolle und an der Mauer eigentlich gut geschützt – erfroren. Der Eukalyptus, der hiesige Wetterverhältnisse so gar nicht mag, hatte das mit braunen Blättern kundgetan. Daraufhin wurde er bis auf einen Meter runtergeschnitten – „und schlägt jetzt wieder aus“, freut sich Sabine Kratzer. Der Heilpflanzengarten auf dem Areal des Atelierhofes „Scholen 53“ befinde sich in einem Dornröschenschlaf, sagt dessen Initiatorin.

Es sind nicht allein das bisher immer noch schmuddelige Wetter und die Pandemie, die Seminare und Führungen weiterhin unmöglich machen. Es ist vor allem der Tod der Gartenfreundin kürzlich, die an der Seite von Sabine Kratzer kenntnisreich und unermüdlich mitgearbeitet hat. „Wer geht jetzt zusammen mit mir jäten?“, fragt sie betrübt.

Völlig irritiert ist die Pflanzenspezialistin darob, warum die Arnika Montana darniederliegt: „Das ist eigentlich eine winterharte Pflanze. Ist es ihr hier zu nass? Sonst wächst sie ja im Gebirge, da kann das Wasser ablaufen. Ach, ich werde sie einfach weiter betüdeln“, sinniert Kratzer. Jäten, aber auch ganz viel Eintopfen stand und steht auf dem Plan.

Kratzer ist als Keramikerin weiterhin ohne sonstige Aufträge und Termine. „Dass ich nicht, wie sonst, unterwegs bin, gibt mir mehr Zeit für den Heilpflanzengarten“, sagt die Künstlerin. Ihre zerbrechliche Ware ist für den Versand und etwaige Rücksendungen nicht wirklich geeignet, also bleibt da kaum eine berufliche Option. „Es findet nichts statt, ich kann nichts verkaufen. Aber uns Künstlern auf dem Land geht es noch einigermaßen gut: Wir müssen nicht doppelt horrende Mieten zahlen für Wohnung und Ateliers.“ Kann der Bremer Keramikmarkt Mitte Juni stattfinden? Kratzer wäre dann dabei. Auch ein zweiter Juni-Termin, der Markt rund um die hannoversche Marktkirche, sei noch nicht abgesagt. Auch das wäre ein Ziel für die Keramikerin Sabine Kratzer. Beide Termine würden im Freien stattfinden, das gibt einen Hoffnungsschimmer.

So bleibt derzeit, noch, die Gartenspezialistin Sabine Kratzer, aktiv. Alleine. Was ist denn mit dem Verein, der sich 2012 speziell zur Unterstützung des Heilpflanzengartens gegründet hatte? „Wir sind ein kleiner Verein, die Mitglieder sind zumeist ,zahlende Mitglieder‘. Die meisten sind allein schon aufgrund der räumlichen Entfernung nicht für regelmäßige Arbeitseinsätze verfügbar“, erklärt Kratzer. Eröffnet wurde der Garten 2018 – nach ungezählten Einsätzen rund um die Gestaltung der sternenförmig angelegten Wege, die die einzelnen Beete trennen, aber Besucher sie aus der Nähe erleben lassen. Besucher, für die rund um das Thema Heilpflanzengarten sonst Seminare oder Führungen angeboten werden.

Keine Anmeldung notwendig für Besucher

Wer spezielle Fragen hat und Sabine Kratzer dazu sprechen möchte, erreicht sie auch jetzt (Tel. 0 42 45 / 9 62 30 22) oder schaut sich auf der Homepage des Vereins um (www.heilpflanzengarten-scholen53.de). Wer für sich durch den Garten oder die angrenzende Streuobstwiese spazieren möchte, könne das auch tun. „Hier kann man sich gut aus dem Weg gehen“, antwortet Kratzer auf die Frage, ob denn genügend Platz zum Abstand halten gegeben sei. Es ist keine Anmeldung notwendig.

Kratzer betont, dass es den Verein und den Garten auch weiterhin geben wird, nicht allein wegen der sonst sehr geschätzten gemeinsamen Jät-Einsätze. „Es ist nicht nur pure Arbeit, es ist auch Vergnügen“, würde sich Sabine Kratzer freuen, wenn sich jemand fände, der mit Freude regelmäßig Arbeitseinsätze leisten möchte. Der Antworten haben möchte auf die Frage, warum andere den Giersch loswerden wollen, während er im Heilpflanzengarten extra angesät wurde. Der die Flugübungen der Vielzahl an Vögel verfolgen möchte, die zwischen Tankstopp in der neuen Wasserschale, den Obstbäumen und Pflanzenblüten hin und her schwirren. Der bei Niederschlag die Regentropfen bewundern mag, der sich dekorativ auf dem Frauenmantel drapiert haben. Der sich das Gesummse der Bienen anhören mag, die fröhlich die stetig wachsende Blütenschar in dem verwunschenen und naturbelassenen Garten erkunden.

Sternenförmig sind die Wege angelegt, auf denen die Gäste durch die Beete des Heilpflanzengartens wandeln können.

Es ist weiterhin ein reiner Schaugarten: Was Besucher mitnehmen dürfen, steht oder liegt für sie bereit. Geerntet wird nicht, um Salben, Tees oder Seifen zu bestücken. Jeder Besucher darf aber natürlich das Wissen mitnehmen, das hier vermittelt wird. Und alles, was an Stauden eingetopft ist, gegen eine Spende für den Erhalt und die Arbeit des Vereins.

Und was hilft gegen Corona? Sabine Kratzer lacht: „Gelassenheit.“ Ja, gut. Und wie kriege ich die? „Da würde unser Nervenbeet weiterhelfen können. Das ist bestückt mit Lavendel, der Apotheker-Rose. Daraus kann man ein Blütenbad genießen.“ Und dabei den Gedanken freien Lauf lassen, für die wesentlichen Fragen, etwa: Was ist mir denn wirklich wichtig?

Wie die beliebte Sommerausstellung auf dem Atelierhof Scholen 53 in diesem Jahr durchgeführt werden kann, bleibe abzuwarten. „Da schauen wir, was dann möglich ist, ob wir wieder wie gehabt öffnen oder erneut mit vorheriger Anmeldung für einzelne Besucher-Zeiten.“

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