Geschichte mehr Raum geben

Mitglieder würden Scholener Heimatstube gern auf Dachboden erweitern

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Rainer Degen zeigt die „Kopfleiste“ des Webstuhls der Familie Rottmann – für das komplette Exponat aus dem Jahr 1843 und viele weitere, die dem Heimatverein gestiftet wurden, fehlt es in der Heimatstube an Platz.

Scholen - Bestickte Geschirrtücher aus Omas Zeiten, Röhrenradios im Holzgehäuse, alte Fotoapparate, Nähmaschinen, Möbel, in den Schränken tummeln sich Bücher: „Es ist sehr beengt“, stellt Vorsitzender Rainer Degen mit Blick auf das urige Sammelsurium im Erdgeschoss der Heimatstube fest, die der Heimatverein Kirchspiel Scholen 2007 eröffnet hatte.

Am 8. Juli, verrät das Gästebuch, indem sich seitdem viele Besuchergruppen aus der Region („Aber auch Letten, Schweden und Engländer waren da“), Festgesellschaften und Paare, die sich hier das standesamtliche Ja-Wort gaben (Degen spricht von etwa zehn Trauungen im Jahr) verewigt haben. Für viele Exponate, die dem Verein seitdem gestiftet wurden, gibt es keinen Platz mehr. Wunsch der Mitglieder ist es, die Ausstellungsfläche im Dachgeschoss zu erweitern. Rainer Degen: „Das Problem ist das Dach.“

Von außen sieht man an den Dachrändern des 1896 als Schule errichteten kirchlichen Gemeindehauses schmale hellere Streifen, wo es einst neu gedeckt wurde. Das muss laut Degen schon passiert sein, bevor er nach Scholen kam – 1972. Von dem Part des Dachgeschosses, den die Mitglieder des Heimatvereins bereits zwei Jahre nach der Eröffnung der Heimatstube für deren Erweiterung ausgebaut hatten und in dem sich unter anderem eine komplette Schusterwerkstatt und ein Klassenzimmer im Miniformat befinden, führt eine Tür in den deutlich größeren ungenutzten Teil: Durch die Dachpfannen fällt an einigen Stellen etwas Tageslicht herein. Manchmal auch Regen, Schnee, einiges an Laub hat sich auf den Fußbodenbrettern angesammelt, die Vereinsmitglieder verlegt haben, „vorher gab es hier nur einen Laufsteg.“

Reichlich Raum böte der noch nicht für die Heimatstube ausgebaute Teil des Dachbodens des kirchlichen Gemeindehauses.

Ein großer Webstuhl aus dem Jahr 1843, den Familie Rottmann aus Mallinghausen dem Verein gestiftet hat, würde hier Platz finden. Ein weiteres Beispiel ist ein etwa drei Mal fünf Meter großes Modell ihres Heimatdorfes in Ost-Eylau, das Margot Preuß aus Schwaförden mit ihrem inzwischen verstorbenen Ehemann Heinz angefertigt hatte. Das würde die Geschichte der vielen Vertriebenen würdigen, die nach dem Krieg in die Region kamen, überlegt Degen, „da fallen mir allein in Scholen auf Anhieb sechs Familien ein.“ Auch böte der Dachboden die Möglichkeit, Ausstellungsstücke nach Themen zusammenzufassen. Und es fehle ein Archiv für Schriftstücke.

Positive Signale der Kirchegemeinde

Die seit Langem in den Reihen des Heimatvereins gehegte Idee ist, dass Kirche das Dach neu deckt, der Verein dann Arbeitskraft und Zuwendungen von Sponsoren in das Innere investiert. Wie beim ersten Ausbau im Obergeschoss, nur dass damals Vereinsmitglieder auch das Dach in dem Bereich abdichteten. Gern erinnert sich Rainer Degen an das Projekt, das eine Gruppe von ungefähr zehn Männern gewuppt hat, „eine tolle Sache.“ Allerdings knapp neun Jahre her. Und der Altersdurchschnitt der etwas über 100 Mitglieder liegt, wie Degen es schmunzelnd formuliert, „seeehr hoch“.

Seitens der Kirchengemeinde Schwaförden/Scholen bekam der Heimatverein stets positive Signale, was die Dachbodennutzung anbelangt. Daran, das Dach neu zu decken, war nicht zu denken, denn eines der beiden sanierungsbedürftigen Gemeindehäuser sollte veräußert werden. Das in Schwaförden, dafür waren eigentlich bereits 2016 die Weichen gestellt (wir berichteten). Es kam aber nicht zum Verkauf – und laut Pastor Gerald Engeler ist es erforderlich, noch einen konkreten Beschluss in der Angelegenheit zu fassen. Dies werde der Kirchenvorstand nach dessen Wahl am 11. März tun, wenn die neuen Mitglieder bestimmt, die alten noch im Amt sind. Engelers Ziel: „Die Entscheidung muss innerhalb des ersten Halbjahres getroffen werden.“ 

ab

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