Vom Wunschberuf zum Hobby

Gespräch übers Nähen in Coronazeiten mit der Schwafördener Schneiderin Waltraud Beneke

Waltraud Beneke gibt ihr Wissen in Sachen Schneidern gerne weiter.
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Waltraud Beneke gibt ihr Wissen in Sachen Schneidern gerne weiter.

Schwaförden – Mit dem Ausbruch der Pandemie gab es im März 2020 plötzlich Millionen neuer Schneiderinnen und Schneider. Ziel: Mund-Nasenschutz, selbstgemacht. Erstaunlich, wer da alles an der Nähmaschine Platz nahm, um die Dinger zu nähen. Ist Nähen wieder in? Waltraud Benekes Oma und ihre Mutter waren Schneiderinnen, und so lernt auch sie Damenoberbekleidungsschneiderin. Will den Beruf heute noch jemand erlernen oder ist er nicht mehr nachgefragt? Hat Waltraud Beneke auch diese MNS genäht?

„Nur für meine Familie, sonst nicht“, sagt die 56-Jährige. Sie bestätigt: Tatsächlich sei „Selbstgeschneidertes“ seit Jahren bereits ein Trend, einer, der besonders unter jungen Müttern beliebt sei. Aber eben nur ein Hobby.

Beneke, gebürtig aus Affinghausen, heute ansässig in Schwaförden, hat 1981 ihre Lehre in Sulingen absolviert, ist als gelernte Schneiderin nach Bassum gewechselt. Dann kommen Kinder, sie steigt wieder ein in den Beruf, als Gardinennäherin. Sie macht sich selbstständig mit einer Änderungsschneiderei. Es folgt die Ausbildung zur Sozialassistentin, die sie heute halbtags in die Krippe führt.

Neues Kissen aus altem Leinen.

Und weil Schneidern ein Freizeittrend ist, folgt 2011 seitens der Kreisvolkshochschule die Anfrage, ob sich Beneke vorstellen könnte, einen Kursus zu geben. Wie? Was? Hm. Die Antwort liegt auf Eis, bis 2012 eine Dozentin ausfällt und Beneke zusagt, einzuspringen. Nicht ahnend, dass der Kursus bereits eine Woche später beginnt. So bleibt fürs Zaudern keine Zeit mehr.

Waltraud Beneke geht noch heute genauso an die Kursvorbereitung heran, wie damals: offen für die Themen. Fragt, was die Teilnehmerinnen wünschen – fast ausschließlich sind es Teilnehmerinnen. Nach dem ersten Kursus in Weyhe folgen weitere im Nordkreis, bis die VHS-Arbeitstellenleiterin am Heimatort Schwaförden ebenfalls um Termine nachfragt. Mittlerweile ist Beneke in gleich mehreren Kommunen aktiv. Anfänger und Fortgeschrittene sind dabei gemeinsam in einem Kursus, mitunter getrennt voneinander, damit die Kursleiterin den Fragen aus beiden Gruppen gerecht werden kann.

Eine erste Näharbeit aus einem Kursus: eine Utensil-Eule.

Manches Mal aber tauschen sich die Teilnehmerinnen auch untereinander aus. Jede bringt ihre eigene Nähmaschine mit, denn: Jede der Maschinen ist individuell und die Teilnehmerinnen möchten zu Hause weiter nähen. „Dann kann ich im Kursus die Maschine erklären.“ Wer Rat vor dem Kauf benötige, erhalte diesen.

Was genäht wird: etwas für sich selbst oder als Geschenk für andere. Junge Mütter würden meist Kleidung für den Nachwuchs fertigen. Sind Burda-Schnittmuster noch ein Ding? „Ja. Manche laden sich auch Schnittmuster aus dem Internet herunter. Aber da muss man zig Blätter ausdrucken für einen Schnitt.“

Waltraud Beneke hilft auch weiter, wenn das vermeintlich alles erklärende Tutorial-Video aus dem Netz in eine näherische Sackgasse führt.

Schnuffeltier Elchi hat jetzt einen neuen Klettverschluss.

Über die Corona-Zeit hinweg helfe eine Telefongruppe, in der auch schon mal Tipps getauscht werden, wo es im Lockdown Gürtelschnallen gibt. Oder Stoffmarkt-Termine, als sie noch stattfinden durften. Oder Beneke wird angefunkt, wenn die Maschine „nicht mehr will“.

Online-Kurse sind keine Option

Für jeden Kursus, der tatsächlich stattfinden konnte, seien die Teilnehmerinnen sehr dankbar gewesen. Egal, ob längerer Kursus oder Tagesseminar am Samstag – das Zusammenkommen, auch auf Abstand und mit Masken, sei vielen wichtig. Es ist eine Zeit, die die Teilnehmerinnen für sich alleine haben.

Und Online-Kurse? „Nein. Wie soll das gehen? Das wäre ja wie bei den Online-Tutorials, wo man nicht genau zeigen kann, wie es geht. Oder, wenn nötig, selber einspringen kann.“

„Ich vergesse oft die Zeit, wenn ich schneidere“, sagt Waltraud Beneke. Ihre eigene Nähmaschine stammt noch aus der Zeit, als sie beruflich an dem Gerät saß und ist daher eine so hochwertige Maschine, dass sie auch dünne Gardinenstoffe nähen kann. Ein Unterfangen, das mit herkömmlichen Basismodellen nicht zu realisieren sei, sagt Beneke. Manche Teilnehmerin habe sich aber genau das vorgenommen. Eine Lösung muss gefunden werden.

Oft genug gibt die Realität den Auftrag vor, wie es Beneke nach den eigenen Kindern nun bei den Enkelkindern geht: Reiß- und Klettverschlüsse gehen richtig oft kaputt und müssen repariert werden.

Süße Träume beschert der neue Schlafanzug.

Mittlerweile ist Waltraud Beneke versierte VHS-Dozentin. Ihr Rat an andere mögliche Dozenten: Ausprobieren, einfach mal versuchen. „Es ist ja mein Fachgebiet“, sagt Beneke. Natürlich habe sie Schmetterlinge im Bauch, vorher.

Ihr schönstes Lob? „Die bringt dir das auch schon bei“, habe eine Teilnehmerin zur verzweifelten anderen Teilnehmerin gesagt. Und: Eine Frau, einst als Anfängerin gestartet, ist nach Jahren immer noch mit Begeisterung an der Nähmaschine und in den Kursen.

Beneke hat weitere kreative Ideen, respektive Ideen für kreative Kurse. Ein reiner Teenie-Kursus fürs Nähen wäre denkbar. Beneke schränkt das sofort ein auf „Teenie plus Bezugsperson“. Denn: Man kann sich auch mit einer haushaltsüblichen Nähmaschine in die Finger nähen. Oder ein Kursus „Die eigene Garderobe aufpeppen“.

Was nicht geht, ist, dass ein Teil nicht fertig wird: Es darf keine „Ufos“ (unfertige Objekte) geben.

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