Schützenverein Sudwalde-Menninghausen legt Entscheidung in die Hände der Mitglieder

Feiern oder nicht feiern?

Ein ungewohnter Anblick seit zwei Jahren: die Majestäten eines Schützenvereins nach einem erfolgreichen Königsschießen mit ihrem „Gefolge“. In diesem Fall ist es der Hofstaat des Schützenvereins Sudwalde-Menninghausen mit Präsident Wolfgang Stubbe (links) und den Würdenträgern im Sommer 2019. Archiv
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Ein ungewohnter Anblick seit zwei Jahren: die Majestäten eines Schützenvereins nach einem erfolgreichen Königsschießen mit ihrem „Gefolge“. In diesem Fall ist es der Hofstaat des Schützenvereins Sudwalde-Menninghausen mit Präsident Wolfgang Stubbe (links) und den Würdenträgern im Sommer 2019. Archiv

Sudwalde – Mit oder ohne Königsschießen? Mit oder ohne Aufmarsch? Mit oder ohne Zeltgottesdienst? Mit oder ohne „Stimmung“? Schützenfest? Was war das noch mal? Mittendrin in diesen und anderen Fragen steckt derzeit der Schützenverein Sudwalde-Menninghausen.

Der Vorstand unter Präsident Wolfgang Stubbe ist in regen Gesprächen. Seit Wochen. Und uneins. „Riesen Diskussion.“ Ein bisschen schwankt die Stimmung, der Inzidenzwert ist nicht unerheblich für die Planung. Die Mehrheit ist dafür, einen „Schützentag“ für September zu planen, andere wiederum dagegen.

Die Mitglieder sollen entscheiden. Für Samstag, 3. Juli, ist eine Jahreshauptversammlung geplant, auf der die Mitglieder die Option Schützentag nicht nur besprechen, sondern einen Beschluss darüber fassen sollen. Los geht es um 16 Uhr im Außenbereich des Dorfgemeinschaftshauses.

Konkret geht es jetzt nicht mehr um ein mehrtägiges Fest mit Königsschießen, sondern um eine Feier für Mitglieder und Gäste. Eine Feier für das Schützenvolk, ein erstes Treffen seit dem Ausbruch der Pandemie.

Ein erstes Öffnen hin zu Normalität. Vorher hatte es keinen Termin des Vereins gegeben? „Doch, einen Schießabend im Oktober“, berichtet Wolfgang Stubbe. Man habe endlich mal wieder andere Leute sehen können.

Was klingt, als stünden die Schützen in den Startlöchern, um zum gewohnten Prozedere zurückzukehren, weist Stubbe vehement von dem Verein: „Das ist falsch. Es will keiner auf Teufel komm raus ein Schützenfest feiern“, betont der Präsident. Aber wenn die Inzidenz unter zehn liege, dann müsste doch ein Treffen irgendwie zu organisieren sein.

Manche Vereine haben das sportliche Schießen unter strikten Auflagen begonnen, das Gros aber hat die Schützenveranstaltungen komplett abgesagt. In einigen Vereinen regiert seit drei Jahren dieselbe Majestät. In anderen wurde zwischenzeitlich die Republik ausgerufen.

In pro oder contra „Sudwalder Schützentag“ lässt es sich vor allem nicht so leicht trennen, wenn manches Argument für beide Seiten gelten könnte. Beispiel Impfquote: 50 Prozent seien im September durchgeimpft. Das klingt einerseits doch gut, andererseits fehlen eben 50 Prozent.

Einerseits ist da der Wunsch des Vereins: „Wir wollen den Mitgliedern und dem Ort etwas bieten.“ Andererseits will man den Verein nicht negativ in die Schlagzeilen bringen, etwa als Grund für einen massenhaften Ausbruch an Covid-19-Erkrankungen.

Zum Konzept gehöre, dass die Veranstaltung kurzfristig abgesagt werden würde – wenn die Inzidenz auf über zehn ansteigt. Liege sie darunter, würden die die Bedingungen der „3Gs“ (Getestet, Geimpft, Genesen) und die Nachverfolgung mittels Kontaktdatenerfassung gelten. Außerdem sei eine Teststation vor Ort, das Gelände eingezäunt: „Damit sind wir eine geschlossene Gesellschaft“, erklärt Wolfgang Stubbe.

Auf der Contra-Seite werde argumentiert, dass die Schnelltests nicht sicher genug seien, die Delta-Variante so ansteckend sei, alle anderen sagen die Schützenveranstaltungen ab, das Impftempo sei rückläufig. Und: „Wer soll als Spaßbremse die Einhaltung aller Vorgaben überwachen?“

Seit dem 21. Mai 2020 ist der Schützenverein Sudwalde-Menninghausen ohne Schützenmajestät, an dem Tag hat Philip Friedrichs unter Wahrung der Hygienevorgaben die Insignien seiner Regentschaft – also vor allem die Königskette –  zurückgegeben und Präsident Stubbe die Republik ausgerufen.

Hatte man zunächst angedacht, dass unter den strengen Auflagen ein mehrtägiges Schützenfest, inklusive Zelt-Gottesdienst und Königsschießen, durchführbar sei, sieht die Planung jetzt nur noch einen Tag vor. Ohne Königsschießen. Eine Feier, die daher nicht als Schützenfest, sondern als „Schützentag“ in der Planung bezeichnet wird.

Eine ganz andere Hürde stellt es dar, einen Festwirt zu finden, der ziemlich flexibel auf die jeweiligen gelten Vorgaben und notwendigen Vorkehrungen reagieren kann. Bis hin zur kurzfristigen Absage, sollten die Corona-Infektionszahlen das notwendig machen.

Was sagt die Gemeinde? „Als Gemeinde sind wir weder dafür noch dagegen. Das steht uns nicht zu“, erklärt Bürgermeister Rainer Klusmann. Die Entscheidung treffe der Verein als Veranstalter. Doch Klusmann ist auch Privatmann und als solcher hat er seine eigene Meinung. Er würde darauf achten, dass die Veranstaltung eben auch morgens um 8 Uhr abgesagt werden kann, wenn die Zahlen das notwendig machen.

Wann soll der Schützentag stattfinden? „Am Samstag, 4. September“, erklärt Schützenchef Stubbe.

Von Sylvia Wendt

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