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Familie Brümmer in Affinghausen gibt Sonntag Einblick in die Landwirtschaft

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Von: Sylvia Wendt

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Familie Brümmer aus Affinghausen.
Familie Brümmer aus Affinghausen. © Ohrdes / Landvolk

Affinghausen – Haben die Kühe eigentlich Namen? Nein. Außer Gitte. Die älteste Kuh auf dem Hof Brümmer in Affinghausen genießt Sonderrechte und befindet sich aktuell „im Urlaub“. „Sie steht trocken“, erklärt Silja Brümmer. Und wer wissen will, was das bedeutet, kann Silja Brümmer persönlich fragen: Die Familie lädt ein für Sonntag, 19. Juni, zum „Tag des offenen Hofes“. Start ist um 10 Uhr mit einem Hofgottesdienst.

Wenn andere sagen: Was? 3 000 Gäste? Vielleicht mehr? Und dann abwinken, dann sagen Silja und Henning Brümmer: „Das machen wir.“ Henning Brümmer wollte immer schon dabei sein, freut sich darauf, den Besuchern zu zeigen, was sich hinter seiner Idee von traditioneller Landwirtschaft verbirgt. „Die Besucher sollen sehen, dass die Tiere hier Auslauf haben, genug Platz, Licht und Luft. Dass sie ein gutes Leben haben.“

Dafür arbeitet die Familie Hand in Hand mit ihrem Team, das irgendwie auch zur Familie gehört. Henning Brümmers Ziel ist, die Abläufe auf dem Hof mit Milchviehhaltung (420 Kühe und ihre Nachzucht) und Biogas in einen geschlossenen Kreislauf zu bringen. Futterreste, Gülle, Mist – „nichts ist wertlos“, heißt die Devise. Was ist sinnvoll? Die Frage ist Grundlage für Überlegungen. Etwa im Hinblick auf eine Kooperation mit Landwirtskollegen aus der Nachbarschaft in Sachen Biogas.

„Wir wollen vernünftig mit Tieren und Böden umgehen. Wir nutzen moderne Technik und Maschinen. Das ist alles kein Widerspruch“, sagt Brümmer. Sein Ziel: Nachhaltig wirtschaften – für die nächsten Generationen.

Thomas Heitmann, Heini Troue und Henning Brümmer (von links) beim Einsatz im Stall.
Thomas Heitmann, Heini Troue und Henning Brümmer (von links) beim Einsatz im Stall. © Silja Brümmer

Momentan sind Brümmers etwas brummig, weil zwar eigentlich täglich ein neues Kalb geboren wird. „Aber wir haben eine Flaute, was Kuhkälber angeht“, erklärt Silja Brümmer. Die liefern die Milch, die Brümmers ins nahe Asendorf zur Weiterverarbeitung bringen: Sauerrahmbutter, Sahne und Magermilch entstehen etwa, zu haben in den hiesigen Supermärkten. Als Direktvermarkter treten Brümmers nicht auf, haben aber am 19. Juni jede Menge Kollegen zu Gast, die sich mit einem Bauernmarkt präsentieren.

Einen Streichelzoo wird es, natürlich, nicht geben. Dafür aber eine Sitzecke, mit Blick auf den Kälberstand. Oder man schließt sich einer der Führungen an, die angeboten werden. Henning Brümmer und sein Biogaspartner Thomas Heitmann erklären den Hofbetrieb (13.30 und 15.30 Uhr) und die Biogasanlagen (12 und 14 Uhr). Der Landvolkverband als Partner der Familie Brümmer wird spezielle Hofführungen (11.30 und 15 Uhr) für die Kids im Alter von vier bis sieben Jahren anbieten, für die Kids von acht bis 14 wird eine Hofrallye (mit Gewinnspiel) vorbereitet. Wer sich im Melken üben möchte, kann das tun.

Und da merkt man schon, dass so ein „Tag des offenen Hofes“ jede Menge Helfer braucht: Familie Brümmer freut sich über Zusagen aus allen Bereichen in der Gemeinde. Ob zum Aufbau, als Parkplatzeinweiser – oder als Kuchenbäcker. Wer helfen möchte, für den findet sich garantiert eine Aufgabe. Noch Platz ist zum Beispiel auf der Kuchenbäckerliste. Die kann nicht allein „Seniorchefin“ Irene Brümmer, die wirklich gerne und viel backt, bestücken. Wer sich einbringen möchte, wendet sich an Familie Brümmer. Der Reinerlös der Veranstaltung fließt an die örtlichen Vereine, die die Familie am „Tag des offenen Hofes“ unterstützen.

Gabs eigentlich für Henning Brümmer auch den Gedanken, etwas anderes zu machen, als den Hof fortzuführen, der seit über 130 Jahren betrieben wird? „Ja klar, Alternativen hat es ausreichend gegeben“, sagt Henning Brümmer. Nach der Realschule habe er Abitur gemacht, Dienst bei der Bundeswehr und dann war er drei Wochen in der Lehre, als für ihn feststand: praktische Ausbildung ja, aber kein landwirtschaftliches Studium. Ihn trieb vielmehr die Frage um, wie aus einem kleinen Familienbetrieb ein Betrieb werden könnte, der gleich zwei Familien ernähren kann.

Zwischen fünf und sieben Prozent der Landwirte geben jährlich ihren Betrieb auf, erklärt Brümmer. Andere werden dadurch größer. Henning Brümmer hat 30 Jahre Berufserfahrung. Und kann einen ganz deutlichen Unterschied zu früher sofort benennen: „Das Organisieren und Dokumentieren, das heute verlangt wird, hat mit dem Berufsbild des Landwirtes, wie ich es gelernt habe, nichts mehr zu tun. Ich bin mehr Zeit im Büro, als mir lieb ist und wäre lieber auf Feld und Acker.“

„Mmmm“: Das Kuhkalb, geboren am 24. Mai auf dem Hof Brümmer, ist noch schüchtern.
„Mmmm“: Das Kuhkalb, geboren am 24. Mai auf dem Hof Brümmer, ist noch schüchtern. © Silja Brümmer

Moderne Landwirtschaft bedeutet auch, dass der Hof Brümmer online zu finden ist, Ehefrau Silja füttert den eigenen Instagram-Kanal fast täglich, ist auf dem Hof zur Stelle, wo sie gebraucht wird. Vielseitigkeit ist eine gute Eigenschaft.

Schwiegervater Heinrich etwa lebt das vor: „Der repariert alles und hat ein handwerkliches Geschick, das weit über da normale Maß hinaus geht.“

Über das normale Maß hinaus geht es oft auch mit der Wochenarbeitszeit. Wie steht es um die viel zitierte Work-Life-Balance? Im Schnitt komme sie auf etwa 60 Wochenstunden, sagt Silja Brümmer, bei Ehemann Henning seien es noch mehr. Und ja, diese Balance haben beide im Blick. Auszeiten, die muss man schon haben, sagen Silja und Henning Brümmer.

Infos und Kontakt

www.hof-bruemmer.de (Homepage mit Imagefilm), Instagram: der_bruemmerhof, Tel. 0 42 47 / 3 23, E-Mail: henningbruemmer@web.de, Adresse: Hof Brümmer, Bokeler Straße 35, 27257 Affinghausen

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