„KulturGut Ehrenburg“: „Legendentag“

Euphorischer Beifall für die Erben der Scherben

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Funky K. Götzner, Tobias Hacker alias Gymmick und Kai Sichtermann gestalteten den Konzertabend im Gasthaus Kastens – ein gelungener Start der zehnten „KulturGut“-Saison.

Schmalförden - Von Martina Kurth-Schumacher. Der Traum von einer besseren Welt ist immerwährend, die Songs von Rio Reiser unvergänglich. Beim Konzertabend am Samstag im Gasthaus Kastens wurde beides greifbar: Kai Sichtermann, Funky K. Götzner und der Sänger Gymmick verhalfen der Musik und dem Zeitgeist der 1970er und 1980er zu einem Revival. Und dem Publikum zu einer wahren Sternstunde.

„Ton Steine Scherben“ waren seinerzeit Botschafter für soziale Gerechtigkeit und Toleranz. Kai Sichermann und Funky K. Götzner gehören zur Urbesetzung. Sie gaben den Groove für die Songs, die Tobias Hacker alias Gymmick (Gesang, Gitarre, Piano) interpretierte: unvergängliche Hits wie „Macht kaputt, was euch kaputt macht“, „Menschenfresser“, „Wir müssen hier raus“ oder „Keine Macht für niemand“.

Ex-Mitglied erst im Publikum, dann auf der Bühne

Die Erben der Scherben haben nichts verlernt. Kai Sichtermann lieferte still und behände die Bass-Basics, Funky Götzner auf dem Cachon die treibenden Rhythmen – beide souverän und angenehm unaufgeregt.

Mit dem Nürnberger Songpoeten Gymmick, der die Rio-Songs authentisch und respektvoll interpretierte, hatten sie einen Frontmann mit Herz, Geist und Stimme an ihrer Seite. „Ich bin immer gerührt zu sehen, dass die Musik die Leute auch heute noch erreicht“, sagte Funky Götzner. Die akustische Version gefalle ihm persönlich fast besser als die frühere Acht-Mann-Besetzung: „Die Songs haben trotzdem vollen Sound. Und sie kriegen sehr viel Wärme. Man kommt atmosphärisch schnell an den entscheidenden Herzpunkt.“

Nach wie vor ist die Band für Überraschungen gut. Tourbegleiterin Tini gestaltete mit drei Songs das Vorprogramm, nach der Pause erklomm ein Zuschauer aus Bremen spontan die Bühne. Nikel Pallat (*1945), von 1970 bis 1978 Sänger, Saxofonist und Manager der „Scherben“, bewies unter anderem mit dem Stück „Guten Morgen“, dass er weder Stimme noch Spirit eingebüßt hat.

Die Axt in der Talkshow

Das Trio freute sich über die unerwartete Verstärkung – nicht ohne verschmitzt den Hinweis zu geben, dass Nikel derjenige war, der 1971 in einer WDR-Talkshow zum Thema „Musik zwischen Protest und Markt“ mit einer Axt den Tisch zu zertrümmern versuchte: Es war einer der schrillsten Momente der Fernsehgeschichte.

„Viele Lieder sind zeitlos. Eigentlich traurig, dass es so ist“, sagte Gymmick. Sozialkritische Scherben-Songs wie „Mein Name ist Mensch“ (1971) oder „Alles Lüge“ und der Hit „König von Deutschland“ vom Rio Reiser Solo-Debütalbum (1986) sind beklemmend aktuell. Viele Zuhörer konnten die Texte mitsingen – abgesehen von den aktualisierten Passagen, die dem Konzertabend eine besondere Note gaben.

Funky K. Götzner (vorne) mit Nikel Pallat.

„Für uns war’s wunderbar, für euch hoffentlich schön“, verabschiedete sich Gymmick im Namen der Band von den 130 Zuhörern. Diese hätten die Zeitreise gern noch einmal verlängert, aber nach drei Stunden und der allerletzten Zugabe „Junimond“ war endgültig Schluss.

Bernd Kramer entließ die Musiker-Legenden Samstagabend mit einem herzlichen Dank der Veranstalter und einem „Biokäse-Oscar“ in den Feierabend. Ein gelungener Start der zehnten „KulturGut“-Saison, der dem restlos begeisterten Publikum dann auch einen Hauch von „Zauberland“ vermittelte. 

mks

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