Einsatz in Malawi: Jugendliche der Reisenden Werkschule Scholen bauen an einem Schulgebäude mit

„Die Leute sind arm – aber glücklich“

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Die Gruppe aus der Reisenden Werkschule Scholen mit Handwerkern und Gastgebern.

Scholen - Das Schild am neuen Schulgebäude gibt Aufschluss auf die Bauherren: Dorfbewohner aus „Chilinda village“ und „teachers and students of travelling workschool Germany“ haben es in einem zehnwöchigen Workshop errichtet, Geldgeber sind die Umweltstiftung Bingo und die „Stiftung Umverteilen“. Anfang September war eine Gruppe von zwölf Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 18 Jahren und acht Pädagogen der Reisenden Werkschule Scholen (RWS) nach Malawi aufgebrochen. Das Engagement in Afrika ist Bestandteil des Konzepts der stationären Jugendhilfeeinrichtung, die Schulverweigerern und sozial auffälligen jungen Menschen im Rahmen eines zweijährigen Kurses den Erwerb des Haupt- oder Realschulabschlusses ermöglicht.

„Wir hatten eine tolle Zeit“, resümieren Lydia Malcherek (14) und Sebastian Bröker (18). Ihre Vorstellung, in ein „Land mit traurigen Menschen“ zu kommen, hätten sie gleich zu Beginn gerade rücken müssen. „Wir haben schnell festgestellt: Die Leute sind arm, aber glücklich.“

Die eine oder andere Annehmlichkeit hätten sie schon vermisst, räumen Lydia und Bastian ein: „Wenn man mit eiskaltem Brunnenwasser ‚duschen‘ oder mal zwei Tage ohne Strom auskommen muss, merkt man: Wir haben es in Deutschland richtig gut, wir leben voll im Luxus.“ Diese Erfahrungen sind ebenso Teil ihrer Positiv-Bilanz wie „viele neue Freunde und deutlich verbesserte Englischkenntnisse“.

Die RWS hatte für das Bauprojekt 30 afrikanische Facharbeiter engagiert, Jugendliche und Pädagogen waren als Handlanger im Einsatz. „Steine kratzen und Sand sieben bei 50 Grad – das war schwere Arbeit“, sagt Lydia. „Wir durften sogar mauern und verputzen. Die Arbeitsprozesse sind einfach, man kommt schnell rein“, ergänzt Bastian. „Die Jugendlichen dieses Jahrgangs waren sehr motiviert, und das trotz der extremen klimatischen Bedingungen“, betont Evelyn Seyfried, pädagogische Leiterin der RWS. Als Belohnung für alle, die zuverlässig und regelmäßig ihren Dienst verrichtet hatten, wurden an den Wochenenden Exkursionen angeboten.

Zur Einweihung der neuen Schule reiste auch der malawische Erziehungsminister Benedicto Chambo an. Er lud die Gruppe ein, auf der Rückreise bei ihm Station zu machen. „Er spendierte Cola und Bananen“, erzählen die Jugendlichen stolz. Mit der Fertigstellung des dritten Schulgebäudes in Chilinda – rechtzeitig vor Beginn der Regenzeit – können jetzt 1200 Schüler „indoor“ unterrichtet werden. In zwei Jahren werde die RWS hier voraussichtlich ihre Aufgabe fortführen, sagt Evelyn Seyfried: „Die Bewohner wünschen sich ein viertes Gebäude, damit Unterricht über den Grundschulbereich hinaus möglich ist.“

„Während der Vorbereitungen fragen wir uns oft: Warum machen wir das? Wenn wir zurück sind, wissen wir es wieder!“ Der Arbeitseinsatz sei organisatorisch, logistisch und finanziell ein „ganz großes Ding“, sagt Evelyn Seyfried, hinzu komme die große Verantwortung für die Gruppe. Dennoch lohne sich der Aufwand: Für die Menschen in Malawi, aber auch für die Gruppe der deutschen „Gastarbeiter“, die „Nachhilfe“ in puncto Herzlichkeit und Improvisationsvermögen bekamen. Nachhaltig seien für sie Erfahrungen, dass man gemeinsam vieles schafft, dass Pläne selten funktionieren und dass es für jedes Problem eine Lösung gibt.

mks

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