Scholen: Grundschüler sammeln Rekordsumme für namibisches Patenkind

Ein Weihnachtsgeschenk für Leonie

Eine Rekordspende haben die Schüler der Grundschule Scholen/Sudwalde für ihr Patenkind erarbeitet. Über 1600 Euro überreichten Schulleiterin Renate Mohrmann (links) und Koordinatorin Christine Hoppe an Arthur Rohlfing.
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Eine Rekordspende haben die Schüler der Grundschule Scholen/Sudwalde für ihr Patenkind erarbeitet. Über 1600 Euro überreichten Schulleiterin Renate Mohrmann (links) und Koordinatorin Christine Hoppe an Arthur Rohlfing.

Scholen – Was die Covid-Mutante Omikron mit der Drei-Freunde-Grundschule Scholen/Sudwalde zu tun hat? Leonie, Schülerin der Rehoboth Primary School (eine von vier Grundschulen und vier weiterführenden Schulen, die das Sonnenkinderprojekt Namibia unterstützt), ist davon betroffen.

Das von Arthur Rohlfing ins Leben gerufene Sonnenkinderprojekt pausiert nicht in der Pandemie, im Gegenteil: Es ist wichtiger denn je. „Die Reisewarnung der EU für Südafrika würde letztlich nicht nur Südafrika und seinen Tourismus berühren, sondern auch Namibia und Botswana“, erklärt Rohlfing. In einem Land, das abhängig vom Tourismus sei, bedeute das: Keine Einnahmen – und treffe damit auch die Kinder, um die sich das Sonnenkinderprojekt kümmert.

Damit wird die Unterstützung durch den Verein mit Sitz in Schwaförden wichtiger denn je. Und das Engagement, das die Schülerinnen und Schüler der Grundschule Scholen mit Außenstelle Sudwalde an den Tag legen, bekommt eine größere Bedeutung als ohnehin bereits.

„Jedes Jahr in den Herbstferien werden die Schülerinnen und Schüler sehr aktiv. Sie sammeln Spenden für ihr namibisches Patenkind Leonie. In diesem Jahr waren sie besonders erfolgreich“, berichtet Lehrerin Christine Hoppe stolz.

Leonie Rheens ist das aktuelle Patenkind in Namibia.

Sie organisiert die Aktionen rund um die Patenschaft, denn die Grundschule ist seit vielen Jahren Partnerschule des Sonnenkinderprojekts. „Gemeinsam sorgen alle Kinder dafür, dass Leonie die Rehoboth Primary School in Namibia besuchen kann und mit dem Notwendigen versorgt ist.“

Und dafür „arbeiten“ die Grundschüler. „In jedem Herbst sammeln sie Spenden für ihr Patenkind, sie führen kleinere Tätigkeiten aus und erhalten dafür eine kleine Geldsumme“, erklärt Hoppe. „Es ist uns an der Schule enorm wichtig, dass unsere Schülerinnen und Schüler lernen, etwas abzugeben und für jemanden zu sorgen, dem es nicht so gut geht wie ihnen. Sie lernen über den Tellerrand zu schauen.“

Und deshalb steht ab sofort auch „Afrika“ auf dem Stundenplan: „Um die Patenschaft noch stärker in der Drei-Freunde-Grundschule zu verankern, findet ab diesem Jahr in allen Klassen zwei Wochen vor den Herbstferien ein Projekttag statt.“ Das Konzept haben Christina Hoppe und ein kleines Team erarbeitet. Das Ziel: Einen Tag lang beschäftigen sich alle Klassen mit einem jahrgangsbezogenen Thema.

Die 1. Klassen lernen die Tiere Afrikas kennen, die 2. Klassen erkunden das Leben und Wohnen in Afrika. Im 3. Jahrgang ist das Hauptthema das Sonnenkinderprojekt sowie Schule und Lernen in Afrika. „Fester Bestandteil ist der Besuch des Gründers des Sonnenkinderprojekts, Arthur Rohlfing, der in den Klassen Fragen beantwortet und das Projekt erklärt“, erklärt Hoppe. Die 4. Klassen beschäftigen sich mit der afrikanischen Landschaft, den Pflanzen und dem Klima. „Nach vier Jahren Grundschule haben alle dann Kinder jedes Thema einmal behandelt und Afrika etwas besser kennengelernt.“

Ergänzt werde der Projekttag um kindgerechte Powerpoint-Präsentation über Namibia, über Leonies Lebensbedingungen, ihre Schule und das Sonnenkinderprojekt Namibia. „Hier staunen die Kinder über die Bilder, die sie sehen, und bekommen einen näheren Bezug zu dem, was sie in den Ferien für Leonie tun.“

In den Herbstferien seien die Kinder deshalb besonders motiviert gewesen, Spenden für Leonie zu sammeln: Sie halfen im Haushalt und im Garten, bei Nachbarn oder Großeltern, harkten Laub, räumten auf, putzten Fenster, Autos und Fahrräder, halfen bei Renovierungen und im Stall. Die Kinder seien sehr kreativ und ideenreich gewesen, hätten Steine bemalt, Muffins gebacken, Bügelperlenbilder angefertigt und Kastanienspinnen gebaut und verkauft. „Es gab sogar Kinder, die ein Teil ihres Ersparten spendeten“, berichtet Hoppe.

Die Kinder waren so fleißig und kreativ – sie übertrafen das bisherige Rekordergebnis (1 100 Euro) von 2020. 1 611,71 Euro nahm Arthur Rohlfing in Empfang: „„Ich bin platt.“ Laut Rohlfing soll von dem Geld neue Kleidung für Leonie gekauft und die Familie mit einem Lebensmittelpaket versorgt werden. Dank der großen Hilfe von der „Drei-Freunde-Grundschule“ Scholen-Sudwalde, werde Leonie ein schönes Weihnachtsfest haben, dürfe sich ein Spielzeug zu Weihnachten wünschen.

Die Schüler in Scholen und Sudwalde werden im neuen Jahr von Vertrauenslehrerin Tracy van Wyk informiert, wie ihr Patenkind Leonie das Weihnachtsfest erlebt hat.

Über die aktuelle Hilfe durch das Sonnenkinderprojekt Namibia

„Die Angst ist ja verständlich, aber wenn kein Tourismus stattfindet, dann werden die Menschen arbeitslos“, erklärt Arthur Rohlfing die aktuell prekäre Lage in Namibia. Die Schüler wechseln derzeit in die Sommerferien, Tage früher, als geplant.

Am 12. Januar soll es wieder losgehen mit der Schule. Aber wie? Momentan gebe es etwa Schwierigkeiten mit den Prüfungen der Elftklässler: Die bekämen erst im Februar das Ergebnis, ob sie in die 12. Klasse wechseln können. „Und wir wissen damit nicht, wie viele Schüler wir weiterhin unterstützen“, erklärt Rohlfing. An den Standorten in Windhoek, Rehoboth und Swakopmund unterhält das Sonnenkinderprojekt aktuell 317 Patenschaften.

„Zum Jahresende werden 55 Patenkinder unsere Schulen verlassen. Mit Abitur 26 Patenkinder, mit Primary School Abschluss 20 Patenkinder. Durch Umzug und Schulwechsel scheiden neun Patenkinder aus dem Sonnenkinderprojekt aus. In diesem Jahr wurden 85 Patenkinder in eine neue Patenschaft vermittelt“, berichtet Rohlfing.

Der 73-Jährige ist sonst einmal im Jahr vor Ort, hat für März 2022 erneut alles vorbereitet. Die EU hat Namibia als Mutantengebiet eingestuft, alle Reisenden aus dem Gebiet müssen sich nach der Rückkehr nach Deutschland für 14 Tage in Quarantäne begeben. „Welcher Tourist macht denn das?“ fragt Rohlfing. Für das Team des Sonnenkinderprojektes sei jetzt wichtig, Lebensmittelspenden in die Familien zu bringen. Dank der Spender des Vereins konnten neben Lebensmitteln (in Höhe von 14 600 Euro) auch Schulgeld und notwendige Investitionen in Höhe von 68 350 Euro in diesem Jahr an den Schulen gezahlt werden.

Fast ein Fünftel aller Namibier sind nach Regierungsangaben von Lebensmittelspenden abhängig, zitiert Arthur Rohlfing aus aktuellen Nachrichten. Zwar sei bei der Anzahl der Betroffenen in den vergangenen fünf Jahren ein deutlicher Rückgang vermeldet worden, doch noch immer gelten 30 Prozent der Bevölkerung als unterernährt.

Von Sylvia Wendt

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