Treffpunkt „Becks‘s Baum“ in Affinghausen

„Du bist hier nicht lange allein“

Die neue „Beck’s Hütte“ in Affinghausen, hier mit Jürgen Köberlein, Tom Strauß und Ulf Kohröde (von links).
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Die neue „Beck’s Hütte“ in Affinghausen, hier mit Jürgen Köberlein, Tom Strauß und Ulf Kohröde (von links).

Affinghausen – Soviel vorweg: Warum der „Beck’s Baum“ „Beck’s Baum“ heißt, das können weder Tom Strauß, 22 Jahre, noch Ulf Kohröde, 42 Jahre, oder Jürgen Köberlein, 64 Jahre, erklären. Alle drei aber sagen unisono: „Das war schon immer so.“ Der Treffpunkt „Beck’s Baum“ in Affinghausen hat einen ganz besonderen Status, auch darin sind sich alle drei einig. Das Gespräch vor Ort wird durch ständiges Grüßen der Passanten unterbrochen.

Das Grüßen belegt die Aussage der drei Herren: Die Hütte ist der Treffpunkt im Ort. Also um wenige Meter noch im Ort gelegen, kurz vor dem Ortsausgang an der Straße nach Sudwalde. Hier kommen alle irgendwann am Tag vorbei. Wer nicht allein zuhause auf dem Sofa sitzen möchte, fährt hier her.

Runter vom Sofa

Irgendwer sei immer da und wenn nicht, gibt es die WhatsApp-Gruppe mit 27 Personen, die ihrerseits die Nachricht weiterleiten. Dann kommt vorbei, wer Lust hat. Und es geht dabei oft genug quer durch alle Altersgruppen, wer letztlich aufschlägt.

Es sei „immer schon“ ein Treffpunkt für junge Leute gewesen, die ein Bierchen trinken wollten, aber nicht vor den Eltern, berichtet Ulf Kohröde. Es sei weniger darum gegangen, dass die das nicht mitkriegen, vielmehr sollten nicht immer die privaten Gärten als Treffpunkte herhalten müssen.

„Beck’s Baum Boys“ und Lieferdienst

Erinnerungen an die „Beck’s Baum Boys“ werden laut, der Zusammenschluss von Jungs in den 1980er/1990er Jahren, die als Team bei Thekenmannschaftsturnieren angetreten sind. Zu Zeiten, als „Beck’s Baum“ sogar als Lieferadresse beim Pizzabringdienst eine bekannte Größe war.

Da standen noch alle drei Kastanien. Der Affinghäuser Ortstreff „Beck’s Baum“ im Jahr 2016.

Die heutige Hütte ist so neu, dass sie noch gar nicht offiziell eingeweiht wurde. Von den ursprünglichen drei Kastanien, die hier allen unter ihnen ein Dach gaben, steht nur noch eine, die anderen beiden waren abgängig, wurden im Herbst 2019 gefällt. Die Plastikbänke darunter waren wenig einladend, der Betontisch auch nicht schön. „Das war alles renovierungsbedürftig“, sagt Tom Strauß. „Und so musste ja wieder ein Dach her für den Dorftreff“, erklärt Bürgermeister Jürgen Köberlein. Für den Gemeinderat war klar: Die Materialkosten für ein Bauwerk, das sollte die Gemeinde durchaus übernehmen. Für die Arbeiten fanden sich reichlich Freiwillige.

Zwei Kastanien müssen gefällt werden

Allerdings: Die großen Stumpen aus dem Boden zu kriegen war eine besondere Herausforderung. Tom Strauß erinnert, dass es Tagespläne gegeben habe, um die Arbeitsabläufe festzusetzen. Nix habe abgehakt werden können, schließlich sei man los, habe im Ort bei Wilhelm Dove geeignetes technisches Gerät ausleihen dürfen.

Die Planungen für die Hütte sind solide, samt Baugenehmigung und technischer Zeichnung. Die Pflasterfläche ist gerade fertig, da geht es in den Lockdown. „Die Arbeiten haben gestockt, weil wir nicht riskieren wollten, zu viele Helfer zusammenzubringen“, sagt Strauß.

Abwechselnd zur „Streich-Schicht“

Im März 2020 sind aber die Holzteile bereits gefertigt und benötigen Lasur. Sie werden zwischengelagert und wer Zeit hat, streicht. Immer abwechselnd: „Jeder hat mal eine Schicht geschoben“, sagt Ulf Kohröde. Die Zeichnung hat Zimmermann Frank Logemann gefertigt, er ist beschäftigt im Asendorfer Betrieb von Dachdecker Hauke Logemann und Zwillingsbruder von Fred Logemann, der wiederum in Affinghausen wohnt. Womit der Bezug zum Ort hergestellt ist. Wer was gemacht, seine berufliche Expertise eingebracht und gesponsert hat, ist wieder so ein Beleg für die funktionierende „im Dorf kennt man sich oder kennt jemanden, der jemanden kennt“-Kette.

Fred Logemann, Hauke Logemann und die Gemeinde teilen sich die Kosten für die Schieferbedachung zu gleichen Teilen. Im Juni 2020 kommen die Bänke. „Tische und Bänke stammen aus einer anderen Baumaßnahme. 2018 wurde die Feldstraße saniert, Tisch und Bänke waren damals falsch geliefert“, erinnert Köberlein.

Mit Station für Rad-Luftpumpe

Hierher passt das Ensemble nun. Den grünen Mülleimer hat Tom Strauß’ Vater Peter gefunden und eine Station für eine Fahrrad-Luftpumpe eingerichtet – die Station ist auch in der Übersicht für Radler notiert. Ein Geocache ist versteckt, das Tom Strauß als Beleg auch ohne die App aus dem Versteck befördert.

Die Pflasterarbeiten waren gerade beendet, da ging es in den Lockdown und der weitere Ablauf stockte.

Die Sichtschutzwände, eine Spende von Alwin Bodenstab aus Affinghausen, dienen dazu, den Aufenthaltsbereich vor zu starken Winden aus Nordwest zu schützen. Und eine Rundbank, die um die einzige noch verbliebene Kastanie aufgestellt werden könnte, stehe noch bereit. Spontane Aufbauhelfer zu finden, wird nicht schwer, jeder bringe sich nach seinen Fähigkeiten ein.

Angenommen wird die Hütte sehr gut: Es liegen keine Kippen auf dem Boden, auch auswärtige Radler sind begeistert von der Ausführung, die Fußballer treffen sich, bevor es zum Spiel geht. „Du bist hier nicht lange allein“, sagt Ulf Kohröde, hebt die Hand: „Moin.“

Die offizielle Einweihung soll folgen, wenn eine offizielle Einweihung durchführbar ist, kündigt Bürgermeister Köberlein an.

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