Heidi und Hermann Rohlfs feiern diamantene Hochzeit

Der letzte Bäcker in Scholen

Ihren 60. Hochzeitstag feiern am Donnerstag Heidi und Hermann Rohlfs.
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Ihren 60. Hochzeitstag feiern am Donnerstag Heidi und Hermann Rohlfs.

Scholen – „Die letzten zehn Jahre sind wie im Flug vergangen“, sagt Heidi Rohlfs. „Eben“ goldene Hochzeit gefeiert, von der die Teilnehmer heute noch schwärmen, wird am Donnerstag das diamantene Jubiläum mit Ehemann Hermann, Familie und Gästen begangen.

Und dann wird doch deutlich, dass sich viel getan hat in den zurückliegenden Jahren. Nicht nur die Pandemie erfordert ein anderes Szenario, auch die Gesundheit hat gelitten. Mehrere Operationen hat Heidi Rohlfs meistern müssen, aber das stellen beide Jubilare nicht in den Vordergrund.

Der Blick zurück zaubert ein Lächeln auf beider Lippen: Kennengelernt haben sich Heidi Hellmig (offiziell heißt sie Adelheid, aber so nennt sie seit Kindertagen niemand) und Hermann Rohlfs in Blockwinkel. Heidi war im Haushalt der Familie Winkelmann/Harms beschäftigt und Hermann fuhr Backwaren aus, zwei Mal in der Woche. Irgendwann 1960 fasst er sich ein Herz und fragt: „Kommst Du mit mir ins Kino?“ Heidi sagt zu. Und nicht nur für den einen Kinobesuch: Das Paar heiratet am 4. November 1961. Das ging schnell. „Ja, warum denn warten?“ fragt Heidi Rohlfs heute und lacht herzhaft, Ehemann Hermann ebenso. „Sonst hätten wir die 60 Jahre wohl kaum geschafft“, ergänzt die Jubilarin.

Sie stammt aus Westpreußen, aus Klein Bellschwitz, wird dort im Juni 1941 geboren und ist dreieinhalb Jahre alt, als sie mit Schwester, Mutter, Oma und Opa 1945 flüchtet. Nein, sie könne sich nicht an viel erinnern, die Gruppe sei über die Oder gefahren, die gefroren gewesen sei, aber eines der Fahrzeuge sei eingebrochen. „Opa hat mich warm gehalten“, weiß Heidi Rohlfs noch heute über die sechs Wochen andauernde Flucht. Mutter und beide Kinder kommen nach Schleswig-Holstein, werden von Oma und Opa getrennt. Warum, ist unbekannt. Ein halbes Jahr bleiben die drei in Flethsee. Der Vater ist in Gefangenschaft, nach einem halben Jahr ziehen Mutter und Töchter um, nach Wesenstedt, zur Familie Tonne, wo bereits Oma und Opa untergebracht sind. Eine Weile später erfolgt der Umzug der Familie in ein Häuslingshaus der Familie Riesenberg in Schmalförden, dann ins ehemalige Pastorenhaus.

Hermann Rohlfs stammt aus einer Bäckerfamilie: 1910 hatte der Großvater, Bäcker in Weseloh, das Haus in Scholen gekauft, eine Backstube eingerichtet. Auch dessen Sohn wird Bäcker. Hermann Rohlfs, im Oktober 1940 geboren, hat kaum Erinnerungen an den Vater, der in Gefangenschaft stirbt. Seine Mutter führt die Backstube mit Unterstützung eines Meisters weiter. Sohn Hermann lernt bei Bäcker Voss-Döring in Sulingen, arbeitet als Geselle in Bremen, kommt zurück nach Scholen, um ab dem 1. Januar 1959 den Familienbetrieb zu übernehmen. Das bedeutete damals, um 3 Uhr aufzustehen – außer freitags, da bereits um 23 Uhr, dann arbeiten bis samstags um 4 Uhr. Per Verkaufswagen kommen die Backwaren auf den Tisch der Kunden. In Blockwinkel findet Hermann Rohlfs seine Frau, das Paar stemmt Backstube und Ladengeschäft in Scholen gemeinsam, bekommt vier Kinder: Auf zwei Jungs folgen zwei Mädchen. Zwei der Kinder wohnen heute in Scholen, eines in Nechtelsen, eines in Sulingen. Vier Enkelkinder komplettieren die Familie. Beide Jungs hatten auch Bäcker gelernt, doch bei dem einen wird eine Mehl-Allergie festgestellt, er muss beruflich umsatteln, der andere bleibt der Backstube fern nach der Bundeswehrzeit. Familie Rohlfs schließt die Backstube in Scholen im Jahr 2000. Wo einst der Backofen stand, ist heute ein Badezimmer.

Das Paar wollte den Ruhestand mit Reisen verbringen, Mittenwald war ihr zweites Zuhause. Die Berge hatten es ihnen angetan, die See war nie ihres. Heidi Rolfs ist aktiv im DRK und im Schützenverein, Hermann Rohlfs in der Feuerwehr, dem Schützen- und dem Heimatverein. Die alte Backstube war im Heimatmuseum in Sulingen aufgebaut. Das Tourenfahren hat Hermann Rohlfs jahrelang weitergemacht, mit Backwaren der Wehrblecker Bäckerei Speckmann. Noch heute holt er für eine große Gruppe an Scholenern einmal im Monat Backwaren aus Wehrbleck, backt die Lieblingskuchen, wenn Besuch kommt – und holt jeden Samstag Brötchen für sich und Freunde. Danach geht es an die geliebten Kreuzworträtsel, während Heidi Rohlfs einen Schmöker aufschlägt und gerne in historische Familiengeschichten eintaucht.

Von Sylvia Wendt

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