Atelierhof „Scholen 53“: Künstlerinnen inmitten einer Pandemie – was bleibt auf der Strecke?

„Dann kam auch die Kreativität wieder“

In der Galerie auf dem Atelierhof „Scholen 53“: Sabine Kratzer (links) und Sabine Rasper.
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In der Galerie auf dem Atelierhof „Scholen 53“: Sabine Kratzer (links) und Sabine Rasper.

Scholen – Wann hat man das schon: das Atelier gleich zweier Künstlerinnen exklusiv für sich, plaudern über Ton, Porzellan und Keramikkunst oder Buchbindegeheimnisse und Sonderdrucke. Das Konzept, mit dem Sabine Kratzer und Buchbinderin Sabine Rasper zur Adventsausstellung in die Galerie auf den Atelierhof „Scholen 53“ eingeladen hatten, kam sehr gut an. Trotz der Hürden, die Besucher überwinden mussten, mit Anrufen oder E-Mails und dem Buchen einer festen Zeit an einem festen Tag. Mit dem neuerlichen Lockdown ist auch die Adventsausstellung mit Gastkünstlern in den Räumen in Scholen ab Dienstagabend offiziell beendet.

Bei allem, was aktuell eingeschränkt oder gar nicht möglich ist: Was macht das mit Künstlern? Nimmt es ihnen die Kreativität? Was bleibt auf der Strecke? Gibt es auch etwas Positives in solch einer Situation?

Kratzer: „Musste erst mal in den Garten“

Keramikerin Sabine Kratzer gibt zu: „Der erste Lockdown im März kam ja an einem Freitag. Am Wochenende sollte ich einen Workshop leiten, der war ausgebucht, wurde abgesagt. Ich war wie in einer Schockstarre, weil nach und nach alles, wirklich alles abgesagt wurde. Ich musste erst mal in den Garten.“

Wenn Sabine Kratzer von Garten spricht, dann meint sie nicht nur den eigentlichen privaten Garten, sondern auch den Heilpflanzengarten direkt nebenan, den sie initiiert hat und betreut mit Helfern eines eigens gegründeten Trägervereins. So sei sie „erst mal wieder in Gang“ gekommen. „Dann kam auch die Kreativität wieder“, schildert Kratzer.

Ein Unikat mit besonderem Einband von Sabine Rasper.

Buchbindemeisterin Sabine Rasper hat ähnlich empfunden: Nach dem ersten Schock habe sie spontane Dinge in Angriff genommen. Und letztlich seitdem immer wieder neue Themen angefangen, neue Projekte umgesetzt. Darunter solche, die sie vorher noch nie gemacht hatte: „Ich habe Möglichkeiten genutzt. Ich bin niemand, der verzagt. Sondern jemand, der auch nach neuen Wegen sucht.“ Einer, den sie gefunden habe, wie andere Kunsthandwerker auch, ist der Verkauf von Produkten über eine Online-Plattform. Adressbücher, Einbände, Notizhefte: Dinge, die im Versand weniger empfindlich sind, als die filigranen Porzellan-Kunstwerke von Sabine Kratzer. Die das bestätigt: „Der Postversand kommt für mich kaum in Frage.“

Rasper: „Zeit, um Neues auszuprobieren“

„Ich probiere gerne aus. Ob es dann was bringt, sehe ich dann“, sagt Rasper, die die Online-Plattform allerdings wieder verlassen hat. Stattdessen laden beide Künstlerinnen ein auf ihre Homepage (www.scholen53.de).

Tatsächlich scheint es so, dass Kratzer und Rasper, seit Jahrzehnten schon mit ihren jeweiligen Kunstformen selbstständig, mit einer plötzlichen beruflichen Ungewissheit schon öfters konfrontiert waren. Ideen entwickeln mussten und gucken, ob dieser oder jener Weg vielleicht Erfolg verspricht.

Sabine Rasper berichtet, dass sie es erstmals in diesem Jahr geschafft habe, gleich zwei Sondereditionen zu konzipieren. Eine davon zusammen mit ihrem Ehemann, Burkard Meyendriesch, der die grafische Seite des Drucks verantwortete. Ein Radiointerview im Sommer und die Sommerausstellung mit dem erfolgreichen Konzept, der vorherigen Anmeldung: „Das hat uns viele neue Gäste nach Scholen gebracht. Kunden, die wirklich Interesse hatten. Die Gespräche waren wunderbar: Viele Besucher waren dankbar, dass überhaupt etwas stattfand, wie jetzt auch“, berichtet Sabine Rasper.

Viele seien gezielt zur Ausstellung gekommen, seien „wie ausgehungert“ nach schönen Dingen. „Und sie haben das Zeitfenster, das sie gebucht hatten, auch komplett ausgenutzt“, stellt Sabine Kratzer fest. Mancher sei ein zweites Mal auf den Atelierhof gekommen.

Filigranes Porzellan von Sabine Kratzer.

Das klingt nach mehr: „Ja, ich hoffe, dass sich der Blick auf Kunst und Kunsthandwerk ändert“, sagt Kratzer. Wertschätzung sei das Stichwort: Die Besucher hätten das Angebot der Ausstellung, mit Werken von Gastkünstlern, sehr zu schätzen gewusst, die Qualität der Arbeiten anerkannt.

Die sechs Wochen andauernde Sommerausstellung sei durchaus anstrengend gewesen, obwohl sich die beiden Künstlerinnen als Gastgeberinnen im Zwei-Stunden-Rhythmus abgewechselt hatten: „Wir hoffen, dass alles Früchte trägt.“ Dennoch müsse man als selbstständige Künstlerin aktiv bleiben: „Ich kann nicht dasitzen und ogottogott rufen. Ich muss was tun“, sagt Sabine Rasper. Und auch Sabine Kratzer sucht nach Möglichkeiten: „Viele Workshops sind ausgefallen, die Leute sind wie ausgehungert und ich werde überrannt mit Anfragen.“ Auch künftig gelte, dass Interessenten gerne telefonisch oder per E-Mail fragen können, welche aktuellen Optionen möglich sind. Was sie vermisse, sei der Kontakt: „Die Distanz ist ganz schlimm“, sagt Sabine Rasper. Umarmungen von guten Freunden, menschliche Nähe fehle einfach: Ihr Sohn wohne in Nordrhein-Westfalen und den habe sie bereits Monate nicht gesehen. Sie blickt dennoch optimistisch nach vorn. „Letztlich leben wir hier doch auf der Insel der Seligen: Es ist ein Glück, hier auf dem Land, mit anderthalb Hektar drumherum. Hier können wir jederzeit vor die Tür gehen, ohne Maske.“

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