Burkard Meyendriesch pilgert von Scholen nach Santiago de Compostela

Es sind Millionen Schritte

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Bereits 2010 pilgerte Burkard Meyendriesch auf dem „Camino Real“, wo dieses Foto entstand.

Scholen - Man darf sich von den schieren Zahlen nicht entmutigen lassen. 3200 Kilometer, so der veranschlagte Fußweg von Scholen nach Santiago de Compostela im Norden Spaniens – das sind gut 3,5 Millionen Schritte auf dem „Camino Real“ bis ans Ziel für Burkard Meyendriesch. Doch der Mann ist entspannt – es ist nicht seine erste Pilgerreise in den Wallfahrtsort. Aber dieser Weg wird der längste sein.

Schon wer dahin fahren wollen würde per Auto, würde etliches an Gepäck zusammensuchen. Meyendriesch wird acht Kilo schultern.

Ist eines der drei Paar Socken „durchgewandert“, kann er es unterwegs ersetzen. Eine Büx muss reichen. Luxus ist die schwere Spiegelreflexkamera, die allein ein Kilo für sich reklamiert. Die Bücher sammeln sich im 400 Gramm leichten Tablet.

Am kommenden Samstag, 4. Juli, geht es früh am Morgen in Scholen los. Es wird ein schwerer Abschied, denn Meyendriesch wird seine Frau erst wieder zu seinem 60. Geburtstag in einigen Wochen sehen. Man ist in der Eifel verabredet. Ein zweites Treffen ist für den Hochzeitstag geplant, da will Meyendriesch in der Reichweite Bilbaos sein. 25 Kilometer Strecke hat er pro Tag eingeplant – bleibt es bei der bisherigen Wettervorhersage, wird es ein wahrlich heißer Auftakt. Wer mitten im Leben steht, wie Burkard Meyendriesch, hat welche Veranlassung für ein solches Vorhaben? Es fällt schwer, es als Reise zu benennen, zumindest nach eigenen Maßstäben. „Der Weg ist entscheidend“, sagt Meyendriesch gleich zu Beginn des Gesprächs. Er zieht einen Vergleich zum Marathon: Man fordere sich bis zum Start, meistere (sich mitunter quälend) den Lauf – und ist am Ende glücklich und traurig zugleich: Das Rennen ist vorbei – allein das Glück darüber, es geschafft zu haben, währt kurz.

Meyendriesch bleiben nun viereinhalb Monate Zeit nachzudenken darüber, was seine zweite Lebenshälfte, so nennt er es, ihm wohl bringt. „Mal gucken, was mir so einfällt. Welche Lebensregungen ich spüre, die entwickelt werden wollen.“ Nein, er gehe nicht auf Pilgerreise, weil er in einer Lebenskrise stecke. Im Gegenteil: „Es geht mir allerbestens.“

Körperlich sei er gut trainiert, werde aber an seine Grenzen stoßen auf dieser Tour, sagt er. Pilgern allerdings habe eine spirituellen Anteil. Es bleibt genügend Zeit, sich über viele Dinge Gedanken zu machen. Zumindest nach der ersten Woche. Laut Meyendriesch seien die ersten beiden Tage getragen von den vielen neuen Eindrücken, der dritte allerdings dann schwer und nach einer Woche „alles klar“. Soweit das Organisatorische, das Meyendriesch seit Monaten akribisch vorbereitet.

Aber die Gefühle? Der Abschied von den (und der) Liebsten, das Alleinsein? Social Media als alleiniger Draht muss reichen, denn in der eigens für dieses Abenteuer eingerichteten Facebook-Gruppe will Meyendriesch sich hin und wieder melden. Er wird Tagebuch führen, Thomas von Aquin lesen, auch für „Gregor den Großen“ soll Zeit bleiben und Aristoteles, alles gerne auf Latein.

Und Sightseeing unterwegs? Dafür soll auch ein wenig Zeit bleiben – es wird die Zahl der Schritte zwar erheblich erhöhen (ebenso die Suche nach Unterkünften), aber letztlich ist niemand da, der sie zählt.

Was wirklich bleibt, sind die Eindrücke, Begegnungen, Erlebnisse und Gedanken. Die prägen – und sind Motivation, den ersten Schritt zu tun.

sis

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