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Bürgerbegehren gegen Kita-Pläne in Samtgemeinde Schwaförden beginnt

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Von: Sylvia Wendt

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Sie kämpfen für eine bessere Kinderbetreuung in der Samtgemeinde Schwaförden: Rebecca Kuba, Annika Hoffmann, Sarah Daniel und Daniela Wulferding (von links, mit den Kindern Kuno, Elmar und Emilia).
Sie kämpfen für eine bessere Kinderbetreuung in der Samtgemeinde Schwaförden: Rebecca Kuba, Annika Hoffmann, Sarah Daniel und Daniela Wulferding (von links, mit den Kindern Kuno, Elmar und Emilia). © S. Wendt

Schwaförden – Das Dilemma: Es gibt, einerseits, den Rechtsanspruch auf Kindertagesbetreuung. Und in der Samtgemeinde Schwaförden, andererseits, zu wenige Plätze für diese Betreuung. Samtgemeindebürgermeister Helmut Denker hatte im Interview mit dieser Zeitung im Dezember 2021 erklärt, dass zwei neue Gruppen notwendig seien, die Samtgemeinde deshalb eine Million Euro für den Bau der notwendigen Räume in den Haushalt eingestellt habe. Gefragt, welche Einrichtungen in der Samtgemeinde erweitert werden, hatte Denker seinerzeit geantwortet mit „Schwaförden und Neuenkirchen“. Wie seitdem Ratssitzungen mit entsprechenden Wortbeiträgen gezeigt haben, waren diese Standorte aber nicht das Ergebnis einer vorab geführten offenen Diskussion.

Zwischenzeitlich hat der Samtgemeinderat abgestimmt und sich mit 10 : 8 Stimmen (Ratsfrau Anke Schockemöhle fehlte) dagegen entschieden, zwei neue Kindergartengruppen am Standort Sudwalde und eine im Ehrenburger Ortsteil Stocksdorf einzurichten. Hier besteht besonders dringender Bedarf. Eingerichtet werden soll jeweils eine Gruppe an drei Standorten: in Schwaförden, Ehrenburg-Stocksdorf und Sudwalde. Zusätzlich wird, vorübergehend, in Neuenkirchen eine „Notgruppe“ im Dorfgemeinschaftshaus vorgehalten.

Die Eltern, die zahlreich an der Samtgemeinderatssitzung am 30. März teilgenommen haben, sind empört, haben die notwendigen Vorbereitungen getroffen – und starten am morgigen Samstag, 11. Juni, mit einem Bürgerbegehren einen Anlauf, diesen Beschluss zu kippen. Ziel: Sie möchten eine erneute Abstimmung über die Standorte, um Plätze an den Orten zu schaffen, wo der Bedarf am dringlichsten ist. Und um die Möglichkeit zu bekommen, Beruf und Kind unter einen Hut zu bringen.

Dass auf dem Land mitunter lange Wege zurückzulegen sind, ist allen bekannt. Empörung lösen aber Kommentare aus, wie: „Wir sind hier halt auf’m Land, da muss man juckeln.“ Das wollen sie nicht auf sich sitzen lassen, denn: „Wir bringen die Kinder zum Sport, zum Musikunterricht oder zu anderen Freizeitangeboten, die nicht vor Ort vorgehalten werden.“

Was es genau bedeutet, wenn lange Wege zurückzulegen sind, um Kinder in die Einrichtung zu fahren? Sarah Daniel aus Sudwalde (ein Kind), Daniela Wulferding aus Brelloh (zwei Kinder), beide Elternsprecherinnen einer Kita, sowie Rebecca Kuba (zwei Kinder) und Annika Hoffmann (zwei Kinder), beide aus Sudwalde, können alle aus eigener Erfahrung schildern, dass Kind und Beruf oft eben nicht vereinbar sind in der Samtgemeinde Schwaförden. Rebecca Kuba moniert, dass bei der Abfrage des Bedarfes bei den Eltern nicht ersichtlich ist, wo der genaue Betreuungsbedarf eingetragen werden soll. Sie fordert: „Wir brauchen dringend mehr Nachmittagsgruppen.“ Sarah Daniel sagt, sie könne noch auf eine Oma zurückgreifen – aber andere Paare hätten keine Verwandtschaft vor Ort. Völlig unverständlich sei für sie gewesen: „Du musst dich in der Kita anmelden, die dir zugeordnet, wird.“ Kuba sagt, sie kenne zahlreiche Kinder aus der Nachbarschaft in Sudwalde, die in Neuenkirchen oder Scholen einen Platz hätten und kritisiert: „Die Kinder kennen Sudwalde gar nicht.“ Doch auch wer in der Region arbeitet, kommt nicht umhin, Kilometer zu verfahren, die nicht notwendig wären, wenn die Planung besser abgestimmt werden könnte.

Annika Hoffmann schildert ihren Alltag: „Ich bringe Kuno um 7.30 Uhr in die Kita Sudwalde, fahre dann Elmar in die Krippe nach Schwaförden, dann zurück nach Sudwalde, habe dort noch eine Dreiviertelstunde, bevor ich nach Scholen zur Arbeit fahren muss. Ich muss dort pünktlich um 13 Uhr wieder los, damit ich um 13.30 Uhr Kuno in Sudwalde abholen kann, danach muss ich sofort weiter nach Schwaförden, denn auch Elmar muss um 13.30 Uhr abgeholt werden. Hier kann ich aber auch mal fünf Minuten später kommen. Dann fahre ich wieder zurück nach Sudwalde.“

Unnötige Kilometer per Auto vermeiden, im Sinne des Klimaschutzes – das scheint, speziell auf dem Land, nicht möglich. Warum gehen die beiden Söhne der Familie Hoffmann nicht in eine Einrichtung? „Sudwalde hat keine Krippe.“ Und in Schwaförden können die Großeltern den Enkel per Rad abholen, falls der Schwiegertochter „was dazwischen kommt“. Und dann sind da noch die Zahlen zu vorhandenen und benötigten Plätzen – Neuenkirchen: 83/66 (über Bedarf vorhanden: 17 Plätze), Schwaförden: 73/57 (über Bedarf: 16), Ehrenburg: 36/55 (19 Plätze fehlen), Affinghausen/Sudwalde: 25/66 (41 Plätze fehlen).

Für das Bürgerbegehren notwendig sind 566 Unterschriften von stimmberechtigten Einwohnern der Samtgemeinde Schwaförden (über 18-jährige, seit mindestens drei Monaten in der Samtgemeinde mit Erstwohnsitz gemeldete EU-Bürger). Das sei das Minimalziel, sechs Monate Zeit hätten die Eltern.

Wo kann ich unterschreiben?

Unterschriftenlisten haben Rebecca Kuba, Annika Hoffmann, Sarah Daniel (alle aus Sudwalde) und Daniela Wulferding (aus Brelloh) zu Hause. Wer sie unterstützen und Unterschriften sammeln möchte, wende sich an die vier Bürgerinnen. Listen liegen überdies aus in Affinghausen (Bäckerei Delekat, Edeka Früchtenicht), Ehrenburg („Molly’s Frischemarkt“, Autohaus Schmidt, Volksbank), Neuenkirchen (Gasthaus Klaahsen, Bäckerei Meyerholz, Sparkasse), Scholen (Gasthaus Brand), Schwaförden (Dorfmarkt, Gasthaus „Zur Herrlichkeit“, Volksbank), Schweringhausen (Gasthaus „Zum Heidekrug“) und Sudwalde (Autohaus Wirth, Renas Haarmode, Anikas Floristik, Sparkasse, Volksbank).

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