Bildhauer Marco Wachendorf fertigt Altarkreuz

Benser Eiche für Schwafördener Kirche

Marco Wachendorf mit dem neuen Altarkreuz sowie den zwei passenden Kerzenständern.
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Marco Wachendorf mit dem neuen Altarkreuz sowie den zwei passenden Kerzenständern.

Schwaförden – „Wenn ich als Kind im Gottesdienst saß, hat mich die Predigt, ehrlich gesagt, wenig interessiert“, erinnert sich Marco Wachendorf. Der gebürtige Schwafördener, heute Mitte 30, ließ vielmehr seinen Blick durch die Kirche seines Heimatortes schweifen, nahm „uralte Wandmalereien und schiefe Wände“ wahr. Und schon damals ein Detail, „das nicht recht zum Rest der Kirche zu passen schien“:

Das Altarkreuz. Jetzt steht auf dem Altar aus Neuenkirchener Sandstein ein neues Altarkreuz. Von Wachendorf geschaffen, aus Benser Eiche, flankiert von zwei Kerzenständern.

Vor einigen Jahren hatte die Schwafördener Kirchengemeinde den heute im Sudwalder Ortsteil Bensen beheimateten Wachendorf bereits mit der Gestaltung eines Osterkerzenständers betraut. Pastor Gerald Engeler hatte diesen Brauch vorgestellt, meinte, er wäre auch für Schwaförden passend: Und so trägt ein massiver Kerzenständer unübersehbar eine ebenso massive Kerze, die von Ostern bis Ostern brennt. Daher der Name: Osterkerzenständer. Auf dem Dachboden lag noch ein alter Balken, aber dieses Stück Eiche hatten schon andere für sich entdeckt: Es war zu wurmstichig für ein Kunstwerk.

Aus Werbegrafiker wird Bildhauer

Marco Wachendorf ist als Werbegrafiker in das Berufsleben gestartet und hat dann umgeschwenkt auf Kunsthandwerk: Von der Pike auf erlernte er den altehrwürdigen Beruf des Holz- und Steinbildhauers. Und egal, ob Holz oder Stein: Wachendorf kann filigran wie grob.

Beschreibt Pastor Engeler das Vorgängermodell des Kreuzes als „spakelig“, befand Wachendorf, es passe stilistisch einfach nicht in die Dorfkirche. Es sei viel zu klein, passe besser zu einer Wallfahrtskirche in den Alpen, als in ein norddeutsches Dorf.

Der Osterkerzenständer.

Das Gotteshaus in Schwaförden ist indes nicht aus einem Guss: Der Westturm wird auf die Zeit um 1200 geschätzt, das Kirchenschiff und der Altarraum seien bis 1300 dazugekommen. Der nördliche Teil ist wesentlich jünger, ist erst um 1900 angebaut worden. Die Malereien, so ist es in der Kirchenchronik zu lesen, seien das Werk von Wandermönchen und wohl am Ende des 15. Jahrhunderts entstanden. Als Folge der Reformation wurden sie übertüncht – und daher erhalten, bis man sie wiederentdeckte, freilegte und gründlich restaurierte.

Marco Wachendorf holt sich Inspirationen bei den Bildhauerkollegen aus den Jahrhunderten, genießt deren Kunst in den Gotteshäusern. Und so ist es das bekannte „Werdener Kruzifix“ aus dem Essener Dom, geschaffen um 1060, das ihn inspiriert. Ähnlich konzipiert seien Kruzifixe in den Kirchen in Minden oder Bücken.

Details kennzeichnen die Figur von Jesus, der in feiner Erhabenheit der Gemeinde gegenübersteht. Das Kreuz aus Benser Eiche sei streng und schlicht, „wie unsere flache, abgeschliffene Landschaft“, sagt Wachendorf.

Flankiert wird es durch massive Kerzenständer zu beiden Seiten. Ihre Form hat Wachendorf „entdeckt“, indem er die Altardecke lupfte: Der Altarstein hat dieselbe Form. Welcher Art nun künftig die schmückenden Blumengestecke sein sollten, bleibt zu klären.

Gottesdienste wieder in der Kirche

Die Gemeinde ist eingeladen, sich in den Gottesdiensten, die jetzt wieder stattfinden dürfen, ein Bild von dem neuen Altarkreuz zu machen, von dem der Künstler sagt: „Es nimmt sich nicht zu ernst und fordert den Betrachter nicht heraus.“ Dafür zieht es den Betrachter unweigerlich in seinen Bann: hier der deutliche Abdruck des Werkzeugs, dort der feine Faltenwurf des Tuches.

Das alte Altarkreuz in der Schwafördener Kirche.

Wachendorf hat die drei Elemente nach über 50 Stunden des Schaffens kurz vor Weihnachten an die Kirchengemeinde überreicht: „Die Schwafördener Dorfkirche ist ein kleiner Schatz. Nun hat sie ein Kreuz bekommen, das zu ihr passt.“ Genau wie die Kirche selbst, stehe es am Übergang von der Romanik zur Gotik.

„Ich bin dankbar, durch meine Arbeit einen kleinen Teil zur Geschichte unseres Dorfes beigetragen zu habe“, sagt der Künstler bescheiden.

Termine der Schwafördener Kirche

Die nächsten Gottesdienste und Veranstaltungen in der Schwafördener Kirche: 17. März um 19 Uhr Passionsandacht, 21. März und 2. April um 10 Uhr Gottesdienst, 4. April um 10 Uhr Gottesdienst an Ostersonntag, 11. April um 10 Uhr Gottesdienst, 25. April um 19 Uhr Abendgottesdienst, 2., 16. und 24. Mai sowie 6. Juni, jeweils um 10 Uhr Gottesdienst. Seniorenandachten sind für Mittwoch, 14. April und 9. Juni, jeweils ab 15 Uhr, in der Schwafördener Kirche geplant. 

Von Sylvia Wendt

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