Unternehmensgruppe Schröder investiert Millionen in Nachhaltigkeit

Pro Klimaschutz: Baustoffrecycling in Blockwinkel

Drei Generationen mit, von links, Niklas Goldmann, seiner Mutter Andrea Goldmann und deren Vater Horst Schröder.
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Drei Generationen mit, von links, Niklas Goldmann, seiner Mutter Andrea Goldmann und deren Vater Horst Schröder.

Blockwinkel – „Wir sind eine Wegwerfgesellschaft geworden“, kritisiert Andrea Goldmann. Und fordert: „Wir müssen mit allem gut haushalten.“ Ihre Devise: „Nachhaltigkeit muss schon beim Bau anfangen.“ Andrea Goldmann führt die Unternehmensgruppe Schröder in Blockwinkel in der zweiten Generation. Gegründet hat die Firma im Jahr 1964 ihr Vater Horst und Ursula Schröder.

Und beide Söhne Goldmanns, Dominik und Niklas, befinden sich derzeit in Ausbildungen, um das Traditionsunternehmen in der dritten Generation künftig zu übernehmen.

In jene Nachhaltigkeit beim Bau hat die Schröder Unternehmensgruppe investiert, in fortschrittlichste Recyclingtechnik. Auf 1,5 Millionen Euro summieren sich die jüngsten Anschaffungen: eine Siebanlage, eine moderne, leistungsfähige Brechanlage mit Windsichter, Waage und Nachsieb sowie ein weiterer Holzschredder zum Aufbereiten von Schnittholz, Paletten und Altholz. „Um diese effizient einzusetzen, wurden auch ein neuer Lkw und Radlader mit spezieller Aufbaukonstruktion gebaut“, erklärt Geschäftsführerin Andrea Goldmann.

Es wird deutlich, dass der laienhafte Blick auf Abbrucharbeiten trügt – die umfassen viel mehr, als die Abrissbirne, die gegen die Hauswand donnert.

Geschreddert wird auch Tiermist

Beispiel Schredderanlage: Die wird nicht allein mit Grünschnitt aus dem Garten gefüttert (der als Humus auf dem Acker landet), auch Tiermist (Pferd, Kuh, Huhn) werde geschreddert, erklärt Goldmann. Warum? „Der Strohanteil ist zu groß, er ist zu langfaserig und nach dem Schreddern kann er in der Biogasanlage verfüttert werden.“ Geschreddert werden Abfallholz und kaputte Paletten, etwa im Palettenwerk, das Resultat könne wiederum zum Heizen genutzt werden.

Die komplette „Schreddereinheit“ umfasst einen Lkw mit selbstkonstruiertem Plateau-Aufbau, auf das der Radlader über Auffahrrampen gelangt. Der neue Schredder (Vermeer HG400) wird angehängt.

Die Schredderteams reisen im Auftrag von Kommunen, Landkreisen, Gartenbaubetrieben sowie Maschinenringen im Umkreis von 150 Kilometern zum Einsatz. 70 Mitarbeiter zählt die Firma, ausgebildet werde in drei Berufen: Berufskraftfahrer, Kaufleute für Büromanagement und Pflasterer/Steinsetzer.

Beispiel neue Siebanlage, genauer formuliert: die neue Drei-Deck-Siebanlage mit Überbandmagnet zum Aufbereiten von Recycling-Stoffen sowie verschiedenen Böden und Sand. Gerade bei Industrieobjekten werde entschieden, ob der Bauschutt vor Ort aufgearbeitet werde. „Dieser wird dann abgesiebt und separiert, etwa zu einem Beton-Recycling-Gemisch, dem sogenannten Beton-RC, oder zu Rotstein-Recycling-Gemisch“, erklärt Goldmann.

„Beton-RC ist hochwertige Ware“

Das Beton-RC könne geprüft und zertifiziert werden – und sei als hochwertige Ware wieder im Bau einsetzbar. „Das Aufbereiten vor Ort auf der Baustelle, um möglichst viel Material wieder verwerten zu können, also in den Kreislauf zurückzubringen, wird immer wichtiger. Wie bei dem Schreddern ist auch das Baustoffrecycling essenziell wichtig, um so ressourcenschonend wie möglich zu arbeiten. Was man zuhause im Kleinen mit Müllvermeidung und -trennung bewirken möchte, lässt sich in Bezug auf den Bauschutt im Großen übertragen“, sagt Andrea Goldmann. Und ärgert sich: Der recycelte Bauschutt werde oft genug eben nicht als hochwertige Ware anerkannt. „Gerade aber die öffentliche Hand ist verpflichtet, diesen Beton-RC einzusetzen, wenn diese recycelbaren Produkte nicht zu unverhältnismäßigen Mehrkosten führen, heißt es in den Vorgaben.“

Schreddern von Grünschnitt, hier nahe Hannover.

Wird bei Abbrucharbeiten vor Ort separiert, stellt die Firma mehrere Container auf: für Stahlträger/Metall, für Bauschutt, für Dämmmaterial, für Sonderabfälle, die auf Spezialdeponien entsorgt werden müssen. Für Letzteres besitzt die Firma seit 1999 eine Zertifizierung als Entsorgungsfachbetrieb für Asbest und ähnliche Produkte.

Was wiederverwendet werden kann, wird wiederverwendet. Das Ziel: „Alles, was geht, in den Wirtschaftskreislauf zurückzugeben.“ Und bedienen an diesen Produkten können sich Privatleute wie auch Geschäftskunden. „Sie alle können selbst entscheiden, in welchem Umfang Leistungen erbracht werden sollen. Wir bieten verschiedene Staffelungen bei den Recycling-Arbeiten an, um auf die Bedürfnisse individuell eingehen zu können.

Wenn neben der Brechanlage samt Bagger und Einsatzkraft auch ein Radlader mit Einsatzkraft benötigt wird, um das Material abzufahren, können wir das anbieten, oder der Kunde erledigt das eigenverantwortlich, wenn er das wünscht.“

„Was geht, geht zurück in den Wirtschaftskreislauf“

In Sulingen nennt Goldmann Abbruch-Einsätze am neuen Baugebiet am Bahnhof, das Autohaus Langhang an der Diepholzer Straße, die vom Brand geschädigte der Sule-Apotheke.

Die Brechanlage „Rubblemaster RM100GO!“ im Einsatz auf dem Recyclinghof in Blockwinkel: Der Brecher wird vom Kettenbagger mit Bauschutt beschickt, heraus kommt Rotstein-RC.

Das fachgerechte Abtragen und die Vorbereitung zum Recycling sind keine schnelle Sache. Ein Großauftrag sei das Abtragen eines Bundeswehrkrankenhauses mit diversen Gebäuden und die anschließende Vorbereitung der Fläche zur neuen Bebauung. „Das hat zweieinhalb Jahre gedauert, es war ein Riesen-Areal“, erklärt Andrea Goldmann.

Die Baubranche erfreut sich voller Auftragsbücher und die Corona-Pandemie hat ihr nichts anhaben können, oder? „Der Rohstoff für die PVC-Teile auf dem Bau fehlt“, verrät Goldmann. Zeichen dafür, dass die Lieferketten fragil sind und „umso wichtiger ist es, mit allem zu haushalten.“

Die Geschäftsführerin erinnert an den Start der Unternehmensgruppe im Bereich Recycling im Jahr 1978, als Firmengründer Horst Schröder seinen Erfindergeist genutzt, und flugs einen Holzschredder selbst gebaut habe. Schröder erinnert sich: „Damals war es eine andere Zeit. Aber wir wollten uns davon nicht abhalten lassen, da wir schon das Potenzial in diesem Bereich gesehen haben.“

Und heute heißt die Maßgabe: „Mittlerweile hat die Recyclingschiene einen hohen Stellenwert bei uns. Denn: Jeder Mensch, jedes Unternehmen hat die Pflicht, umweltverträglich zu handeln und einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten.“

Von Sylvia Wendt

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