Arbeitseinsatz der Reisenden Werkschule Scholen in Makanjira/Malawi

Neugier und Angst

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Die Jugendlichen der Reisenden Werkschule Scholen haben ihre Koffer für den Einsatz in Malawi bereits gepackt.

Scholen - Sturm und dunkle Wolken über Scholen: Sommer sieht anders aus. „Irgendwann werden wir uns Regen wünschen“, prophezeit Evelyn Seyfried, pädagogische Leiterin der „Reisenden Werkschule Scholen“, mit Blick auf den Arbeitseinsatz in Malawi.

Das Wetter im afrikanischen Frühling ist vergleichbar mit dem im norddeutschen Hochsommer, aber bis zum Ende des Aufenthalts Anfang November werden die Temperaturen täglich steigen – bis auf 45 Grad. Das „Abenteuer Afrika“ beginnt für zwölf Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren und sieben Pädagogen am Sonntag. Per Flugzeug geht es von Bremen über Frankfurt nach Addis Abeba und von dort aus nach Lilongwe, der Hauptstadt von Malawi. Die Autofahrt zum Quartier ist eine Tagesreise, die letzten 80 Kilometer führen über eine unwegsame Sandpiste. „Bei den Jugendlichen mischt sich die Neugier mit der Angst vor dem Unbekannten“, sagt Evelyn Seyfried, bei den meisten überwiege jedoch die Freude auf die neuen Erfahrungen.

Reisende Werkschule – der Name ist Programm: Man reist, man arbeitet und man lernt. Ein Arbeitsaufenthalt in Afrika gehört seit der Gründung der Schule zum Pflichtprogramm.

Die „reisenden Schüler“ leben für zehn Wochen in Makanjira, ihre Baustelle haben sie in Chillinda an der Grenze zu Mosambique. Hier entsteht in einem dritten Bauabschnitt ein weiteres Schulgebäude.

„Man kennt uns aus den vergangenen Aufenthalten, das vereinfacht vieles“, sagt Evelyn Seyfried und verweist auf gute Kontakte zum Chief, zum Polizeichef, zum Autohändler und zum Guesthouse-Besitzer. Und zu vielen Einwohnern.

Seyfried: „Wir haben für das Bauprojekt 30 afrikanische Facharbeiter engagiert, die uns unterstützen; sonst wäre das in den acht Wochen nicht zu schaffen.“ Baumaterial und Arbeitslöhne – insgesamt 28000 Euro – finanziert die Niedersächsische Bingo-Lotto-Stiftung. Da das Geld unmittelbar und ohne Abzug in das Projekt fließt, sind die Kosten gering. Die Schüler haben sich im Rahmen des Unterrichts intensiv auf den Aufenthalt vorbereitet. Afrika war Thema in Biologie, Geschichte und Erdkunde, außerdem haben sie fleißig Englisch „gepaukt“: Englisch, ein Erbe der Kolonialzeit, ist Amtssprache – neben der Nationalsprache Chichewa. Impfungen gegen Tollwut, Hepatitis, Typhus, Gelbfieber haben die Teilnehmer absolviert, die Koffer sind gepackt (maximal 23 Kilo plus acht Kilo Handgepäck pro Person), Küchenausstattung, Büro- und Baumaterial auch.

Dennoch sind viele Fragen offen. Wie kommen die Jugendlichen mit dem Klima zurecht? Mit ihrem Job auf dem Bau? Mit dem Leben fernab der Zivilisation - ohne fließend Wasser und Tage ohne Strom?

„Der einzige Luxus ist eine eigene Hängematte vor dem Haus“, sagt Evelyn Seyfried. Nach den Erfahrungen der letzten 35 Jahre ist sie zuversichtlich, dass der Aufenthalt allen Schülern gut tun wird: „Sie werden sich selbst besser kennen lernen. Und sie werden Grenzen erfahren und daran wachsen.“

mks

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