Kalender als letztes öffentliches Projekt

Affinghausener Künstler Gerd Kadzik gibt Anstöße zum Umdenken

Klima- und Umweltschutz sind von jedem ganz persönlich gefordert – mit den Kaldenderblättern will Gerd Kadzik Anstöße zum Umdenken geben.
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Klima- und Umweltschutz sind von jedem ganz persönlich gefordert – mit den Kaldenderblättern will Gerd Kadzik Anstöße zum Umdenken geben.

Affinghausen – Eine schmale Holztreppe führt ins Dachgeschoss des Heuerlingshauses in den Feldern bei Affinghausen, das Gerd Kadzik vor 50 Jahren erworben hat. Damals im Prinzip „abbruchreif“, wie er sagt. Der Maler und Grafiker stemmt die schwere Klappe der Luke hoch, hakt sie ein, um Einlass in sein überraschend geräumig wirkendes Atelier zu gewähren. Allerdings hat er nicht zum Atelierbesuch, sondern zum „Werkstattgespräch“ über sein aktuelles Projekt, einen Kalender, eingeladen. Schon das ein Hinweis auf seine Sicht, dass Kunst Arbeit ist – und einen Sinn, eine Aussage haben soll. In diesem Fall zum Klima-, Umwelt- und Artenschutz. „Nun habe ich den Abschluss meiner Zeit als selbstständiger Maler – in dem Sinne, dass ich mich noch in der Öffentlichkeit bemerkbar machen würde. Das ist jetzt vorbei“, kündigt der 91-Jährige an. Kein „vermutlich“, kein „vielleicht“. Kein Geschwafel.

„Das unterscheidet mich von der ,Kunstszene‘, die hier im Landkreis Diepholz vorhanden ist: Ich bin immer noch der Überzeugung, dass Kunst Ausdruck der Zeit ist. Sie muss Antwort auf Zeitgeschehnisse geben, muss etwas mit dem zu tun haben, womit die Gesellschaft sich beschäftigt.“ Das Thema Umwelt – beziehungsweise deren Zerstörung – sei buchstäblich täglich präsent. Er habe sich mit der jungen Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg beschäftigt. „Diese Graswurzel-Mentalität, von unten etwas bewegen.“ Ruft das Bewunderung bei ihm hervor? „ ,Bewunderung‘ ist vielleicht ein bisschen weit gegriffen. Aber es ist bemerkenswert, ein Beweis für individuelle Verantwortung, eine individuelle Stellungnahme. Ein Protest dagegen, dass Politiker ihre eigenen Abmachungen nicht einhalten.“ Durch die „Fridays for Future“-Bewegung hätten die einen Denkzettel bekommen. Wichtig ist Kadzik der Ansatz, nicht nur zu fordern, sondern bei sich selbst anzufangen. So habe Greta Thunberg zum Beispiel ihre Mutter, eine international erfolgreiche Opernsängerin, davon überzeugt, nicht mehr mit dem Flugzeug von einem Auftritt zum nächsten zu reisen. „Ihre Tochter hat gesagt: Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir – jeder von uns – unser eigenes Verhalten prüfen, inwieweit wir mitverantwortlich sind. Das ist von vielen verstanden worden: Die Vorstellung, man sei zu klein, um irgendetwas zu bewegen, ist verkehrt.“

Die Kalenderblätter basieren auf Linoldrucken – links ist die Platte zu sehen, in die Gerd Kadzik eines der Motive als „Negativ“ geschnitten hat, rechts der Druck.

Anstöße zum Umdenken in diese Richtung sollen die 13 Linolschnitte im Kalender geben –  inklusive des Titelblatts „Klima – Auf Messers Schneide“, bei dem die Klinge am schon „verbrauchsfertig“ zerteilten Globus anliegt. Neben der idealistischen, nicht profitorientierten Einstellung (die auch „alte Leute“ nicht ausschließe) spricht Gerd Kadzik der „Fridays for Future“-Bewegung frische Ideen zu, „auf die eingefleischte Denkmuster nicht kommen.“ Und Humor. Die Slogans „Pack die Badehose ein“, um die Auswirkungen des steigenden Meeresspiegels ins Bewusstsein zu rufen und „Ohne Eis kein Eisbär“ hat er von Transparenten der Aktivisten, bekennt Kadzik freimütig. Für ein Kalenderblatt hat er bei sich selbst abgekupfert. Oder besser: ressourcenschonend recycelt. In einem Ordner zeigt er schmunzelnd die Jahrzehnte alte Illustration einer Vogelfutterreklame. „Füttert unsere gefiederten Freunde“. Von denen es immer weniger gibt, weil Nahrungsquellen und Lebensraum schwinden.

„Ohne Eis kein Eisbär“: Der Slogan stammt von „Fridays for Future“.

Beim Blättern in den Arbeiten finden sich viele Stationen aus der Laufbahn Gerd Kadziks, der nach seiner Grafiker-Ausbildung in Berlin berufliche Praxis im Badischen Verlag in den Redaktionen der Illustrierten Woche und der Welt am Sonnabend in Düsseldorf erwarb, anschließend als Zeichner beim Ufa-Werbefilm und im Filmstudio Fischerkoesen in Bonn tätig war. Seit 1962 arbeitete er als freischaffender Maler und Grafiker.

Wann und wo man den Kalender erwerben kann, ist noch offen. „Es ist ja keine Auftragsarbeit.“ Gerd Kadzik plant, Institutionen und Verbände im Landkreis anzusprechen, die sich Klima- und Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben haben, um auszuloten, ob es Interesse an einer Zusammenarbeit gibt.

Eine Illustration für eine Vogelfutterreklame, die er vor vielen Jahrzehnten gestaltet hat, greift Gerd Kadzik für ein Kalenderblatt mit neuer Aussage auf.

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