40 Linoldrucke sind zu sehen

Sudwalde als Kunstgalerie: Bilder von Karl-Heinz Grage laden ein zur individuellen Entdeckungstour

Die Schöpfung nach dem ersten Buch Mose hat Grage in diesem Linolschnitt illustriert.
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Die Schöpfung nach dem ersten Buch Mose hat Grage in diesem Linolschnitt illustriert.

Sudwalde – Wer Theologie studiert hat, der sollte die Bibel kennen, meint man. Und alle anderen? Können wahrscheinlich einzelne Elemente und Geschichten in Teilen benennen. Was aber macht ein Künstler, der keinerlei Bindung zur Kirche hat, sich in ihr nicht engagiert, die Bibel nicht studiert hat, der die Geschichten als Berichte liest? Karl-Heinz Grage hat in einem Projekt 50 Linolschnitte geschaffen: „Ich sehe im Alten Testament die Geschichte der ganzen Menschheit. Es gilt für alle Völker und Rassen.“ Die Werke des Künstlers, 1939 in Hamburg geboren und 1990 in Berlin verstorben, können ab Sonntag, 28. Februar, in Sudwalde entdeckt werden.

Pastor Florian Schwarz und der Kirchenvorstand laden ein zu einem ganz besonderen Schaufensterbummel. „Das ist eigentlich eher ein Begriff für Großstädte“, heißt es in einer Pressemitteilung der Kirchengemeinde. Aber es passe auch für die neueste Aktion der Sudwalder Kirchengemeinde.

Wenn traditionelle kirchliche Feste, etwa eine Taufe, nicht gefeiert werden können, unterbleiben sie vielleicht. Mit einem Tauffest im Sommer will die Sudwalder Kirchengemeinde dazu einladen, dass Sprösslinge in die Glaubensgemeinschaft aufgenommen werden.

Inspiration für dieses Werk: Daniel 7,7.

Um auf dieses besondere Tauffest aufmerksam zu machen, sollen Taufkleider ab Ostern ausgestellt werden. Sie sollen auf die ganz unterschiedlichen Gewänder und Traditionen in den Familien hinweisen. Lust machen, eine eigene Tradition zu begründen. In der Familie von Pastor Schwarz etwa gebe es ein Taufkleid, das seit 140 Jahren weitergereicht werde, Namen und Daten jedes Täuflings seien in den Saum eingestickt.

Die Ausstellung in den Schaufenstern in Sudwalde wurde als gute Idee angesehen: „Da viele der klassischen Gemeindeveranstaltungen zurzeit nicht stattfinden können, Nichtstun aber auch nicht das Richtige ist, wurde gesucht, wie die Menschen coronakonform erreicht werden können.“

So gut, dass noch vor den Taufkleidern eine Kunstausstellung konzipiert wurde. Die Bilder stellt Pastor Schwarz zur Verfügung. Beim Gang über einen Berliner Flohmarkt ist er einst auf die Werke von Karl-Heinz Grage gestoßen, hatte die biblischen Motive erkannt.

Karl-Heinz Grage.

Verkäufer war Grages Bruder, der den Nachlass des Künstlers verwaltet. „Und inzwischen ein guter Freund geworden ist“, berichtet Schwarz, der mittlerweile alle Bilder in seinem Besitz hat. Schwarz berichtet, dass Grage in seinem Kreuzberger Milieu Förderer gefunden hatte, die das Projekt einst finanziert haben.

40 der Linolschnitte werden bis Ostern in Sudwalde zu sehen sein, der Spaziergang sollte vorbeiführen an den Schaufenstern von Bernd Kohröde (Heizung und Sanitär, Affinghäuser Straße 56), Herbert Laasch (Metallbau, Affinghäuser Straße 84), Elektro Rohlfs (Tepestraße 22), am Heuerlingshaus (Mallinghäuser Straße / Am Sportplatz), am Eingangsbereich der Sporthalle (Am Sportplatz) und am Autohaus Wirth (Heidhofstraße 35). Laut Pastor Schwarz werde für die Kinder mit dem Start am Gemeindehaus eine Art Suchbild-Option geschaffen. Die Bilder dürfen gerne zur regen Kommunikation zwischen den Betrachtern führen – per Telefon, E-Mail oder über den Gartenzaun, alle coronabedingten Regeln einhaltend.

Schwarz plant, in seinen Gottesdiensten jeweils eines der Bilder als Thema aufzugreifen. Karl-Heinz Grage biete viele Anregungen und Themen, die oft genug nicht in Gottesdiensten aufgegriffen würden: „Was ich toll finde: Da ist jede Menge Düsteres dabei, was wir sonntags gerne unter den Teppich kehren.“

Grage habe Klassiker wie den Turmbau zu Babel umgesetzt, aber auch die Vision von Jael. Das biete Anlass, mal nachzulesen. „Karl-Heinz Grage hat sich das Alte Testament alleine erarbeitet und ein Reiz seiner Linolschnitte liegt darin, dass er nicht nur die bekannten Erzählungen, sondern auch viele biblische Geschichten und Motive für seine Bilder gewählt hat, die bislang wohl noch nie illustriert wurden. Grage beschönigt nichts in seinen Bildern“, heißt es über den Künstler.

Rut kämpft hart um ihren Lebensunterhalt.

Ein roter Faden durch den Zyklus seien die Emotionen der biblischen Gestalten, die er durch expressive Darstellung von Gesichtern, Händen und Füßen hervorhebe, erklärt Schwarz. Dabei zeige er immer einen Moment der Geschichte und lasse sich nicht davon verführen, nur deren glückliches Ende zu zeichnen. Die Verzweiflung Hiobs, die hart um den Lebensunterhalt kämpfende Rut oder die Verstörtheit Daniels angesichts seiner Visionen werde in aller Tiefe der Gefühle durchlebt. Schwarz: „Es sind kraftvolle Bilder, die weniger das Heilswirken Gottes als vielmehr die Bedürftigkeit der Menschen nach diesem Heilswirken zeigt.“

Weitere Ausstellungen für den Sommer und Herbst sind in Planung. Der Gesamtkatalog zum Bibelprojekt wird auf der Homepage der Kirchengemeinde Sudwalde hinterlegt.

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