3000 Euro „Strafzinsen“ zu zahlen

Gemeinde Scholen hat über zwei Millionen Euro auf den Konten - und muss dafür blechen

Einen letzten Sommer lang dürfen diese Bäume in Blockwinkel Schatten spenden. Ihr Wurzelwerk beschädigt den hier verlaufenden Fuß- und Radweg, deshalb sollen sie ersetzt werden.
+
Einen letzten Sommer lang dürfen diese Bäume in Blockwinkel Schatten spenden. Ihr Wurzelwerk beschädigt den hier verlaufenden Fuß- und Radweg, deshalb sollen sie ersetzt werden.

Scholen – Ein Jahr keine Veranstaltungen im Dorfgemeinschaftshaus in Blockwinkel und, zack, ist die Heizung kaputt: Die jüngste Sitzung des Gemeinderates Scholen musste ohne wärmenden Kuschelfaktor auskommen, schon coronabedingt. Aber von eisiger Stimmung keine Spur: 135 700 Euro Defizit im Haushaltsplan 2021, das ist in Scholen aufgrund der Rücklagen kein Problem.

Der Gemeinderat unter Leitung von Bürgermeister Karl-Heinz Schwenn beschloss das Zahlenwerk einstimmig. Die Eckdaten stellte Gemeindedirektor Helmut Denker vor. Das Minus im Haushaltsplan sei mit Blick auf die Folgejahre als Ausnahme zu sehen. Künftig würden sich die Zahlen wieder deutlich im positiven Bereich einfinden, „jetzt heißt es ein Jahr Augen zu und durch.“ Kredite würden nicht aufgenommen, der Schuldenstand betrage (seit dem Jahr 2009) „null Komma null“ – das könne sich sehen lassen, kommentierte Denker. Tatsächlich: 1 .207. 712 Euro an liquiden Mitteln (die planerisch auf 1 .190 .013 Euro bis Ende des Jahres sinken werden) und 1 .013 .678,29 Euro in der Rücklage bedeuten für die Gemeinde Scholen, dass sie gar Strafe zahlen muss. Die Banken räumen nur begrenzt „freie Guthaben“ ein und diese Grenze ist in der Gemeinde deutlich überschritten. „Wir sind so finanzkräftig, dass wir im vergangenen Jahr 3 000 Euro Strafsteuer zahlen mussten“, erklärte Karl-Heinz Schwenn. Und es wird noch „schlimmer“: „In den Jahren 2022 bis 2024 wird in der Summe ein Finanzmittelüberschuss in Höhe von insgesamt 428. 500 Euro erwartet“, hat Kämmerer Svend Kafemann errechnet.

Breitbandausbau

Was aber nicht zu Übermut im Gemeinderat Scholen führt: An Investitionen stehen 11 .700 Euro als Jahresanteil 2021 der Kommune für den landkreisweiten Breitbandinternetausbau an. Zudem sind 85. 000 Euro für den Ausbau der Baustraße im Baugebiet „Dillengrund“ vorgesehen. Ratsherr Helmut Riedemann war ob der Summe zunächst verwundert: „Da hatten wir doch letztes Jahr 66 .000 Euro als Kostenschätzung.“ Achim Hollmann, stellvertretender Gemeindedirektor und Fachbereichsleiter Bauen und Entwicklung der Samtgemeinde Schwaförden, erklärte den preislichen Unterschied damit, dass in den 85, 000 Euro neben der reinen Bauleistung auch Gutachten inkludiert seien.

Mit dem neuen Baugebiet wird die Gemeinde wachsen, Einnahmen aus der Veräußerung von Grundstücken werden in Höhe von 78. 400 Euro erwartet. Derzeit sind 755 Einwohner gelistet. Und nach zwei weiteren, jeweils einstimmigen Ratsentscheidungen werden es wohl ein paar mehr. In ihrem Bebauungsplan hatte die Gemeinde einst bestimmt, dass für die Dächer der neuen Häuser „nur naturrote oder rote Betondachsteine“ zulässig seien. Zwischenzeitlich sind diverse Ausnahmen genehmigt worden und so wird auch ein Paar, noch wohnhaft in Stuhr-Brinkum, seine Wunschfarbe für seinen Neubau im Blockwinkeler „Dillengrund“ bekommen: anthrazitfarbene Dachziegel. Dieselbe Farbe wünscht sich ein zweites Paar, ebenfalls aus Stuhr, das in der südlichen Erweiterung des Baugebietes „Scholen-Mitte“ einen Neubau plant und bekam dafür die Genehmigung. „Können wir das nicht generell neu festlegen? Dann müssen wir nicht jedes Mal neu entscheiden“, fragte Ratsherr Henrik Landwehr. Achim Hollmann gab zu bedenken, dass dann der komplette Bebauungsplan neu gefasst werden müsste. Das würde Kosten nach sich ziehen, ist den Ratsmitgliedern klar. „Dann hat sich das erledigt“, kommentierte Landwehr.

Stolperfalle

Wie viele der Bauwilligen tatsächlich in diesem Jahr mit der Bautätigkeit beginnen im Blockwinkeler Dillengrund steht nicht fest. Der am Grundstück verlaufende Fuß- und Radweg jedoch ist schon jetzt eine Stolperfalle, heißt es. Grund dafür seien die etwa 30 Jahren alten Bäume, die die Gemeindestraße „Zum Pastorendiek“ säumen. Sie drücken das Pflaster des Weges hoch und könnten zum Teil eine Erschließung der künftigen Wohngrundstücke von der Nordseite her erschweren. Bis Ende März dürften sie noch gefällt werden. Aber wer könnte das so schnell umsetzen? Gibt es eine andere Option? Muss der Weg dann hergerichtet werden – und würde durch die Bautätigkeiten der Häuslebauer wie der „Breitbandleute“ erneut beschädigt? Dann wären das doppelte Ausgaben. Es entspann sich eine rege Diskussion über das Für und Wider einer schnellen Entscheidung. Zugunsten einer einstimmig gefassten Vertagung: Bis zum Herbst dürfen die Bäume einen letzten Sommer lang Schatten spenden, dann soll geklärt werden, wie teuer das Fällen der Bäume, die Entfernung der Stubben, eine neue (dann passgenaue) Bepflanzung und die Wiederherstellung des Fuß- und Radwegs ist. Dann will der Rat erneut in der Thematik beraten.

Von Sylvia Wendt

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Tipps für Erdbeeren auf dem Balkon und im Beet

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Perfekt für den Frühling: Weinpaket „Grün, Grüner, Veltliner“

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Trotz großem Kampf gegen Man City: Aus für den BVB

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Smartes Housekeeping: Haushaltshilfe einfach online buchen

Meistgelesene Artikel

Erwischt: Landwirt kippt Müll in den Wald

Erwischt: Landwirt kippt Müll in den Wald

Erwischt: Landwirt kippt Müll in den Wald
Seniorin schließt ihr Diepholzer Geschäft nach einem Jahr

Seniorin schließt ihr Diepholzer Geschäft nach einem Jahr

Seniorin schließt ihr Diepholzer Geschäft nach einem Jahr
Fitness-Studio in Kirchweyhe startet mit neuem Konzept und neuem Namen

Fitness-Studio in Kirchweyhe startet mit neuem Konzept und neuem Namen

Fitness-Studio in Kirchweyhe startet mit neuem Konzept und neuem Namen

Kommentare