Sudweyher Mühlenstau verursachte früher bei Schneeschmelze und Starkregenfällen in vielen Ortsteilen Hochwasser

Schwäne auf dem Ruschkamp

Am 1. März 1956 entstand dieses Bild. Zu sehen ist die Sudweyher Straße, kurz vor der Gaststätte Sudmann. Die Kinder hatten zwar schulfrei, doch mit Gummistiefeln durchs Wasser den Schulweg zu gehen, war ein Erlebnis.Repros: Meyer

Weyhe - SUDWEYHE (wm) · So allmählich spürt man, dass sich dieser lange Winter auf der Zielgeraden befindet. Gefühlsmäßig waren die vergangenen Monate richtig winterlich. Allerdings sind die Niederschlagsmengen gering.

Im Dezember fiel relativ viel Schnee, aber die Verwehungen täuschten, nur 48 Liter brachte er. Der Januar auch nicht mehr, und der Februar gerade mal 33 Liter pro Quadratmeter. Dabei wären knapp 70 Liter der langjährige Monatsschnitt. Somit hatten wir im vergangenen Vierteljahr nur 60 Prozent des normalen Niederschlags. Auch der März verstärkt diesen Negativtrend: In den ersten zwei Wochen fielen gerade Mal zwei Liter Regen, zu wenig für diese Jahreszeit.

Erkennen kann man die Folgen an den niedrigen Wasserständen der Bäche und vor allem der Seen, teilweise ist der Pegel 50 Zentimeter geringer als im Durchschnitt.

Ältere Einwohner erinnern sich aber auch an andere Zeiten nach den Frostperioden. Die brachten häufig Hochwasser, das durch Schmelze und gleichzeitig auftretende starke Regenfälle entstand. Hombach und Gänsebach traten zwar auch über ihre Ufer, doch es war die Hache, die als wichtigster Vorfluter der Gegend die entscheidende Rolle spielte. Der kleine Bach muss alle Wassermengen von Zuflüssen, Gräben und der Straßenentwässerung aufnehmen.

Längst hat der Mensch auf der 32 Kilometer langen Strecke vom Quellgebiet bei Weseloh bis zur Mündung in die Ochtum bei Kirchweyhe in den natürlichen Verlauf eingegriffen: Begradigungen und Staustufen bei immerhin einst sechs Wassermühlen, unzählige Straßenüberführungen und Ufereinengungen schufen künstliche Engpässe.

Eines dieser Nadelöhre war die Stauanlage der Sudweyher Wassermühle. Hier floss alles durch, was die Hache auf ihrem Weg dorthin aufgenommen hatte. Auch nachdem die Wasserräder 1963 nach Aufgabe des Mühlenbetriebes demontiert waren, änderte sich dieser Zustand kaum. Das Winterhochwasser 1970 und das Märzhochwasser 1981 zeigten es.

Der Rückstau führte zur Überschwemmung der Lahauser Hachewiesen vor Sudweyhe und drückte die Wassermassen beim Holtwischdamm (hinter dem heutigen Freibad) in die kleine Sudweyher Beeke. In kürzester Zeit trat dieser schmale Bach über seine Ufer und setzte fast ganz Sudweyhe unter Wasser.

Mit „Jahrhunderthochwasser“ muss man wohl das Geschehen vom Februar 1940 bezeichnen. Als strengster Winter mit Minustemperaturen von bis zu 21 Grad taucht er in der Statistik auf. Das Zusammentreffen von Schneeschmelze und starken Regenfällen macht ihn für ältere Einwohner unvergessen. Eisschollen verstopften viele Durchlässe. Hier stationierte Soldaten versuchten durch Sprengungen den Wasserabfluss zu ermöglichen. Das Straßenpflaster wurde in der Kirchweyher Straße beim heutigen Trafo, am Kuhzaun und Richtweg aufgerissen, um einen Ablauf in Richtung Bruch zu schaffen.

Kaum vorstellbar: Lahausen war komplett überschwemmt, die Bahnhofstraße und sogar Teile des Geestfeldes standen unter Wasser, Schwäne schwammen am Ruschkamp. Selbst im Bereich der Dorfschule räumten die Bewohner ihre Möbel in die erste Etage.

Am schlimmsten erwischte es wieder einmal die Sudweyher: Zahlreiche Höfe, Häuser und die Gaststätte Voßmeyer waren von Wassermassen eingeschlossen. Wegen der extremen Kälte hatten die Kinder schon seit Anfang Januar schulfrei.

Der Kirchweyher Lehrer und Heimatforscher Wilhelm Schacht schreibt im Kirchweyher Heimatbuch: „Februar 1940 – wer hatte ein solches Hochwasser für möglich gehalten?“ Erst Anfang März war das Wasser gewichen. Zurück blieben zerstörte Straßen, unterspülte Schienen der Kleinbahn, nasse Keller und vernichtete Getreidesaaten.

Damit ähnliche Winterhochwasser der Geschichte angehören, verlegten der Mittelweserverband und die Gemeinde Weyhe in den vergangenen Jahren den Hachelauf, damit der alte Mühlen-stau nicht mehr den Hauptdurchfluss bildete.

Der Ablauf ist seit fast drei Jahren ohne Verengungen gesichert, und falls größere Wassermassen anfallen, dient die neue Flutmulde zwischen dem Freibad und dem Mühlengrund als Ausgleichsfläche. Bei kurzfristigen, starken Niederschlägen hat sich der Bau bereits mehrfach bewährt.

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