Selbst verantwortlich für Geld und Personal: Berufsbildende Schulen ab Januar Kompetenzzentren

Schulleiter und Firmen-Chefs

Horst Burghardt, Leiter der Berufsbildenden Schulen (BBS) in Syke, Europaschule.

DIEPHOLZ/SYKE (sdl) · Zusammen haben sie rund 5 300 Schüler, beschäftigen fast 350 Lehrkräfte und bilden im Landkreis Diepholz damit eine beachtliche Größe: Für die Berufsbildenden Schulen (BBS) in Syke und das Berufsbildungszentrum Dr. Jürgen Ulderup in Diepholz (BBZ) beginnt am 1. Januar eine neue Zeitrechnung. Aus den Schulen werden regionale Kompetenzzentren, aus ihren Schulleitern Firmenchefs im besten Sinne des Wortes.

Denn künftig sind sie für ihr eigenes Personal und ihr eigenes Budget verantwortlich. Sie führen die Personalakten, stellen Lehrkräfte ein, müssen Beförderungen und Jubiläen beachten. „Die Lohnabrechnung läuft aber nach wie vor über das Land, über die Oberfinanzdirektion“, erläutert Horst Burghardt, Leiter der BBS Syke und verantwortlich für rund 3 100 Schüler sowie 184 Lehrer (152 Vollzeitstellen). Schätzungsweise 7,5 Millionen Euro umfasst das Budget, das der Schulleiter vom Land zu erwarten hat – für den „Firmenbetrieb“, vor allem für Personalkosten. Als Schulträger steuert der Landkreis etwa eine halbe Million Euro für die laufende bauliche Unterhaltung bei.

„Das Revolutionäre ist“, so BBZ-Schulleiter Hans-Joachim Jacke, „dass beide Budgets deckungsfähig sind“. Er hat für seine Schule mit 2 200 Schülern und 163 Lehrkräften (120 Vollzeitstellen) nach eigenen Schätzungen zwischen drei und fünf Millionen Euro zur Verfügung, davon 300 000 aus Landkreis-Mitteln. Die Deckungsgleichheit ermöglicht den Schulleitern wichtigen Entscheidungsspielraum.

Obwohl sich die Türen der Kompetenzzentren am 1. Januar öffnen sollen, gibt es noch offene Fragen an das Land – zum Beispiel nach der Verwaltungsleitung, die jede Schule für die neuen Management-Aufgaben bekommen soll. „Ob voll oder Teilzeit, das ist noch nicht geklärt“, so Burghardt, „das hängt vom Geld ab, das dafür fließt“. Für Jacke hat die Verwaltungsleitung eine zentrale Funktion: „Wenn sie nicht gegeben ist, wird das am Ende Krampf.“ Jacke begrüßt das neue Konzept, das praktisch eine Infra-Struktur um den Unterricht herum baue. Schülern Kompetenzen und nicht nur Lehrstoff zu vermitteln sowie den Schulen größtmögliche Flexibilität zu geben: Herzstück der Reform vor dem Hintergrund einer Berufswelt, die sich rasant verändert. Dass Berufsschulen schon jetzt flexibel darauf reagieren können, hat Burghardt bereits mit dem Bau der Ausbildungshalle für Lagerlogistik-Fachkräfte bewiesen – und sogar Sponsoren aus der Wirtschaft ins Boot geholt. Die enge Verzahnung zwischen Schule und Wirtschaft bekommt in den Kompetenzzentren einen festen Platz. Vertreter aus Kammern und Betrieben, aus Eltern-, Schüler- und Lehrerschaft sowie der Schulleitung bilden den neuen Vorstand der Zentren. „Der Vorstand ist das Entscheidungsgremium“, betont Burghardt. Neu hinzu kommt ein fachlicher Beirat, in dem Kammer-Vertreter, Weiterbildungsträger und die Agentur für Arbeit ihr Know How einbringen können.

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