Ilse-Marie Voges (us Ilse) erzählte Besinnliches auf der Diele des Kreismuseums

„Schoosters Ilse“ und ihre Kindheit in Ristedt

Ilse-Marie Voges erzählte aus ihrer Kindheit.

Syke - (bt) · Die Diele des Heimatmuseums war am Sonnabend bis auf den letzten Platz besetzt, als Traute Dittmann den Gästen Ilse-Marie Voges vorstellte. „Eenigs bruuk ik ehr ook gar nich vörtostelln. Us Ilse is ja bekannt as ‘n bunten Hund“, fasste sie sich kurz.

Passend zur Adventszeit beschränkte sich Ilse-Marie Voges auf besinnliche „Vertellers“ und fand die in ihren Erinnerungen an die Kinder- und Jugendzeit in Ristedt.

Es war wie in einem Heimspiel, denn zahlreiche Zuhörer kamen aus „Riste un Sürhusen“. Vieles von dem, was ihnen die Journalistin erzählte, war ihnen bekannt. Wahrscheinlich hatten sie es aber in dieser heiteren und liebenswürdigen Form noch nie gehört. „Schoosters Ilse“ trug ihre Erinnerungen frei vor. Sie stellte das Haus vor, in dem sie aufgewachsen war mit Pumpe in der Küche und der kleinen Schusterwerkstatt ihres Vaters. Dort hielt sie sich gern auf, weil dort oft Grundlagen für die Ortspolitik gelegt und der neueste Dorfklatsch breit getreten wurde.

Nach 1945 wurde ihr kleines Dorf plötzlich voll. Sie schloss Freundschaften auch mit Kindern der Zugezogenen. Sie lernte Knoblauch zu schätzen, der bis dahin im Dorf unbekannt war und ihren Vater Hini abends beim Zubettgehen zu der Bemerkung veranlasste: „Dat Kind stinkt!“

Sie erzählte von der Dorfschule mit acht Jahrgängen in drei Klassen, mit dem Singen bei Beerdigungen und dem Wandertag nach dem Schützenfest, weil der Lehrer Vorsitzender des Schützenvereins war. Die Melkbank an der Sandstraße war der Treffpunkt nicht nur der Kinder. Auch Erwachsene trafen sich an warmen Sommertagen dort zum Klönschnack, der begleitet wurde von Musik auf dem Schifferklavier. In der Erntezeit spielten die Kinder in den Hocken oder brachten Butterbrote, Stuten und Kaffee in Milchkannen zum Feld. Ilse-Marie Voges erinnerte sich auch an eine große Hochzeit mit 300 Gästen, die von einem Koch bewirtet wurden, der auch die Bremer Schaffer bekocht hatte. Alle Frauen des Dorfes mussten dafür die Kartoffeln schön rund schälen.

Zigeuner kamen nach Ristedt, lagerten auf dem Sportplatz und bettelten um Speis und Trank und um Futter für ihre Pferde.

Sie berichtete von ihrem Großvater, der als Jagdaufseher im ersten Weltkrieg einen Landesverräter entdeckte und die Belohnung, die ihm allein zustand, zum Entsetzen seiner Frau mit dem Gendarm geteilt hatte. Im Rückblick bedauert sie, dass sie später in der Bremer Schule darauf bedacht war, durch ihre Aussprache nicht erkennen zu geben, dass sie vom Land kam. Damals genierte man sich, Plattdeutsch zu sprechen. Jetzt bedeute dies wahrscheinlich das allmähliche Verschwinden dieser schönen Sprache, vermutet Ilse-Marie Voges, die zum Schluss noch plattdeutsche Gedichte und Geschichten aus ihren Büchern vorlas.

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