Ulf Schmidt (61) geht in den Ruhestand – und reflektiert im Interview Berufsbildungsmesse und Berufsschulaspekte

„Mister BIB“ macht Schluss

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Ulf Schmidt wirkt seit 32 Jahren als Lehrer an der BBS Europaschule in Syke. Er leitet seit 17 Jahren den Fachbereich Bau, Holz, Farbe, Elektro. Am 22. Juli geht der 61-Jährige – auch stellvertretender Landrat und Fraktionschef der Grünen im Kreistag – in den Ruhestand.

Syke - 13 Jahre lang war er „Mister BIB“ – jetzt ist Schluss: Ulf Schmidt, Studiendirektor an der BBS Europaschule Syke, beendet mit dem aktuellen Schuljahr seine berufliche Laufbahn und hängt damit auch die Organisation der Berufs-Informations-Börse BIB an den sprichwörtlichen Nagel. Der 61-Jährige – stellvertretender Landrat des Landkreises Diepholz und Fraktionsvorsitzender der Grünen im Kreistag – geht am 22. Juli in den Ruhestand. Im aktuellen Interview nimmt er Stellung zur Bedeutung dieser Messe und zu wichtigen Berufsschulaspekten. Die Fragen stellte Anke Seidel.

Herr Schmidt, die Berufs-Informations-Börse BIB ist seit 13 Jahren eine feste Größe, wenn es um die Berufswahl junger Menschen geht. Wieviele Schüler haben in diesen Jahren von dem praxis-orientierten Informationsangebot profitiert?

Ulf Schmidt: Insgesamt zwischen 12000 und 13000 junge Menschen. Hinzu kommen außerdem interessierte Eltern.

Man merkt ganz deutlich: Dort wo Berufswahl Zuhause ein Thema ist, gewinnt Berufsbildung für Schüler an Bedeutung. Aber genauso wichtig ist, wie Lehrer an den Allgemeinbildenden Schulen damit umgehen. Der Lehrer einer Abschlussklasse sollte, das wünsche ich mir, erst dann zufrieden sein, wenn alle seine Schüler eine Perspektive haben.

Im übrigen bieten wir für Eltern auch die Möglichkeit, die BIB am Sonnabend zu besuchen. Das wird von Jahr zu Jahr besser genutzt.

Die BIB ist ein Spiegel der Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt: Es gab Jahre, in denen Ausbildungsplätze Mangelware waren – heute sind es die Auszubildenden, die fehlen. Was bedeutet das für Ihre Messe?

Schmidt: Entstanden ist die BIB, als das Fach AWT – also Arbeit, Wirtschaft, Technik – an den Allgemeinbildenden Schulen ein Thema wurde. Damals gab es Schnuppertage für deren Schüler an der Berufsschule. Daraus ist die Frage und letztendlich die Idee entstanden: Kann man diese Schnuppertage strukturieren, kann man sie bündeln? So habe ich die Initiative ergriffen. Daraus hat sich nach und nach die BIB entwickelt.

Damals war die Marktsituation genau umgekehrt als heute. Deshalb war es schwierig, Betriebe zu gewinnen. Da musste man noch an das Verantwortungsbewusstsein appellieren. Das hat sich nach und nach geändert.

Einige weitsichtige Betriebe haben auf diese Entwicklung sofort reagiert. Jetzt haben es fast alle begriffen. Kurz gesagt: Früher musste die Schule darum betteln, dass die Betriebe zur BIB kommen. Heute ist es so, dass die Betriebe uns die Tür einrennen.

Es ist Tradition, dass zur Eröffnung ein prominenter Gast referiert. Welcher war Ihr Liebling?

Schmidt: Die Grundüberlegung war: Wir brauchen entweder jemanden, der fachlich etwas zu bieten hat – oder jemanden, der einen Namen hat. Aber langfristig und verbindlich eine Zusage von Prominenten zu bekommen, ist enorm schwierig. Besonders bedanken möchte ich mich bei Professor Dr. Rudolf Hickel, der einmal kurzfristig für Willi Lemke eingesprungen ist und deshalb zweimal Gastredner während der BIB-Eröffnung war. Genauso danke ich Landrat Cord Bockhop, der kurzfristig für Kultusministerin Frauke Heiligenstadt das Eröffnungsreferat übernommen hatte.

Als stellvertretender Landrat, Fraktionschef und Studiendirektor an der größten Berufsschule im Landkreis Diepholz begegnen Sie Ihrem Arbeitsplatz ja auch politisch. Für Wirbel sorgte vor drei Jahren die Schwerpunktbildung an den drei Berufsschulstandorten im Landkreis. Alle unter einer Leitung zu verschmelzen, war politisch nicht durchsetzbar. Aber wäre das nicht sinnvoll gewesen?

Schmidt: Diese Doppelfunktion war grundsätzlich schwierig für mich: Zum einen in der Schule Verantwortung zu haben, zum anderen politisch in der Verantwortung zu stehen. Bei der Schwerpunktbildung galt grundsätzlich: Entweder abwarten, bis die Zahlen wegen der allgemein sinkenden Schülerzahlen so niedrig sind, dass man zum Handeln gezwungen ist – oder perspektivisch zu handeln und Investitionen in die Berufsschulstandorte nachhaltig zu planen.

Das war damals richtig.

Aber aus heutiger Sicht würde ich sagen: Es war in einigen Bereichen noch zu früh, Abteilungen zusammenzulegen. Bei den Tischlern und Maurern dagegen war es schon fast zu spät. Grundsätzlich gilt: Wir hätten warten sollen, bis wirklich alle erkannt haben: Es geht so nicht mehr weiter.

Die Berufsschulstandorte unter eine Leitung zu stellen, das wäre sinnvoll gewesen. Dann hätte man für alle drei klare, nachhaltige und einheitliche Entscheidungen treffen können.

Wer organisiert künftig die BIB?

Schmidt: Das ist Chefsache, die Schulleitung wird das übernehmen.

Was wünschen Sie sich für die BBS – und sich persönlich für den Ruhestand?

Schmidt: Dass die BBS in etwas ruhigere Fahrwasser kommt. Dass sich die Kollegen stärker auf ihre Lehrertätigkeit konzentrieren können und weniger belastende Bürokratie haben.

Ich persönlich wünsche mir, etwas weniger fremdbestimmt zu sein.

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