Die Alteisenfreunde Twistringen-Neubruchhausen pflegen ihre Leidenschaft für klassische Traktoren

Schleifpapier statt Weltliteratur

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Die Alteisenfreunde Twistringen-Neubruchhausen: Eine bärenstarke Truppe mit Herz, Verstand und viel schwerem Gerät. ·

Bassum - Von Ulf KaackTWISTRINGEN/NEUBRUCHHAUSEN · Das ist schon eine starke Truppe: die Alteisenfreunde Twistringen-Neubruchhausen. Gemeinsam pflegen sie ihre Leidenschaft für klassische Traktoren, gestalten mit ihren Familien die Freizeit und unterstützen sich bei technischen Problemen. Sie gehören wohl zu den ungewöhnlichsten Vereinen der Region.

„Wir kennen uns schon Ewigkeiten“, plaudert Vereinsvorsitzender Marc Nienaber, den alle nur „Präsi“ nennen. „Die meisten sind zusammen zur Schule gegangen, manche sogar in den Kindergarten. Und bei uns auf dem Lande verliert man sich halt nicht aus den Augen. Wir sind im Dorf groß geworden und kamen vom klassischen Mofa-Frisieren über das Autotuning zu den Traktoren.“

Auch die Frauen, Freundinnen und Kinder sind vollwertige Mitglieder. Nienaber: „Die Alteisenfreunde sind keine Männerrunde, sondern ein Familienclub. Auch stehen unsere Damen nicht als Koch- und Putzgeschwader in der zweiten Reihe. Sie schrauben und fahren genauso wie wir Kerle.“

Wie muss ein Alteisenfreund beschaffen sein? Lust am Landleben ist eine Grundeigenschaft, und Anpacken muss man können. Ränder unter den Fingernägeln sind Pflicht – außer bei der eigenen Hochzeit. Ausgeprägt muss die Leidenschaft zu patiniertem Metall sein. Dieselsound statt Beethoven, Schleifpapier statt Weltliteratur. Doch die wichtigsten Attribute seien Freundschaft, Verlässlichkeit sowie eine ausgeprägte Feierlaune im Einklang mit gutem Benehmen.

Der Altersdurchschnitt liegt bei 26 Jahren. Der „Präsi“ ist mit seinen 32 Lenzen einer der Senioren in der Truppe. „Doch wir treten keinesfalls wie ein pubertärer Haufen auf“, meint er. „Im Gegenteil: Gerade wegen des geringen Alters legen wir bei Treffen und Veranstaltungen Wert darauf, dass niemand über die Stränge schlägt.“

Die Inventarliste der Trecker-Enthusiasten: 28 Mitglieder, ein Lkw-Trailer 18-Tonner und ein Strom-Aggregat. Der Fuhrpark umfasst 60 Traktoren – von toprestauriert bis gerade noch gebrauchsfähig. Ein Mannschaftszelt mit Grill, Gestühl und allem, was dazu gehört. Außerdem acht ausgebaute Bauwagen für geruhsamen Schlaf, zwei Lkw, vier Pkw, acht Unimog, zwei Raupenschlepper, ein gutes Dutzend Mofas und Mopeds.

Der Fuhrpark kann sich sehen lassen, kaum eine Marke, die nicht vertreten ist, darunter Exoten wie ein 48er-Röhr, ein Kramer Verdampfer, verschiedene Fordson, zwei Raupenschlepper von Hanomag und IHC. Das älteste Fahrzeug ist ein Stock von 1936.

„Nur einer von uns

hat einen Bürojob“

Einige Alteisenfreunde haben Bauerei im Nebenerwerb. Wenn Arbeiten auf dem Acker anstehen, sind die Vereinskameraden nicht weit. Wenn einer ein Haus baut, einen Garten umgestaltet oder Holz macht – sofort rücken die Kollegen mit schwerem Gerät an.

Aus dem losen Haufen wurde vor etwa zehn Jahren eine eingeschworene Gemeinschaft. „Irgendwie hatte binnen kürzester Zeit jeder im Freundeskreis einen Trecker in der Werkstatt stehen“, blickt Steffan „Pummel“ Berensen zurück. „Überall wurde geschraubt und bei den zwangsläufig auftretenden Problemen halfen wir uns gegenseitig.“

2009 erfolgte die Eintragung ins Vereinsregister. Gemeinsam wurde ein Lkw-Anhänger angeschafft, auf dem das Material für die Besuche von Traktor-Treffen verstaut wird. Mittlerweile bauen die Alteisenfreunde ein kleines Dorf auf: Herzstück ist ein Mannschaftszelt der Bundeswehr. Darum platziert werden mehrere Bauwagen. Die Stromversorgung übernimmt ein Aggregat aus DDR-Produktion – laut und zuverlässig.

Fast alle Alteisenfreunde stammen aus handwerklichen Berufen, verfügen über entsprechendes technisches Knowhow und über eine eigene Werkstatt. „Pummel“: „Wir haben Landmaschinen- und Feinwerkmechaniker, Tischler, Zimmerleute, Maler, Ofensetzer… Nur einer hat einen Bürojob – der ist für die Finanzen zuständig.“

In der Saison sind die Alteisenfreunde an fast jedem Wochenende auf Traktortreffen zu Gast. Alle zwei Jahre organisieren sie in Twistringen ein eigenes Treffen, am 20. und 21. April ist es wieder soweit. Einmal im Monat findet ein vereinsinterner Stammtisch statt, zum Jahresabschluss ein Pflugtag.

Alteisenfreund kann man nicht mal eben so werden. „Wer bei uns mitmachen will, der muss zu uns passen“, meint der „Präsi“.

http://www.alteisenfreunde.com

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