Brinkums letzter Bürgermeister erinnert sich

Schlaflos wegen vier Klassenzimmern

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Heinz Wilhelm Schmidt ist Brinkums letzter Bürgermeister. Er führte die Geschicke des Ortsteils bis 1974.

Brinkum - Von Rainer Jysch. Fast ein halbes Jahrhundert ist es her, dass sich Heinz Wilhelm Schmidt als Ratsmitglied erstmals auf das politische Parkett der damals noch selbstständigen Gemeinde Brinkum gewagt hat. Bis zum Bürgermeister und zum stellvertretenden Landrat des Landkreises Diepholz hat er es dabei gebracht.

Nur wenige Menschen haben die Entwicklung Brinkums in den vergangenen 50 Jahren so hautnah miterlebt wie Heinz Wilhelm Schmidt. 1927 wurde er in Brinkum geboren und wuchs dort auf. Mit Blick auf die 950-Jahr-Feier, die der Stuhrer Ortsteil in diesem Jahr begeht, gibt der 85-Jährige Einblicke in das Geschehen der vergangenen fünf Jahrzehnte, die er durch seine kommunalpolitische Tätigkeit mit geprägt hat.

Nach sechs Jahren erfolgreicher Ratstätigkeit wurde Schmidt 1970 das erste Mal zum Bürgermeister der Gemeinde Brinkum gewählt. „Es gibt keinen anderen, der dafür in Frage kommt“, hatte ihm sein Vorgänger Heinz Waßmann den Posten schmackhaft gemacht. Insgesamt elf Jahre übte Schmidt das Bürgermeisteramt in der Gemeinde Brinkum und – nach der Gebiets- und Verwaltungsreform 1974 – in der Großgemeinde Stuhr aus. „Alles ehrenamtlich versteht sich“, weist er auf die Besonderheit des damaligen Postens hin, den er neben seiner beruflichen Tätigkeit als Verwaltungsangestellter beim Abwasserverband ausübte. „Ohne die Unterstützung meiner Frau Gertrud hätte ich das alles nicht geschafft.“

„Heute feiern wir

Schützenfest“

„Bremens früherer Bürgermeister Wilhelm Kaisen war für mich ein großes Vorbild“, sagt Schmidt. Kaisens besonnene Art und seine Verdienste um den Wiederaufbau hatten es ihm angetan.

Sehr persönlich ging es in jenen Jahren zu. Da kamen die Leute schon mal mit ihren Sorgen zum Bürgermeister nach Hause. „Das war später in der Großgemeinde natürlich nicht möglich. Aber es war irgendwie schön“, blickt Schmidt zurück. „Wir haben uns im Rat alle verpflichtet gefühlt, das beste für Brinkum zu machen.“

Wenn man ihn beim Schützenfest mit einem speziellen Thema an die Seite nehmen wollte, war ihm das allerdings weniger recht. „Du kannst mich gerne morgen besuchen, aber heute feiern wir Schützenfest“, sagte er dann.

Um an der damaligen Mittelschule an der Jahnstraße den sprunghaft erhöhten Bedarf an Schulraum zu decken, fasste Schmidt mit Gemeindedirektor Hermann Rendigs einen Eilbeschluss: Noch innerhalb der Sommerferien sollte mit dem Bau von vier Klassenräumen im Dachgeschoss der Schule begonnen werden. „Das war ein richtiger Husarenritt“, räumt Schmidt heute ein. „Bis zur formellen Genehmigung durch den Rat habe ich drei Nächte schlecht geschlafen.“

Neben dem Bau von Schulen, den neuen Gewerbeansiedlungen in Brinkum-Nord, der Schaffung von Kindergärten, Spielplätzen und Sportanlagen sowie der Verbesserung der Infrastruktur war die Umsetzung der Gemeindereform 1974 eine der bedeutsamsten Aufgaben in Schmidts Amtszeit. Die selbstständige Gemeinde Brinkum musste sich als Ortsteil der Großgemeinde Stuhr unterordnen. Nicht alle fanden das gut. „Auch ich habe die Reform damals nicht gerade begrüßt, ich hatte andere Pläne und war sehr skeptisch“. Es habe bereits Ideen gegeben, mit Seckenhausen eine neue Gemeinde zu bilden und in Brinkum ein neues Rathaus sowie ein Schwimmbad zu bauen.

Gerne hätte es Schmidt gesehen, wenn zumindest der Name Brinkum für die Großgemeinde gewählt worden wäre. Weil Stuhr die größere Einwohnerzahl vorweisen konnte, kam es aber anders. Selbst die von Schmidt und Rendigs persönlich beim Innenministerium vorgetragenen Bedenken führten zu keiner Änderung im Sinne der Brinkumer Vertreter. „Aus heutiger Sicht war der Zusammenschluss richtig“, sagt Schmidt. „Inzwischen habe ich mich auch an den Namen gewöhnt“, fügt er schmunzelnd hinzu.

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