Jan Peters züchtet Fuchsschafe und lädt für Sonntag auf seinen Hof ein

Schafzucht als Alterstraum

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Mit altem Brot lockt Jan Peters seine Fuchsschafe an. Insgesamt hat er 20 Tiere.

Bassum / Menninghausen - Von Frauke Albrecht. Im Trend ist das sogenannte Entschleunigen. Was nichts anderes bedeutet, als der Langsamkeit Raum zu geben, dem hektischen Alltag etwas entgegenzusetzen oder für kurze Zeit zu entfliehen.

Das, was Jan Peters allerdings im vergangenen Jahr getan hat, könnte man eher als Vollbremsung bezeichnen. Der Schafzüchter nahm als Treiber an einem traditionellen Viehtrieb in Spanien teil. Am Sonntag lädt Peters Schafzüchter und Interessierte auf seinen Hof ein und wird unter anderem Bilder von seiner Reise vorstellen.

Hauptattraktion des Tages aber werden die Schafe sein. Peters züchtet Fuchsschafe – und veranstaltet zum fünften Mal ein solches Treffen. „Eine gute Gelegenheit, um in lockerer Runde über die Tiere zu fachsimpeln und Kontakte zu knüpfen“, sagt er.

Peters betont, dass nicht nur Züchter eingeladen sind. Ihm ist jeder willkommen, der etwas über Schafe wissen möchte oder sich für den Erhalt der alten Rassen interessiert.

Jan Peters züchtet seit mehr als zehn Jahren Fuchsschafe. „Wir haben auch noch ein paar Minischafe, aber nur unserer Tochter zuliebe. Das sind unsere Rasenmäher.“

Als die Pensionierung in greifbare Nähe rückte, habe er sich mit der Frage beschäftigt, was danach kommen könnte und kam zu der Entscheidung, dass er ein Hobby benötigt. Damals lebte der gebürtige Ostfriese mit seiner Familie im Taunus und arbeitete zehn bis zwölf Stunden am Tag. „Mein Nachbar hatte Schafe. Ich habe mir das eine Zeit angeschaut und fand das toll“, erinnert er sich.

Als Treiber in

Spanien dabei

Die Entscheidung war gefallen, Jan Peters wollte Schafzüchter werden. Ehefrau Helga war einverstanden.

Das geeignete Grundstück fand das Paar 1999 in Menninghausen, einem kleinen Ort zwischen Neubruchhausen, Hallstedt und Sudwalde gelegen.

Bei der Wahl der Schaf-Rasse stand für Peters von vorneherein fest, dass es eine alte Rasse sein sollte. Das Rhönschaf und das Coburger Fuchsschaf kamen in die nähere Auswahl. „Das Fuchsschaf gefiel mir einfach besser“, so Peters. Mit zwei Tieren fing er 2001 an, heute hat das Ehepaar etwa 20 Schafe. Verkauft würden die Tiere äußerst selten, geschlachtet schon gar nicht. Peters ist zwar kein Vegetarier, aber essen könne er seine Tiere nicht. „Mir geht es vor allem um den Erhalt der Rasse.“

Ehefrau Helga würde sich zwar ab und zu einen Lammbraten im Ofen wünschen, steht aber voll und ganz hinter ihrem Mann. Sie hilft tatkräftig mit, ob beim Stall ausmisten, bei der Klauenpflege oder als Geburtshelferin.

Freunde von früher erklären die beiden manches Mal für verrückt: „8000 Quadratmeter Grundstück, zusätzlich die Schafzucht – und das in eurem Alter.“ Ehepaar Peters kontert: „Das ist unser Leben. Es macht Spaß.“

Einen Traum verwirklichte sich der rüstige Rentner dann im vergangenen Jahr. „Ich wollte schon immer an einer traditionellen Schafwanderung teilnehmen. Nichts touristisches, sondern auf den alten Pfaden“, erzählt er. Dann lernte er einen schwäbischen Züchter kennen, der Kontakte nach Spanien unterhält. So kam es, dass der damals 72-Jährige 960 Schafe, 103 Ziegen, 568 Kühe, Rinder und Kälber in den Bergen der Sierra de Morena von der Winterweide auf die Sommerweide trieb – zu Fuß. Außerdem dabei: 12 Treiber, 12 Pferde (davon sieben beritten), sieben Hunde und drei Jeeps mit Fahrer. Bei 34 Grad im Schatten legte der Treck täglich 15 bis 20 Kilometer zurück – über Geröll, Wiesen, durch Bäche, immer bergauf. Es gab keinen Strom, auch keine Duschen. „Irgendwann stinkt man genauso wie die Schafe“, so Peters. Abends gab es Gemüsepfanne, jeder aß aus dem großen Topf, dann legte man sich in den Schlafsack. Zelte gab es keine. „Ich war der Natur noch nie so nah“, sagt Peters. Aber auch noch nie so erschöpft.

Gerne würde er das Abenteuer wiederholen, dann aber von der Winter-, auf die Sommerweide. „Da geht es bergab.“

Nun bereitet er sich erst einmal auf Sonntag vor. Neben dem Erfahrungsaustausch wird ein Experte über die Mineralstoffversorgung der Schafe berichten. Speisen und Getränke fehlen nicht. Eine Anmeldung ist nicht zwingend, wäre für die Planung wünschenswert, unter 04248/902071 oder 01726604633 oder jan-hero.peters@gmx.de. Menninghausen 7a, Sudwalde.

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