Lore Frese: 32 Jahre Chefsekretärin in zwei Syker Rathäusern / Vorruhestand im nächsten Monat

Saudischer Prinz und Maria Schell im Vorzimmer

Lore Frese in der Bilder-Galerie zwischen den Porträts von Struß (l.) und Wodtke.

Syke - (vog) · Sie hat Maria Schell die Hand geschüttelt, einen echten Prinzen kennen gelernt, mit drei Stadtdirektoren und sechs Bürgermeister zusammengearbeitet... Langweilig waren die 32 Jahre von Lore Frese als Chefsekretärin im Rathaus nicht. Jetzt will die Harpstedterin ihren Lebensmittelpunkt ins Private verlegen. Ende Februar geht die 63-Jährige in den Vorruhestand.

Wenn sie erzählt, besonders aus den 70er und 80er Jahren, dann hat man das Gefühl, sie öffnet Türen zu ganz anderen Welten – zu stressfreieren und persönlicheren Welten. Sie hat ja noch den Wechsel von den selbstständigen kleinen Ortschaften hin zur Stadt Syke erlebt. Kommunalpolitisch eine Grenzgängerin.

Wäre es nach ihren Wünschen gegangen, hätte sie an der Schule unterrichtet. „Ich wollte studieren und Lehrerin werden“, sagt sie. Ihr Vater war streng, konservativ und dagegen. Die Harpstedterin besuchte in Syke die Handelsschule, lernte Buchhaltung, Steno und Schreibmaschine schreiben. Geschadet hat es nicht. „Steno schreibe ich heute noch, wenn der Bürgermeister mir was diktiert“, erklärt sie.

Wie sie den Job bei der Verwaltung bekam, war in den 70ern noch möglich. Sie bewarb sich beim Kreis, hatte ein Zehn-Minuten-Gespräch mit dem damaligen Kreisrat Helmut Kastens. „Wir haben uns über Gott und die Welt unterhalten. Dann hat er mich gefragt, wann ich anfangen kann“, erinnert sich Lore Frese.

Am 15. März 1971 fing sie an und wurde Sekretärin von Kreisrat Kurt Hillen. Im Rahmen der Treffen der Hauptverwaltungsbeamten lernte sie Karl-Heinz Wodtke kennen. Der war seit 1975 Stadtdirektor in Syke und brachte Schwung in die Beamtenstadt. Lore Frese: „Er hat mich 1979 weggeholt.“

Es wurden 32 Jahre in der Syker Stadtverwaltung, fünf Jahre im alten Rathaus gegenüber der Post, ab Weihnachten 1984 im neuen neben der Kirche.

Intensive Gedanken verbindet die Sekretärin mit dem Alt-Standort. „Es war familiärer“, sagt sie. Bei der Suche nach einem Kollegen „haben wir einfach über den Flur gerufen, dann ging irgendwo eine Tür auf, und wir hatten ihn.“ Heute nutzt das Rufen wenig. Das Haus ist zu groß.

Berichte hat sie damals noch mit der Hand geschrieben. „Wir haben uns nach der Arbeit auch zusammengesetzt. Heute hat doch niemand mehr Zeit“, bedauert sie. Überhaupt war vieles bodenständiger. Die Ratssitzungen fanden in Gaststätten statt. Der Bürger war näher dran. Bürgermeister war ohnehin immer Heinz-Friedrich Struß. Und der zählte bei Abstimmungen stets im Dreier-Rhythmus: Dreie, Sechse, Neune... Wenn er sich verzählt hatte, musste Stadtplaner Rolf Kück noch einmal neu zählen.

Zwei Ereignisse im alten Rathaus sind ihr in besonderer Erinnerung geblieben. Das eine war der Besuch von Prinz Fawaz Al-Saud. Der Neffe des damaligen Königs Chaled von Saudi-Arabien stattete Syke am 26. April 1982 einen Besuch ab.

Syke war auf dem Weg zur Filmmetropole. In der Hachestadt sollten Top-Studios entstehen. Es war der erste Fall von übersteigerter Aufmerksamkeit. Heute würde man von Hype sprechen. Und was ist Lore Frese aufgefallen? „Die goldene Uhr des Prinzen“, erklärt sie.

Den zweiten Besuch hatte Zirkusdirektor Franz Althoff initiiert. Anlässlich eines Gastspiels 1983 war Syke Schauplatz der 1000. Sendung der Sesamstraße. Und viele kamen, darunter Lilo Pulver, Manfred Krug und Maria Schell. „Die war etwas verhuscht, aber sympathisch, und sie hatte einen schönen Pelzmantel“, erinnert sich Lore Frese.

Der Arbeitsumfang im neuen Rathaus wurde nicht weniger. Allein die verantwortlichen Personen wechselten. Nach Wodtke und Struß kamen die Stadtdirektoren Schnabel und Frenken, nach Struß die Bürgermeister Huntemann, Vogel, Rüte, Haase und Behrens.

Lore Frese ist für Dr. Harald Behrens und seine Stellvertreterin Suse Laue zuständig. Für Laue führt sie den Kalender digital, für Behrens in Papierform. Was macht eine Chefsekretärin noch? „Sie ist auch seelischer Mülleimer“, sagt die 63-Jährige vielsagend. Dass das Chefgespann männlich-weiblich ist, findet sie spannend und befruchtend. Als sie das sagt, muss sie lachen. Herzhaft.

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