Buch über die Tigerabteilung 503

Rubbel: „Um Sachlichkeit bemüht“

Alfred Rubbel, übrigens leidenschaftlicher Zigarrenraucher, mit der Neuauflage, die im September in den Handel kommen soll.

Bassum - BASSUM (al) · Als der Bassumer Alfred Rubbel 1990 zusammen mit Rolf Sichel, Franz-Wilhelm Lochmann, Richard Freiherr von Rosen das Buch „Erinnerungen an die Tigerabteilung 503 1942 bis 1945“ in einer Auflage von 250 Stück ohne jede Verlagshilfe drucken ließ, ahnte er nicht, dass dieses Werk im Internet eines Tages mit 1 000 Euro gehandelt würde.

Seine Beweggründe, an dem Buch mitzuarbeiten, waren ganz andere. „Es war ein Buch für die Überlebenden und deren Angehörige“, sagt der 89-jährige Bassumer. „Uns ging es darum, sachlich und nüchtern unsere Erlebnisse zu schildern, ohne jeglichen Kriegspatriotismus“, erklärt Rubbel. Außerdem wollte der Bassumer der Gefallenen gedenken. Rubbel: „Tote, die vergessen werden, sterben ein zweites Mal.“

Schnell war die kleine Auflage von 250 Stück vergriffen und wurde vermehrt nachgefragt. Im Jahr 2000 gab es sogar eine englische Ausgabe, doch handelte es sich um eine vereinfachte Version.

So wurde Rubbel eines Tages vom Flechsig Verlag (gehört dem Würzburg Verlag an) angeschrieben. Man wolle eine überarbeitete Neuauflage auf den Markt bringen. Die Autoren waren einverstanden. Ab September ist sie im Handel erhältlich.

Rubbel: „Die Texte sind identisch, nur gibt es wesentlich mehr Bilder.“ Der Bassumer übernahm die Redaktion. Das Buch handelt von der Geschichte der Tigerabteilung 503. Am 4. Mai 1942 als erste von zehn selbstständigen Tigerabteilungen aufgestellt, bestand sie am 30. Dezember 1942 ostwärts und westlich des unteren Don und am Manytsch ihre Feuertaufe. Im Februar 1943 auf volle Stärke aufgerüstet – drei Kompanien mit insgesamt 45 Tiger-Panzern – nahm sie an der Abwehrschlacht im Donezgebiet und in der Mius-Donezstellung im März und April 1943 teil. Später kämpfte die Abteilung an vorderster Front unter anderem beim Unternehmen Zitadelle, der letzten großen deutschen Offensive im Osten. Nach den Kämpfen im Rahmen der achten Armee am Dnjepr, öffnete sie im Verband mit dem schweren Panzerregiment Bäke den Kessel von Tscherkassy und ermöglichte so den Ausbruch der deutschen Verbände. In ihrem 36-monatigen Bestehen war die Abteilung 25 Monate im Fronteinsatz.

Interessant für Rubbel: „Der Verlag hat festgestellt, wer das Buch kauft. Es sind Zeitzeugen, aber auch die Enkelgeneration, die sich ein Bild von damals machen möchte.“

Im Internet wird das Werk bereits gelobt: „In einer gelungenen Mischung aus aufgelisteten Tabellen, nüchternen Darstellungen der erlebten Situationen, persönlichen Eindrücken und Erlebnissen wird der Leser mit der Realität dieser Zeit konfrontiert. Der Inhalt wird ohne Verherrlichungen wiedergegeben und gerade durch die neutrale Darstellung wird dem Leser die Dramatik der Umstände in oft beklemmender Weise nahe gebracht“, heißt es beispielsweise.

Diese positive Kritik freut Rubbel, denn „wir wollten keinen Kriegspatriotismus schreiben. Wir waren um Sachlichkeit bemüht.“

Dabei half ihm das Kriegstagebuch, das er als Kommandant schreiben musste. „Das war Vorschrift“, so Rubbel.

„Meine Frau hat mich mal spaßeshalber gefragt, ob wir auch Krieg gemacht hätten, weil im Buch immer alle so fröhlich sind“, schmunzelt der Mitautor. Seine Antwort: „Man kann nur ein gewisses Maß an Schrecklichem verkraften.“ Solche Szenen gab es, aber im Buch begnügen sich die Autoren mit der sachlichen Darstellung „abgeschossen“.

Die Erinnerungen an die Tigerabteilung 503 sind nicht das einzige Buch des Bassumers. Derzeit arbeitet er an seinem „persönlichen Kriegstagebuch“. „Ich habe auch ein Buch über meine Heimat Ostpreußen geschrieben und ein Lehrbuch im Rahmen meiner Tätigkeit bei der Bundeswehr.“

Geboren wurde Alfred Rubbel am 28. Juni 1921 in Tilsit. Mit 18 Jahren meldete er sich – mit einer gefälschten Unterschrift seines Vaters – freiwillig zur Wehrmacht.

Nach der Entlassung aus der Gefangenschaft im Juni 1945 kam er auf Umwegen nach Bassum und lernte seine heutige Frau kennen.

Anfänglich arbeitete Rubbel in der Landwirtschaft, bewirtschaftete später selbst einen kleinen Betrieb, ging jedoch 1956 zur Bundeswehr. Er war unter anderem Kommandeur eines Panzerbataillons Leopard II bis 1978 und Lehrgruppenkommandeur an der Panzertruppenschule Munster.

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