Svenja Fuchs verlängert Freiwilliges Jahr in der Twistringer Sozialstation

Rockmusik öffnet Tür zum schwerst behinderten Jungen

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Svenja Fuchs (mitte) mit Kerstin Ernst (r.) und Dörte Höner, Einsatzleitung der Twistringer Sozialstation.

Twistringen - Von Theo Wilke. Die Rockmusik verbindet, sie öffnet die Tür zu einem körperlich und geistig schwerst behinderten Jugendlichen.

Ein an Demenz erkrankter Mann will sich nur von der 19-Jährigen die Fingernägel schneiden lassen: Svenja Fuchs hat keine Berührungsängste, ist aufgeschlossen und stellt sich Herausforderungen. Sie hat ihr Freiwilliges Jahr (FSJ) in der Sozialstation an der Steller Straße eigentlich beendet – aber dann noch um zwei Monate verlängert. Am 1. Oktober beginnt die gebürtige Hemsloherin ihre dreijährige Ausbildung zur examinierten Gesundheits- und Krankenpflegerin in Osnabrück.

Aus der Nähe von Rehden stammt die Frohnatur. Auf die Frage, ob das freiwillige Jahr schwer gewesen sei, antwortet sie lachend: „Gut und auch durchwachsen.“ Natürlich sei die Pflege manchmal anstrengend, aber sie bereite auch Spaß.

Nach Schulbesuchen in Hemsloh, Drebber, Barnstorf und Diepholz schaffte die Wahl-Twistringerin ihren Realschulabschluss im Schulzentrum an der Feldstraße mit einer Eins vor dem Komma. Svenjas anschließendes Praktikum im Rahmen der Berufsschule in Wohnheim der Lebenshilfe am Fritz-Reuter-Weg sei „eine gute Voraussetzung für den Einstieg in die Pflege“ gewesen, betont Chefin Kerstin Ernst.

„Ich kenne jeden

Schleichweg“

Mehr als ein Jahr lang sammelte Fuchs Erfahrungen in der ambulanten häuslichen Kranken-, Alten- und Familienpflege – in Haushalten zwischen Rüssen und Wedehorn. „Die Arbeit ist abwechslungsreich, das ist nicht nur Kaffee kochen und Autos säubern“, betont sie. Und Kirche lerne sie auch von einer anderen Seite kennen, dürfe allein die Materialbestellung der Sozialstation erledigen – alles unter dem Dach der katholischen Gemeinde St. Anna.

Das einschneidendste Erlebnis hatte die 19-Jährige gleich zu Beginn. Svenja begleitete eine Fachkraft zu einem gerade verstorbenen Patienten. Was sonst nicht üblich ist, wünschten die Angehörigen: Die Mitarbeiterinnen der Sozialstation sollten den Verstorbenen vor dem Besuch des Bestatters waschen.

Besonders beeindruckend findet Svenja, dass sie einen schwerst behinderten Jugendlichen pflegen darf. Kerstin Ernst ergänzt: „Musik verbindet eben. Die beiden waren sofort auf einer Wellenlänge.“ Darauf Svenja: „Wenn man kommt, dann läuft im Hintergrund immer Rockmusik. Auch die Familie ist sehr herzlich.“

Anfangs hatte die FSJlerin noch keinen Führerschein, inzwischen schon. Sie fährt aber weiter mit dem Fahrrad zu den Patienten. „Ich kenne jeden Schleichweg in Twistringen und bin manchmal schneller als die Kolleginnen im Auto.“

FSJler haben 30 Tage Urlaub und 25 Bildungstage mit Workshops quer durch Niedersachsen: „Das hat ganz viel Spaß gemacht, ich habe auch neue Freunde gefunden“, erzählt die 19-Jährige. Bei 38 bis 40 Arbeitsstunden in der Woche sind Fuchs rund 400 Euro sicher.

Die Sozialstation wird von Kerstin Ernst und Dörte Höner geleitet. Rund 125 Patienten, Beratungsgespräche nicht eingerechnet, werden betreut. In Pflege und Hauswirtschaft sind mehr als 40 Menschen sowie Praktikanten und eine Auszubildende zur Altenpflegerin beschäftigt.

Wer sich für ein Freiwilliges Jahr interessiert, sollte sich im Internet informieren und bewerben. An der Steller Straße wird schon eine Nachfolgerin für Svenja Fuchs gesucht.

http://www.arbeitsstelle-freiwilligendienste.de

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