Martfelder blickt auf spannendes Jahr und viele Medienauftritte zurück

Ritter Kay Stiegler erteilt Dieter Bohlen eine Absage

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Ritter Kay Stiegler aus Martfeld, hier mit seiner Tochter Greta beim Freimarktsumzug in Bremen, hat ein aufregendes Jahr voller Medienpräsenz und öffentlicher Auftritte hinter sich. ·

Martfeld - Von Ulf KaackSie erinnern sich an Kay Stiegler, den waschechten Ritter aus Martfeld? Vor einem Jahr berichteten wir über den 41-Jährigen, seine Passion für das Mittelalter und darüber, wie ihn die Baronin von Leipnitz mit der Kraft des Schwertschlags in den Adelsstand erhoben hat. Hinter Stiegler liegen zwölf recht aufregende Monate.

„Nachdem im Januar 2013 der Bericht über mich und meine Leidenschaft in der Kreiszeitung erschienen ist, stand das Telefon nicht mehr still“, erinnert sich der Edelmann. Noch am Erscheinungstag meldete sich die Bild-Zeitung bei Kay Stiegler. „Die Reporter fuhren vor allem auf die Tatsache – eigentlich eine völlige Nebensächlichkeit – ab, dass ich schon mal im vollen Ornat mit Schwert und Kettenhemd zum Einkaufen gehe“, sagt der Ritter. „Wir machten eine Fotosession im Martfelder Edeka-Markt und brachten dort den ganzen Laden durcheinander. Leider ging es den Bild-Journalisten weniger um die Seriosität und die historische Exaktheit meines Ritterdaseins, als um eine plakative Verulkung des Ganzen.“

Auch bei den folgenden Anfragen von zahlreichen Fernsehsendern musste Kay Stiegler eine gehörige Portion Selbstironie und Leidensfähigkeit mitbringen. RTL, SAT 1, Buten un Binnen von Radio Bremen sowie FAN-Television aus Dörverden reisten mit Kamerateams nach Martfeld, um den Ritter zu porträtieren.

„Auch denen ging es um eine witzige Story und weniger um die ernsthaften Hintergründe“, ist Stieglers Medienerfahrung. „Mehrfach musste ich bei verschiedenen Szenen mein Veto einlegen, um auf dem Bildschirm nicht als seltsam anmutendes Wesen aus einem Paralleluniversum rüberzukommen. Die wahre Geschichte meines Rittertums war weit weniger gefragt, als ich mir wünschte. Die TV-Beiträge waren sicher eine nette Sache, aber man hätte mehr draus machen können.“

Von einem anderen Kaliber war die Einladung des NDR zur Live-Ausstrahlung der Sendung „Mein Nachmittag“. Dafür reiste Kay Stiegler im Sommer nach Hamburg-Rothenbaum ins NDR-Landesfunkhaus. „So ein Live-Format ist schon anspruchsvoller, weil Fehler und Versprecher nicht wie bei einer Aufzeichnung einfach durch nochmaliges Abdrehen korrigiert werden können – gesagt ist gesagt“, meint der Martfelder, der den beiden TV-Moderatoren Kirsten Rademacher und Arne Jessen wacker Rede und Antwort stand.

Angebote anderer TV-Formate hat der Ritter ausgeschlagen. Monatelang wurde er von den Machern des „Supertalents“ von Dieter Bohlen bekniet. Doch die handelten sich ebenso eine Absage ein wie RTL 2 mit dem Angebot für eine komplette Dokusoap. „Ich bin zwar durchaus eine Rampensau“, meint der Edelmann augenzwinkernd, „aber die Ehre meines Stands erfordert schon ein gewisses Niveau.“

So kann er sich gut vorstellen, in einer pädagogisch-informativen Kindersendung seine Fechtkünste vorzuführen und über das harte Leben im Mittelalter zu berichten. Auch die Mitwirkung bei einer Spielfilmproduktion oder eine Rolle bei den Störtebeker-Festspielen auf Rügen würden ihn durchaus reizen.

Das Jahr 2013 war für Ritter Kay Stiegler nicht nur durch seine Medienpräsenz von Rasantheit geprägt. Aufgrund der Berichterstattung traten verschiedene Veranstalter von Dorffesten und Mittelaltermärkten an den 41-Jährigen heran und buchten ihn als Attraktion – von Stargast mag er in seiner Bescheidenheit nicht sprechen.

In Beckdorf im Stader Land schlüpfte er bei den dortigen Festspielen gar in die Rolle des Protagonisten, des Isern Hinnerk. Dieser lokale Held legte sich im Mittelalter mit dem Bischof an und verweigerte ihm die Zahlung von Steuern. In Kürze erscheint auf 368 Seiten ein historischer Roman über den Isern Hinnerk. Und wer mag wohl die Abbildung vorn auf dem Buchtitel zieren? Klar, Kay Stiegler!

Zwischenzeitlich hat sich der Martfelder Ritter auch als Fechtlehrer etabliert und bildet eine Gruppe von mittelalterlichen Schwertkämpfern aus. Überlegungen, sich dem Rittertum hauptberuflich zu widmen, schließt Kay Stiegler mittlerweile nicht mehr aus: „Doch um wirklich davon leben zu können, bedürfte es einer professionellen Basis und eines konstanten Auftragsvolumens aus Medien- und Eventauftritten mit entsprechender Honorierung. Bis das soweit ist, mache ich brav meinen Job als Polier auf dem Bau und lebe meine Ritterleidenschaft in der Freizeit aus.“

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