Interview mit der amerikanischen Folk-Band „Snakefarm“ / Konzert am 2. März in Syke im Rahmen der Ausstellung „Bestiarium“

Revolverschuss statt roter Rosen beim Rendezvous

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Anna Domino aus Los Angeles blickt in ihren Liedern „Bestien“ vieler Art ins Auge. ·

Von Katrin PliszkaSYKE/STUHR · Ja, der Jetlag. Er sei ihre Entschuldigung für alles, was schiefgehe, scherzt die amerikanische Sängerin Anna Domino (57) beim Interview. Sie und ihr Mann, Gitarrist Michel Delory (52), sind nach zwölf Jahren „Abstinenz“ wieder als „Snakefarm“ auf Tour. Vor Hannover, England und Prag gastiert die Folk-Band am Sonnabend, 2. März, ab 20 Uhr im Syker Vorwerk.

Eingebrockt habe ihnen das Sabine Wewer, erzählt Domino bei Kaffee und Butterkuchen. Dabei schaut sie sich lächelnd in Wewers Atelier um. Die Stuhrer Künstlerin kuratiert die derzeit laufende „Bestiarium“-Schau. Die Ausstellung befasst sich mit dem wilden Tier, das nicht nur in der Natur vorkommt, sondern auch im Menschen sitzt. „Snakefarm“ haben in vielen ihrer Lieder Geschichten über solche „Bestien“ zusammengetragen.

Frau Domino, wie landete Syke auf Ihrer Tour-Liste?

Anna Domino:Sabine ist eine meiner ältesten Freundinnen. Sie sprach uns vor einem Jahr an, ob wir nicht kommen und in Syke auftreten wollten. Ich fragte: „Bist du wahnsinnig? Wir waren seit zwölf Jahren nicht mehr auf Tour.“ Aber sie ließ nicht locker.

Viele Ihrer Songs beschäftigen sich mit menschlichen Abgründen. Was fasziniert Sie an diesem Stoff?

Domino:Es gibt so viele Lieder, in denen ein Mann die Frau, die er liebt, zu einem Fluss bringt und sie hineinwirft. Oder er gibt ihr eine Schaufel, damit sie ihr eigenes Grab aushebt. Warum? Ich bin mit diesen Songs aufgewachsen. Darum hat mich diese Frage beschäftigt und ich habe nach Antworten gesucht.

Haben Sie welche gefunden?

Domino:Ich habe ein wundervolles Buch gefunden, über Gesetze in den USA aus der Zeit vor dem Bürgerkrieg. Viele der Gesetze kamen aus Großbritannien. Eins besagt, dass eine Frau den Vater ihres Kindes benennen konnte. Tat sie das, war jener Mann die ersten beiden Lebensjahre des Kindes verantwortlich für sie und das Baby. Diese Macht der Frauen hat mich fasziniert.

Das Gesetz hätte viele Männer ruiniert, daher brachten sicher einige ihre Frauen um. Dieses Verhalten ist aber nicht einfach nur bösartig. In den Liedern bedauern die Männer ihre Tat vorab, sie sagen der Frau, dass sie sie lieben und sie umarmen sie – nehmen letztlich aber doch den Stein und schlagen zu.

Wie passt das zusammen – eine Frau töten, weil man sie liebt?

Domino:Worum es hier eigentlich geht, ist Kontrolle. Diese Gesetze nahmen den Männern ein Stück weit die Kontrolle aus der Hand – über die Frau, über ihre Erben. Die Unsicherheit ist die Wurzel des Bösen.

Einer Ihrer Songs, die Sie in Syke spielen wollen, ist „Omie Wise“. Wie ist der entstanden?

Domino:Ich bekam alte Gerichtsunterlagen aus dem Bundesstaat North Carolina. Das Mädchen hatte bereits zwei Kinder und hieß Naomi Weiss. Sie wurde aber wieder schwanger und starb durch die Hand von John Lewis, ihrem Freund. Ich schrieb das Lied als Brief von Naomi an ihre Familie. Darin erzählt sie, wie sie sich auf das Treffen mit ihrem Freund freut und sich herausputzt. Dann kommt sie an den Fluss...

Viele dieser Lieder zeichnen kein positives Männer-Bild. Haben Sie auch mal negative Erfahrungen gemacht?

Domino: Es ist sicher ein kleiner Prozentsatz der Männer, die so handeln. Aber diese Horror-Geschichten bleiben bei den Leuten hängen. Es sind einfach die interessanteren Geschichten. Ich selbst hatte eigentlich nie Angst vor Männern. Ich vermeide nur Gruppen junger Männer an Samstagabenden. Sie haben oft Ideen, die sie später nicht mehr kontrollieren können. Da wechsle ich lieber die Straßenseite (lacht).

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